Hier entsteht Einzigartiges und Wertvolles aus Leder
Das Schuhhandwerk und das Arbeiten mit Leder sind für Mario Unterassinger Beruf und Berufung. In dritter Generation führt er im Herzen von Lienz einen Handwerksbetrieb.
„Das Wichtigste, um mit der Zeit Schritt halten und leichter durchs Leben gehen zu können, ist ein guter Schuh“, zitiert Mario Unterassinger das Motto seines Betriebes, seines Handwerks und wohl auch ein bisschen seines Lebens. Schon als kleiner Bub hat ihn das Arbeiten mit Leder fasziniert. „Mein Großonkel Franz war der erste Schuhmachermeister, der hier an diesem Standort eine Werkstatt betrieben hat. Er galt als begeisterter Bergsteiger und konnte sich auch im Bereich Berg- und Arbeitsschuhe einen guten Namen machen. Für Olympiasieger Pepi Stiegler fertigte mein Großonkel z.B. Skischuhe. Damals setzte sich gerade die Technik des herausnehmbaren Innenschuhs durch“, blickt der 47-Jährige auf die Anfänge des Lienzer Unternehmens zurück.
Er selbst hat schon als kleiner Bub in der Schusterwerkstatt Hand angelegt, Fleckchen gestanzt und Leder bearbeitet. „Ich erhielt sogar eine eigene Kinderbeißzange, abgestimmt auf meine kleinen Hände. Der Geruch des Leders, das Arbeiten mit diesem Material und die Entstehung eines individuellen Produktes haben mich immer schon begeistert. Deshalb reifte in mir auch der Entschluss, die Schuhmacherlehre zu absolvieren“, erzählt er. Im Alter von 23 Jahren konnte sich Mario schon Schuhmachermeister nennen. 2001 übernahm er den Betrieb in der Adolf-Purtscher-Straße.
Berg-, Wander- und Arbeitsschuhe stellen im traditionellen Lienzer Unternehmen auch heute ein wichtiges Segment dar. Mario fertigt mit seinem Team Maßschuhe aller Art und Trachtenschuhe, abgestimmt auf die individuellen Kundenwünsche. „Mit dem Erzeugen von Hirschlederhosen und Reparaturen sind wir viel beschäftigt. Wir reparieren nicht nur Schuhe, sondern auch Trachtengürtel, Rucksäcke, Koffer, Pferdesättel oder Zaumzeug, ebenso wie wir ungewöhnliche Aufträge ausführen. Vor Kurzem hat uns ein Kunde mit der Reparatur eines Cabriodaches beauftragt“, schmunzelt er.
Die Philosophie, auf die Wünsche der Kunden individuell einzugehen, wird im Hause Unterassinger groß geschrieben. Mit einem „Griaß di“ werden die Kunden begrüßt, wenn sie das Geschäft betreten, dann nehmen sich Mario und seine MitarbeiterInnen viel Zeit für die Beratung. In der Werkstatt kann man das Leder angreifen, die Naturmaterialien spüren und riechen. Lederhosen werden ausnahmslos aus heimischem Hirschleder hergestellt. „Wenn ein Jäger Häute vorbeibringt, aus denen seine Hose gefertigt werden soll, schicken wir diese in die Gerberei. Das Leder wird dort gegerbt und dem individuellen Farbwunsch entsprechend eingefärbt. Wir nehmen Maß, und unsere Lederschneiderin Margit näht die Hose. Außerdem führen wir auch die Stickereiarbeiten aus“, erklärt Mario den Produktionsprozess.
Wünschen Kunden Maßschuhe, stehen zunächst ein Beratungsgespräch und das Maßnehmen auf dem Programm. Dabei wird natürlich auch auf eventuelle Fehlstellungen geachtet. Ob es nun ein eleganter Schuh, ein Berg- oder Arbeitsschuh sein soll – zunächst müssen Material und Farbe ausgewählt werden. Hochwertiges Boxcalve-Leder von Kälbern, fettgegerbtes Leder, Juchtenleder oder Cordovan-Leder vom Pferd, das besonders engfasrig und stabil ist – dies alles kann als Oberleder in Frage kommen. „Die Beschaffenheit des Futterleders ist mir besonders wichtig, weil es direkt am Fuß anliegt. Dass die Gerbung auf pflanzlicher Basis erfolgt und das Leder chromfrei ist, wird dadurch sichergestellt, dass ich in einem Tiroler Betrieb gerben lasse“, geht der Schuhmachermeister auf den Aspekt ein, dass viele Menschen auf Chrom und andere Schwermetalle allergisch reagieren.
Die Beschaffenheit der Laufsohle und der sogenannten Brandsohle – diese liegt direkt am Fuß auf – sei hauptverantwortlich dafür, dass ein angenehmes Fußklima entstehen kann. Dann werden die einzelnen Teile aus dem Leder herausgeschnitten und zusammengenäht. Das Oberteil wird über den Holzleisten „gezwickt“ und mit der Brandsohle verbunden. Rahmen- oder Zwienaht sind beliebte Verbindungsarten, früher wurden Arbeits- und Bergschuhe „holzgenagelt“. „Das Oberteil belassen wir mindestens eine Woche auf dem Leisten, dadurch bleibt der Schuh länger in Form“, erzählt Mario. Nach dem Aufkleben der Ledersohle oder Profilsohle aus Gummi wird der Schuh „gefinisht“ – also geschliffen und geputzt. Nun kann der fertige Schuh zur Anprobe übergeben werden. „Ich bin davon überzeugt, dass der Kunde jetzt etwas ganz Besonderes am Fuß trägt. Der Schuh passt exakt, weil Maß genommen wurde. Wir verwenden hochwertige Materialien, und auch die Wünsche des Kunden wurden individuell in das Produkt eingearbeitet“, meint der Schuhmachermeister, der auch prominente Schauspieler zu seinen Kunden zählen darf. „Das soll aber nicht heißen, dass sich unsere Schuhe nur Prominente leisten können. In mein Geschäft kann jeder mit seinen Wünschen kommen“, hält der Handwerksmeister fest.
Auch für Probleme am Fuß oder Fehlstellungen hat Mario mit einem speziellen Einlagensystem die richtige Lösung. In seinem Geschäft kann man aber auch Schuhe und Zubehör renommierter Hersteller erwerben – vom Arbeitsschuh mit Schnittschutz oder Spezialsohle über Sport- und Bergschuhe bis zum ausgefallenen Schuh für die elegante Dame. Die Begeisterung für das Handwerk ist bei der in Oberlienz lebenden Familie Unterassinger übrigens auch schon auf die nächste Generation übergesprungen: Sohn Gerald ist gelernter Schuhmacher und Tochter Jasmin als ausgebildete medizinische Fußpflegerin tätig.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger









