Innergschlöß: Gletscherrückgang erforderte neue Wegführung

Im August vor exakt 40 Jahren wurde der Weg mit atemberaubendem Blick auf die Venedigergruppe und das Schlatenkees eröffnet. Die nun umgesetzte veränderte Wegführung war auch Anlass für eine neue Publikation.

Als erster Lehr- und Themenweg des heutigen Nationalparks Hohe Tauern wurde der Gletscherweg Innergschlöß am 13. August 1978 eröffnet. Heute, 40 Jahre später, steht der Weg allen Naturinteressierten offen und bietet unverfälschte Naturerlebnisse und bäuerliche Kulturlandschaft in einer beeindruckenden Hochgebirgslandschaft. Außerdem macht der Weg die gewaltigen Kräfte sowie den Rückgang des Schlatenkeeses sichtbar. Die Route startet beim Tauernhaus Matrei, führt über alte Almdörfer bis zum Salzbodensee, weiter zum sogenannten „Auge Gottes“ – einem See mit einer Wollgrasinsel in der Mitte. Zum Finale geht es über die gewaltigen Seitenmoränen von 1850 und einen atemberaubend schönen Gletscherschliff zur Gletscherzunge des Schlatenkeeses, dem größten Gletscher Osttirols. Abstieg und Rückweg erfolgen über den Prager Hüttenweg, den der Alpenverein bereits 1872 errichtet hat. Für den Rundwanderweg sind 610 Höhenmeter zu bewältigen und rund vier Stunden einzuplanen.

„Der Gletscherweg zählt nicht umsonst zu den absoluten Wander-Klassikern in den Alpen. In einer Tageswanderung gibt es eine unglaubliche Vielfalt zu entdecken: traditionelle Almwirtschaft, die Kraft des Wassers, einen Bergsee, Felsformationen und dann natürlich noch den so mächtig erscheinenden und doch so stark zurückweichenden Gletscher“, so Anna Brugger, 1. Vorsitzende der Alpenvereinssektion Matrei. Die Sektion, die am 1. September 2018 mit einem Fest ihr 140. Jubiläum sowie „30 Jahre Kesslerstadl“ feiert, zeichnet mit ihrem Wegbautrupp seit Eröffnung des Gletscherweges für die aufwändige Wegerhaltung und Pflege von Aussichtspunkten verantwortlich.

 

 

Neuer, überarbeiteter naturkundlicher Führer

Um Wandernde am Gletscherweg bestmöglich mit Informationen zu Flora und Fauna im Herzstück der Hohen Tauern zu versorgen, wurde vom Österreichischen Alpenverein im Jahre 1978 erstmals der „Naturkundliche Führer Gletscherweg Innergschlöß“ herausgegeben. Dank dieser Publikation können sich Interessierte individuell und in Papierform über den Gletscher und die umliegenden Naturschönheiten informieren. Dieser Tage hat der Alpenverein nun die fünfte Auflage präsentiert. Die neue Wegführung aufgrund des Rückzugs des Schlatenkeeses ist in der Neubearbeitung detailliert wiedergegeben. Autor Hannes Schlosser hat den thematischen Fokus neben Informationen über Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt im aktuellen Büchlein auf die Gletscherwelt gerichtet. An insgesamt 18 Haltepunkten ist der Gletscherweg mit Nummern versehen – im naturkundlichen Führer finden sich zu allen Punkten vertiefende Inhalte.

Gletscherweg auf den Spuren des Klimawandels

„Der Gletscherweg Innergschlöß führt auch die Auswirkungen des Klimawandels klar vor Augen“, erläutert Florian Jurgeit vom Nationalpark Hohe Tauern Tirol mit Hinweis auf die am Gletscherweg deutlich sichtbaren Auswirkungen der Erderwärmung. „Eindrucksvoll zeigt sich nicht nur die gestaltende Kraft der Gletscher in einer unberührten Landschaft – etwa in Form des Gletscherschliffs und der mächtigen Moränen –, sondern auch der Rückgang des ‚ewigen Eises‘ in den letzten 150 Jahren.“ Allein von 1990 bis 2017 hat das Schlatenkees über 460 Meter an Länge verloren. Wegadaptierungen mussten wiederholt durchgeführt werden, damit Wanderer das zurückweichende Zungenende des Gletschers nach wie vor erreichen können. Um die Rundwanderung weiterhin in einem Tag zu ermöglichen, wird der Weg dem Gletscher künftig nicht mehr auf Schritt und Tritt folgen – das Schlatenkees wird in Zukunft wohl nur mehr aus der Ferne bestaunt werden können. Doch dem Rückgang des Gletschers kann auch etwas Positives abgewonnen werden: Der Gletscher gibt Naturschönheiten frei, die er bisher unter meterhohen Eismassen verborgen hatte.

Der „Naturkundliche Führer Gletscherweg Innergschlöß“ ist im Nationalparkzentrum Matrei sowie in den Hütten und Gastbetrieben der Region erhältlich und kann online im Alpenvereinsshop (www.alpenverein.at/shop) bestellt werden.

 

Text: Redaktion, Fotos: Hannes Schlosser

30. August 2018 um