Hypo-Vorstand: „Nachhaltige Investitionen für Osttirol“
Mag. Johann Kollreider, Mitglied des Vorstandes der Hypo Tirol Bank, sprach am Rande einer Kundenveranstaltung über Chancen für die Osttiroler Wirtschaft. Die Hypo Tirol Bank lud am Dienstag, 4. Dezember 2012, Kunden und Interessierte zu einem Informationsabend mit dem Thema „Schuldenkrise – Teufelskreis oder ein Weg zu einem neuen Europa?“ in den Wirtschaftskammersaal. Der gebürtige Osttiroler Johann Kollreider ist seit 26. April 2011 Mitglied des Vorstandes der im Eigentum des Landes stehenden Bank, davor war er für die Raiffeisenlandesbank Tirol tätig, unter anderem als Leiter der Bankstelle Lienz. „In Lienz betreibt die Hypo Tirol Bank seit 1985 eine Bankstelle, damals haben wir mit vier Angestellten begonnen, jetzt betreuen elf MitarbeiterInnen die 3 300 Kunden in allen Finanzierungsfragen“, stellte Kollreider die Osttiroler Filiale vor. Die Finanzierungsleistung im Bereich Wohnbau betrage in Lienz im heurigen Jahr sieben bis acht Mio. Euro, die Finanzierung von Wohnbauträgern sei in dieser Summe noch nicht enthalten.
Der Konzern mit einem Volumen von insgesamt sechs Mrd. Euro wolle sich in Zukunft auf den Kernmarkt Tirol konzentrieren, aus Deutschland und der Schweiz habe man sich bereits vollständig zurückgezogen, in Italien wolle man in Zukunft nur mehr die Filialen in Bozen, Meran und Brixen aufrecht erhalten, jene in Verona und Trient schließen. Der Schwerpunkt werde in Zukunft auf Privatkunden und das Geschäft mit KMU (kleine und mittlere Unternehmen) gelegt. Rund 55 000 Privatkunden werden in den 20 Tiroler Geschäftsstellen des Kreditinstitutes betreut. „Hohe Marktanteile haben wir im Bereich der Lifte und Bergbahnen und bei Freiberuflern, vor allem bei Ärzten“, so Kollreider. Bei Ärzten verfüge man in Tirol über die Marktführerschaft, genauso wie bei gewerblichen Bauträgern, im Tourismus und im öffentlichen Bereich (Land und Gemeinden). Eine Herausforderung für die Zukunft sei der Umstand, dass 2017 die Landeshaftung für Hypo-Anleihen ausläuft. „Um den Kunden weiterhin attraktive eigene Veranlagungsmöglichkeiten zu bieten, emittieren wir beispielsweise Pfandbriefe mit hypothekarischer Besicherung“, erklärte der Hypo-Vorstand.
Angesprochen auf Schwächen und Chancen der Osttiroler Wirtschaft meinte Kollreider: „Chancen sehe ich vor allem im Tourismus und im Ausbau der Wasserkraft, um nachhaltige Einnahmen für die Gemeindekassen zu lukrieren.“ Die Situation für die Lienzer Bergbahnen sei schwierig, unter anderem auch deshalb, weil man die Chance nicht genutzt hätte, die Schultz-Gruppe als Investor zu gewinnen. „Der Tourismus schwächelt in Osttirol wegen der fehlenden Zusammenarbeit, und ich orte auch viel egozentrisches Denken“, meinte der Bankenvorstand. Und für die finanziell angeschlagenen Kommunen müssten nachhaltige Investitionen langfristig für Einnahmen sorgen. „Bei allem Respekt für den Natur- und Umweltschutz sehe ich im Ausbau der Wasserkraft dafür eine vernünftige Strategie“, so Kollreider abschließend.
Text und Foto: Raimund Mühlburger