Greenkeeper: Alles Rasen oder was?

Was ist ein Greenkeeper werden sich wohl viele fragen. Auch wir wussten nur wenig darüber, und besuchten deshalb Daniel Mentil und sein Team am Golfplatz in Lavant.

Ob Golfplatz oder Fußballstadion: Greenkeeper sind, vereinfacht ausgedrückt, für den Rasen verantwortlich. Wo liegt das Problem, mögen sich nun einige denken. Das dürfte wohl nicht so schwierig sein! Unser Blick hinter die Kulissen zeigt aber rasch, dass der Beruf eines Greenkeepers nicht nur unter-, sondern häufig auch falsch eingeschätzt wird. Es ist eine Tätigkeit für Menschen mit großem technischem Verständnis und mit weitreichendem Wissen in den Fachbereichen Biologie, Bodenkunde, Bodenchemie, Pflanzenphysiologie und -ernährung. „Auch Betriebswirtschaft, Naturschutz und Arbeitsrecht gehören dazu“, gibt uns Daniel Mentil, der Headgreenkeeper der beiden Golfplätze in Osttirol und Chef über 16 MitarbeiterInnen, Auskunft.

Seit seinem 21. Lebensjahr ist der Oberkärntner, der in Flattach wohnt und täglich nach Lavant pendelt, bei der Familie Hamacher beschäftigt. Vorher verdiente er sich sein Brot auf dem Golfplatz in Berg i.D. Neun bis zehn Monate im Jahr übt er seinen Job aus, an dem ihn nicht nur die tägliche Arbeit in der freien Natur, sondern auch die unglaubliche Vielfältigkeit fasziniert. „Kein Tag gleicht dem anderen, kein Jahr am Golfplatz dem nächsten. Wir sind keine Fließbandarbeiter, sondern stellen uns tagtäglich neuen Herausforderungen. Bis zu 60 verschiedene Arbeitsvorgänge wickeln wir im Team ab!“ Am Golfplatz Dolomiten in Lavant war der heute 39-Jährige von Beginn an mit dabei. In diesem Jahr ist die Anlage in St. Veit im Defereggental hinzu gekommen. Insgesamt betreuen Daniel Mentil und seine MitarbeiterInnen jetzt über 110 Hektar (rd. 100 in Lavant und knapp 10 in St. Veit). „Mein Tag beginnt um 4.30 Uhr, meine Leute starten um 5.00 Uhr. Bei unserer Arbeit dürfen wir den Betriebsablauf am Golfplatz nicht stören. Die Platzpflege muss großteils abgeschlossen sein, wenn die ersten Golfer am Morgen auf den Platz kommen.“

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Die richtige Schnitttechnik und Pflege der jeweiligen Rasen seien eine Wissenschaft für sich, führt der Experte weiter aus. Er hält fest: „Die richtige Pflege ist das A und O eines Golfplatzes. Ist diese nicht gewährleistet, bleiben die Golfer aus!“ Die Bereiche von Tees (Abschläge), Fairways (Bereiche zwischen Abschlag und Green) und Greens (Zielbereiche mit Loch) sind jeweils mit einer Vegetation aus unterschiedlichen Rasenmischungen gedeckt. Weitere Elemente eines Golfplatzes sind die Bunker (mit Sand gefüllte Senken), Wasserhindernisse (Teiche, Wasserläufe) und das Rough (ungepflegtes Gelände). „Drei Mal pro Woche schneiden und vertikutieren wir den Rasen auf den Hauptflächen, im Bereich der Greens tun wir dies beinahe täglich. Dieser wird auf 2,5 bis 3 Millimeter Höhe gemäht, jener der Tees auf ca. 10 mm und im Bereich der Fairways beträgt die Rasenhöhe etwa 11 Millimeter“, informiert der Headgreenkeeper, der betont, dass auf den großflächigen Arealen auch sehr viel an mechanischer Arbeit anfalle. Daniel Mentil: „Der Rasen muss permanent aerifiziert, sprich belüftet, werden. Dieser Vorgang macht Sinn, um der Verdichtung des Bodens entgegen zu wirken.“ Als wichtige weitere Arbeitsschritte nennt der 39-Jährige das Besanden des Rasens und natürlich die kontinuierliche Bewässerung: „Auf unseren Anlagen wird ausschließlich unterirdisch bewässert. 15 Kilometer Leitungen wurden dafür alleine am Golfplatz in Lavant verlegt!“ Für die anfallenden Aufgaben am Platz steht dem Team rund um Daniel Mentil ein umfangreicher Fuhrpark zur Verfügung. In einer eigenen Werkstatt führen zwei Mechaniker das Service bzw. anfallende Reparaturen an den Geräten aus.

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Sind die wichtigsten Arbeiten am Morgen in Lavant getan, fährt Daniel Mentil nach St. Veit i.D. weiter, um auch dort nach dem Rechten zu sehen. Die beiden Golfplätze sind nicht nur hinsichtlich der Größe sehr different. Sie unterscheiden sich auch wesentlich in der Höhenlage, in Sachen Klima und in der Frage Kunst- oder Naturrasen. In Lavant handelt es sich ausschließlich um Natur-, in St. Veit teilweise um Kunstrasenflächen, was allerdings weder optisch, noch in Hinsicht auf die Bespielbarkeit eine Rolle spielt. Die Baustelle in St. Veit sei, wie uns der Headgreenkeeper abschließend erzählt, eine große Herausforderung gewesen. „Schließlich führt unser Team auch bauliche Arbeiten selbst aus. Die gesamte Hügellandschaft in St. Veit ist künstlich angelegt, wobei wir beim Arbeiten vor allem mit dem geringen Platzangebot fertig werden mussten!“ Letzteres ist im Lienzer Talboden kein Problem, und so steht in Lavant auch schon der nächste Erweiterungsschritt – um 20 zusätzliche Hektar – an. „Das Ausbauvorhaben ist fixiert, die UVP muss jedoch noch abgewickelt werden!“, freut sich Daniel Mentil auf die nächsten neun Loch am Fuße der Lienzer Dolomiten.

Text: E. Hilgartner, Fotos: Osttirol heute/D. Hotzler

09. August 2015 um