Hafner Rainer-Pranter: Uraltes Handwerk begeistert auch die Jugend

Wir besuchten Hafnermeister Wolfgang Rainer-Pranter und seinen Sohn Raul in Sillian/Arnbach und erfuhren viel von der Faszination, die vom alten Hafner-Gewerbe ausgeht.

Im Mittelalter gehörte der Hafner zu den wichtigsten und weit verbreitetsten Berufen. Hafner stellten Geschirr, Pfannen, Töpfe und sonstige Güter des täglichen Bedarfs aus Ton her und formten natürlich auch Ofenkacheln. Später wandelte sich die Bezeichnung „Hafner“ vielfach in „Töpfer“ oder „Ofensetzer“ um. Den Lehrberuf des Hafners gibt es in Österreich, Süddeutschland und der Schweiz bis heute.

 

Raul war ein sehr erfolgreicher Hafner-Lehrling. Sowohl im 2. als auch im 3. Lehrjahr holte er den Landessieg nach Osttirol.

 

Wolfgang Rainer-Pranter hat sein Handwerk bei Ofenbau Steinringer gelernt, später die Keramikschule in Graz/St. Peter besucht und 2005 die Meisterprüfung in Wien abgelegt. „Das Hafner-Gewerbe hat mich schon immer fasziniert. Erst relativ spät – mit 20 Jahren – habe ich mit der Lehre begonnen und mich nach der Meisterprüfung selbstständig gemacht“, blickt der 52-Jährige zurück. Wolfgang ist mit sechs Geschwistern auf dem Obertöter-Hof im Sillianer Ortsteil Arnbach aufgewachsen. Heute führt er den Bergbauernhof – und hier hat er auch seine Werkstatt eingerichtet. Gemeinsam mit seinem Sohn Raul stellt der Osttiroler Holzöfen, Kachelöfen, Brotbacköfen, offene Kamine und auch Keramiken her.

 

 

„Die Strahlungswärme eines Holzofens ist der Sonnenstrahlung am ähnlichsten. Holzöfen, das Feuer und das Knistern strahlen Gemütlichkeit und eine heimelige Atmosphäre aus. So gibt ein Ofen jedem Haus eine besondere Note. Auch in Hotels sind Kachelöfen und offene Kamine sehr gefragt, etwa in der Empfangshalle, in der Lobby oder im Spa-Bereich“, schwärmt der Hafnermeister von den Vorzügen seiner Öfen. Sohn Raul hat vor Kurzem die Hafnerlehre abgeschlossen – und er war ein sehr erfolgreicher Lehrling: Der junge Sillianer gehört zum Kreis jener vier Nachwuchshandwerker, die am 8. November 2019 im Rahmen von Tirol Skills im Gymnasium Lienz als zweifache Landessieger (2. und 3. Lehrjahr)
ausgezeichnet wurden.

 

 

„Schon als Hauptschüler habe ich mich gerne in der Werkstatt meines Vaters aufgehalten und ihn öfters auch auf Baustellen begleitet. So stand für mich außer Frage, dass ich den alten Beruf des Hafners erlerne. Es ist ein sehr kreatives und abwechslungsreiches Handwerk. Ein Ofen ist ein Blickfang in jedem Haus. Wir freuen uns immer sehr, wenn eine unserer Auftragsarbeiten fertig ist. Mit einem Kachelofen kann man etwas Bleibendes schaffen, das den Kunden jahrzehntelang Freude bereitet“, erzählt der 19-Jährige von der Faszination, die vom Hafnergewerbe ausgeht.

 

 

Von der Planung über die Produktion bis zum Einbau – in Arnbach entstehen individuell auf jeden Kundenwunsch abgestimmte Unikate. „Wichtig ist uns vor allem die persönliche Beratung. Ein Ofen muss in den jeweiligen Raum und zur Persönlichkeit des Besitzers passen“,meint Wolfgang. Ob  aufwändiges oder schlichtes Design, ob mit oder ohne Kacheln – Wolfgang und Raul setzen mit der Arbeit ihrer Hände jeden Kundenwunsch um. „Der Trend geht aktuell eher hin zu schlichtem Design. Besonders oft werden Öfen mit Glastür und Sicht auf die Feuerstelle nachgefragt.

 

Es ist für Hafnermeister Wolfgang Rainer-Pranter und seinen Sohn Raul immer ein Anlass zur Freude, wenn ein Kachelofen fertiggestellt ist und damit sprichwörtlich Wohnung und Herz der Auftraggeber „erwärmt” werden.

 

„Mich interessieren besonders auch die technischen Details wie die Wirkungsgrad-Berechnung oder die Umweltfreundlichkeit. Die Hafnerei macht mir großen Spaß, und ich möchte mich in diesem Beruf auch weiterentwickeln. Irgendwann die Meisterprüfung abzulegen, ist mein großes Ziel“, so Raul abschließend.

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger

12. Februar 2020 um