Manufaktur Zacher: Von Schafwolle, Filz und traditionellem Handwerk
Früher wurden aus der Schafwolle vor allem Hüte gefertigt, heute werden in der Manufaktur in Innichen Pantoffeln, Sitzkissen, Sohlen und verschiedene Accessoires hergestellt.
„Hutmacher“ steht in großen Lettern auf dem gelb gestrichenen Haus im Zentrum der Südtiroler Marktgemeinde Innichen. Der historische Ansitz Thurn gehört zu Familie Zacher wie die Wolle. „Seit 1560 sind wir als Handwerkerfamilie im Pustertal nachweisbar. Mein Urgroßvater Josef vollzog Mitte des 19. Jahrhunderts den Wechsel vom Gerben hin zur Hutproduktion. Die Geschäfte liefen gut, bis der Erste Weltkrieg auch den Zachers zu schaffen machte. Die Produktion von Hüten ging trotzdem in kleinem Stil weiter, bevor man in den 1930er-Jahren auf Sohlen, Filze und Pantoffeln umsattelte“, blickt Christina, die Jüngste der Zacher-Geschwister, auf die Geschichte des traditionsreichen Handwerksbetriebes zurück.
Christina Zacher kümmert sich vor allem um den „Laden“.
Christina hat Kunstgeschichte und Germanistik in Innsbruck und Lissabon studiert und ist im Jahre 2003 fix in den Betrieb eingestiegen. Christina kümmert sich vor allem um den Laden im alten „Hutmacherhaus“, in dem die vielfältigen Produkte der Zacher-Manufaktur zum Verkauf angeboten werden. Sie erklärt den interessierten Kundinnen und Kunden auf Nachfrage sehr gerne, wie aus Schafwolle Filzpantoffeln entstehen. An Hannes, dem Mann mit dem Rauschebart, kommt im Familienbetrieb, wenn es um Maschinen geht, niemand vorbei. Er ist der unangefochtene Walkmeister im Hause Zacher. Um Buchhaltung, Werkstatt und Geschäft kümmert sich Hedwig, während die Zwillingsbrüder Friedrich und Alois die Spezialisten sind, wenn es um das Filzen und Formen geht.
Jakob und Hannes Zacher an der Hammerwalke aus dem Jahre 1901
Zur Familie gehört auch noch Bruder Michael, der die Landwirtschaft, den „Huterhof“, betreibt. „Die Pantoffeln, also die Potschn, wie wir sie im Dialekt nennen, sind heute unser Aushängeschild. Wir stellen aber auch Sitzkissen, Sohlen und verschiedene Accessoires wie Untersetzer, Tischsets, Weinkühler oder Körbe her. Hüte in hoher Qualität und in verschiedensten Ausführungen gibt es in unserem Geschäft immer noch, obwohl wir diese nicht mehr selbst produzieren“, informiert Christina.
Alois Zacher bei der Potschn-Herstellung
Die Liebe zur Tradition und zum alten Handwerk ist in der Manufaktur in Innichen an jeder Ecke spürbar. Wenn die Zachers Wolle zu Filz verarbeiten, dann dampft, rattert und knarzt es – so wie vor hundert Jahren. „Die Hammerwalke, die unser Urgroßvater 1901 für die Produktion fertigen ließ, ist immer noch im Einsatz. Hier wird die Wolle zur Verarbeitung vorbereitet. Der sogenannte Vorfilz wird dabei in heißem Wasser geknetet, damit er sich zusammenzieht. Das funktioniert nur mit reiner Schurwolle – 100 Prozent Natur eben“, erklärt Christina die ersten Schritte in der Produktion von Filz.
Hannes Zacher prüft die Wollqualität.
Naturbelassene Schurwolle, dazu Wasser, Dampf, Druck, Seife und viel Gefühl – nichts anderes steckt im Haunold-Walkfilz. „Die Sohle unserer Potschn wird aus Wolle vom Tiroler Bergschaf gefertigt, das Oberteil aus feiner Merinowolle. Beides wird miteinander verfilzt und wie ein Hut von Hand auf den Leisten gezogen. Den an der Ferse offenen Pantoffel nennen wir übrigens Schlappa.“ Die langhaarige, robuste Wolle des Tiroler Bergschafes ist für Sohlen besonders gut geeignet. „Wir verarbeiten hauptsächlich die Wolle von Vinschger Schafen, die vom Frühjahr bis in den Herbst auf den Bergalmen weiden. Die weichere Merinowolle für die Oberflächen ist ein Kind des Südens. Wir beziehen sie aus Südamerika und Südafrika, immer öfter aber auch aus Süddeutschland.“
Die Bestandteile der Potschn werden mit Wasser, Hitze und Druck zu einer Einheit geformt und dann von Hand auf einen Leisten gezogen. Alleinstellungsmerkmal der Pantoffeln aus dem Hause Zacher ist die 12 mm dicke Laufsohle aus Wolle vom Tiroler Bergschaf.
Mit viel Leidenschaft für die Wollverarbeitung, mit Kreativität, Genauigkeit und Offenheit gegenüber Neuem führen die fünf Geschwister das traditionelle Handwerk von Vater Leopold fort. „Gerade in der heutigen Zeit ist die Art und Weise, wie wir unsere Filz-Produkte herstellen, aktueller denn je. Wir kaufen die gewaschene Wolle und stellen in unserer Manufaktur in einer kleinen, aber feinen Wertschöpfungskette unseren Filz und die Produkte her. Mit den eigenen Händen Nachhaltiges und Qualitätsvolles zu schaffen – das prägt unsere Familie seit nunmehr viereinhalb Jahrhunderten. Es ist ein gutes Gefühl, wenn wir diese Tradition fortsetzen dürfen und wenn sich auch die nächste Generation dafür begeistern lässt“, fasst Christina Zacher abschließend die Unternehmensphilosophie zusammen.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Alex Filz