Gault&Millau 2025: Zwölf Osttiroler Restaurants mit 25 Hauben dekoriert

Der Gannerhof in Innervillgraten ist mit vier Hauben erneut Osttirols bestes Restaurant. Neu im Kreis der Haubenrestaurants sind das „La Rosa“ und der „Gesser“ in Sillian.

Sie haben sich um die österreichische Gastronomie verdient gemacht, sie sind renommierte Küchenchefs – aber zugleich auch Väter von jungen Spitzenköchen. Markus Mraz, Helmut Rachinger und Sepp Schellhorn erhalten deshalb vom Gourmetführer Gault&Millau 2025 gemeinsam die Auszeichnung für ihr Lebenswerk.

Auch sonst regnet es Auszeichnungen in der jüngsten Ausgabe des renommierten Guides: „Koch des Jahres“ wird 2025 Hannes Müller (Die Forelle, Weißensee, Kärnten), Newcomer des Jahres ist Joachim Jaud (Restaurant 141 by Joachim Jaud, Mieming, Tirol). Paul Ivic vom Wiener TIAN erhält die Umwelthaube. Premiere feiert auch die Auszeichnung für die beste Bierkarte Österreichs, die an das Stiegl-Gut Wildshut (Oberösterreich) geht.

 

„Über den Gannerhof und Josef Mühlmann ist eigentlich schon alles geschrieben worden. Für Innervillgraten, das als Bergsteigerdorf bekannt wurde, muss einem das erst einmal gelingen. Die Mühlmanns haben es wohl mit markantem Charakter und einer polarisierenden Küche geschafft. Wie in unserem Fall mit einer brennenden Kerze aus Schmalz auf Röstzwiebeln im ersten Gang und Mehlwürmern samt eingelegten Vogelbeeren zum Schluss. Dazwischen serviert Mühlmann ein einfaches Menü, das mehr durch die Qualität der Produkte als durch aufwendig angerichtete Teller oder große Inszenierung überzeugt. Der Saibling auf Zitronenstampf mit Berglinsen bleibt in Erinnerung. Auch die Blutwurst mit Nussbutterschaum und Meerrettich ist qualitativ ausgezeichnet. Das Dessert, Roggenmuis, selbst gemahlen in der reaktivierten Mühle, ist ein schöner Abschluss. Die Geschichte mit den Mehlwürmern wurde ebenfalls über diese Mühle aufgebaut. Josef Mühlmann sitzt ohne Zweifel der Schelm im Nacken“, heißt es im neuen Gault&Millau. Foto: Peter Leiter

 

Der Gault&Millau 2025 wurde am Montagabend, 18. November, in Wien präsentiert. Das Resümee, das die Gault&Millau-Herausgeber Martina und Karl Hohenlohe in der 46. Ausgabe ihres renommierten Gourmetführers ziehen, steht für Zuversicht und Optimismus: „Sie hatten gewiss kein einfaches Jahr, die Gastgeber:innen und Spitzenköch:innen, die es in den aktuellen Guide geschafft haben. Hohe Energiekosten, Teuerung bei Lebensmitteln, Personalmangel, dazu eine anhaltende Krisenstimmung bei den Gästen – da waren Kreativität und Anpassungsfähigkeit ebenso gefragt wie Innovationsgeist und die Leidenschaft für die tägliche Arbeit!“

 

„Der Sohn des Hauses überzeugt mit kreativen und spannenden Gerichten, die zwar eine klar erkennbare Osttiroler DNA haben, aber trotzdem über einen erfrischend mediterranen Kick verfügen. Da wäre etwa der gebeizte Saibling, der mit einer knackig-fruchtigen Note daherkommt, die man sonst eher nicht findet. Konkret mit Erdbeeren, rosa Pfeffer und Rucola. Irgendwie ist auch noch Wasabi im Spiel. Der Lammrücken ganz ähnlich – mit Rhabarberspaghetti und Karotten. Die Forelle, pochiert, ist ein süßsaures Vergnügen“, lobt das Gault&Millau-Team Thomas Maschers Küche. Foto: Martin Lugger

 

Auch aus Osttiroler Sicht ist die Prämierung der besten Restaurants Österreichs äußerst erfreulich. Zwölf Spitzenrestaurants wurden mit insgesamt 25 Hauben dekoriert. An die erste Stelle konnte sich wieder Osttirols einziger Vierhauber kochen – Josef Mühlmann vom Gannerhof in Innervillgraten.

 

Stefan Königsberger wird die Küche des „La Rosa“ im Boutique Hotel Belmonte Tirol in der kommenden Saison führen. Gault&Millau dekorierte die Küche des Restaurants erstmals mit Hauben – und gleich mit drei. „Sillian hat einen neuen Hotspot. Wobei – so ganz neu ist er nicht, aber jetzt haben wir ihn entdeckt und sind begeistert. Die Küche von Janik Webhofer ist eindeutig ein Gewinn für die Osttiroler Kulinarikszene. Er verwendet hochwertige Produkte aus der Nachbarschaft. Formidabel zum Beispiel der Raviolo vom Villgrater Kaninchen mit Wildkräutersalat und Bergkräuteröl. Oder der Pustertaler Hirsch. Den serviert Webhofer als Ragout mit Polenta und ebenfalls Wildkräutern“, loben die Tester die Küche im „La Rosa“. Foto: Belmonte Tirol

 

Mit drei Hauben prämiert wurden „Das Pfleger“ in Anras, das „Saluti“ in Matrei i.O. und neu das „La Rosa“ im Boutique Hotel Belmonte Tirol in Sillian. Zwei Hauben erkochten die Köche der „Rauterstube“ in Matrei, des „Vincena“ in Lavant und des Parkhotels Tristachersee. Neu im Kreis der Osttiroler Zweihauber ist das „Hotel Gesser“ in Sillian. Der „Stadl“ in Nußdorf-Debant, der Strasserwirt in Strassen, das Gradonna in Kals am Großglockner und die Jakobistub’n in St. Jakob im Defereggental wurden mit einer Haube prämiert.

 

 

Auch die Kochkunst von Ernst Moser vom „Saluti“ in Matrei wurde wieder mit drei Hauben dekoriert. Aus dem Gault&Millau 2025: „Da vereinen sich Rehterrine mit Bratapfelpüree und fein gepickelten Pilzen oder ein stimmig lauwarmer Salat von zur Perfektion gebratenen Calamari und Pulpo mit Paprika, Oliven und Zitronenjoghurt – gekonnt kombiniert, fein präsentiert. Die geschmorten Wangerln vom Almochsen mit Bergkäsepolenta, Rotweinschalotten und Pilzen – ein Traum! Foto: Gsaller Media

 

 

 

Gannerhof in Innervillgraten – 4 Hauben, 17 Punkte

Pfleger in Anras – 3 Hauben, 15 Punkte

La Rosa in Sillian – 3 Hauben, 15 Punkte

Saluti in Matrei i.O. – 3 Hauben, 15 Punkte

Rauterstube in Matrei i.O. – 2 Hauben, 14,5 Punkte

Gesser in Sillian – 2 Hauben, 14 Punkte

Vincena in Lavant – 2 Hauben, 13,5 Punkte

Parkhotel Tristachersee in Amlach – 2 Hauben, 13 Punkte

Stadl in Nußdorf-Debant – 1 Haube, 12,5 Punkte

Strasserwirt in Strassen – 1 Haube, 12 Punkte

Gradonna in Kals a.Gr. – 1 Haube, 12 Punkte

Jakobistub’n in St. Jakob i.D. – 1 Haube, 11 Punkte

 

Das Bewertungssystem:

5 Hauben: 19 bis 19,5 Punkte
4 Hauben: 17 bis 18,5 Punkte
3 Hauben: 15 bis 16,5 Punkte
2 Hauben: 13 bis 14,5 Punkte
1 Haube: 11 bis 12,5 Punkte

Bewertung ohne Haube: 10 bis 10,5 Punkte

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Belmonte Tirol, Peter Leiter, Martin Lugger, Gsaller Media

19. November 2024 um