Außervillgraten: geballte Fachkompetenz im „Labor am Berg“
Im Osttiroler Villgratental betreibt Mag. Dr. Gernot Walder auf über 1.500 Metern Seehöhe das wohl höchstgelegene mikrobiologische Labor Österreichs sowie eine Kassenarzt- und Facharztpraxis.
Veränderte Anforderungen sowie zunehmender Platzmangel machten die Investition in einen großzügigen Um- und Zubau der medizinischen Einrichtung notwendig. Mag. Dr. Gernot Walder ist gebürtiger Außervillgrater und eng mit seiner Heimat verbunden. Bevor er 2010 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, zog es den Osttiroler in die Tiroler Landeshauptstadt. Hier studierte er Chemie, um sich in der Folge, als fertiger Magister, dem Medizinstudium zuzuwenden. 1999 hatte er auch den Doktortitel in der Tasche. Zunächst in der Notfallmedizin tätig, nahm er die Arbeit am Institut für Hygiene der Medizinischen Universität Innsbruck auf und konnte wichtige berufliche Erfahrungen sammeln. Zurückgekehrt nach Osttirol, spezialisierte sich Mag. Dr. Gernot Walder im eigenen Labor auf die Diagnostik und Erforschung von Hygiene- und Infektionskrankheiten und fungiert seitdem als Anlaufstelle für Patient:innen, Arztpraxen und Krankenanstalten im süd- und westösterreichischen sowie im norditalienischen Raum, wenn es um schnelle, aber auch hochwertige Analysen geht. Daneben arbeitet er als Allgemeinmediziner und leitender Notarzt für die Menschen in Osttiroler Talschaften.
Mag. Dr. Gernot Walder, Allgemeinmediziner und Facharzt für Hygiene, Mikrobiologie, Infektiologie und Tropenmedizin
2022 wurde der Dr. Gernot Walder GmbH vom Bundesministerium für Wissenschaft als bislang erster außeruniversitärer Einrichtung die Anerkennung als „offizielle österreichische Forschungseinrichtung“ zuerkannt – eine Bestätigung für das breite Leistungsspektrum und die intensive Grundlagenforschung im „Labor am Berg“. Hier sind heute elf bestens ausgebildete Fachkräfte beschäftigt, die sich seit Anfang April 2025 über neue, großzügig erweiterte Laborbereiche freuen können. „Unser Forschungsbereich umfasst, nach Abschluss der Bauarbeiten, drei Sicherheitslabors, ein Forschungslabor und ein Büro“, informiert der Facharzt für Hygiene, Mikrobiologie, Infektiologie und Tropenmedizin. Zum Tätigkeitsbereich seines Labors, das DIN EN ISO 9001 zertifiziert ist, zählen, wie er ausführt, Reise- und tropenmedizinische Beratungen, verschiedenste Formen der Infektionsprophylaxe (wie Impfungen oder die postexpositionelle Risikominimierung), die Infektionsdiagnostik, die technische Hygiene (einschl. Baubeurteilungen und Wasseranalytik) und die medizinische Hygiene (u.a. Erstellung von Hygieneplänen oder krankenhaushygienische Abnahmen).
Mag. Dr. Gernot Walder beziffert die Gesamtfläche des Zubaues mit rund 900 Quadratmetern, von denen rund 140 Quadratmeter auf den Forschungsbereich mit Sicherheitslabor sowie rund 250 Quadratmeter auf das Routinelabor entfallen. Der Zubau hat insgesamt vier Stockwerke. Ganz unten befindet sich der L3-Bereich, darüber das Routinelabor und wieder einen Stock höher die Arztpraxis, die auch als Notarztstützpunkt im Oberen Pustertal mit einer 24-Stunden-Erreichbarkeit für Akutfälle genützt wird. Stockwerk vier ist der Garage für die Einsatzfahrzeuge sowie den Parkmöglichkeiten für die Patienten vorbehalten. Hier erstreckt sich auch der Haupteingang, von dem aus allen Bereiche bequem per Lift barrierefrei erreichbar sind.

Besonders streicht der Mediziner die hohen gesetzlichen Anforderungen an das L3-Labor heraus. „Die Sicherheitsstufe L3 Labor, auch bekannt als biologische Schutzstufe 3 oder BSL-3, bedeutet, dass ein Labor für Arbeiten mit bestimmten Erregern oder Toxinen eingerichtet sein muss, die eine moderate Gefahr für die Gesundheit darstellen. Aus diesem Grund verfügt unser L3 Labor auch über ganz spezielle Sicherheitsvorkehrungen. Diese ermöglichen es uns hier im Haus, fast alle Viren bzw. Bakterien anzuzüchten und zu erforschen, Krankheitserreger zu isolieren, zu untersuchen, eigene Testsysteme herzustellen, Neutralisationstests durchzuführen und vieles andere mehr.“ Im Routinelabor genüge, so der Osttiroler Mikrobiologe und Infektiologe, hingegen Sicherheitsstandard L2. „Unser Routinelabor umfasst jeweils Bereiche für Wasseranalytik, für serologische Untersuchungen, für Hygiene, für PCR- und Arrayuntersuchungen sowie Einrichtungen für die Mikroskopie und die Probenvorbereitung. Ergänzend dazu finden sich im Forschungsbereich mehrere Büros und Räume für die Haustechnik, eine Garderobe und ein Sozialraum.“

Die Kassenarztpraxis verfügt über eine moderne Ausstattung, unter anderem auch über ein Ultraschallgerät (Bild oben). Zur Ordination gehört auch eine eigene Hausapotheke.
Die Ordination erstreckt sich über eine Fläche von rund 120 Quadratmetern. Hier gibt es einen Wartebereich, zwei Behandlungsräume, einen Bereich für die Patientenvorbereitung, einen Behandlungsraum invasiv sowie einen Raum für die Hausapotheke. Zur gerätetechnischen Ausstattung zählen neben der Standardausrüstung auch Röntgen-, Ultraschall- und Blutbildgeräte, eine kleine Klinische Chemie sowie Einrichtungen für Ergometrie, Lungenfunktionsmessung und Voraussetzungen für die Durchführung einer Langzeitblutdruck-Messung bzw. eines Langzeit-EKGs. Drei Mitarbeiterinnen sind in der als Kassenpraxis für Allgemeinmedizin und Wahlarztordination für Infektiologie geführten medizinischen Einrichtung beschäftigt.
Freundlichkeit und Kompetenz – auch im Empfangsbereich der Ordination
Baustart für das Um- und Ausbauprojekt in Außervillgraten war der 1. April 2024, genau ein Jahr später konnten die neuen Räumlichkeiten bezogen werden. Die finalen Arbeiten sollten Ende Sommer 2025 abgeschlossen sein. „Unter Einbeziehung vieler heimischer Handwerksbetriebe ist es gelungen, das Bauvorhaben wunschgemäß abzuwickeln“, betont der Bauherr, der, wie seine Mitarbeiterinnen, nicht nur die optimalen Arbeitsbedingungen im modernen Zubau, sondern auch die erstklassige Aussicht auf Berge und Tal schätzt.
Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: © Christof Gaggl


