Felbertauern: „Sicherheit hat bei uns immer Vorrang!“

Ein Gespräch mit FAG-Vorstand Mag. Karl Poppeller über die vielfältigen Aufgaben, die auf die Mitarbeiter der Straßengesellschaft in den kommen Wintermonaten zukommen.

Herr Mag. Poppeller, die Eröffnung des Straßenneubauabschnittes Schildalm liegt nun schon wieder einige Zeit zurück. Wie zufrieden sind Sie mit dem fertig gestellten Projekt?

Insgesamt betrachtet, bin ich sehr froh, dass wir dieses für uns epochale negative Ereignis – den Felssturz mit all seinen Folgen – überwunden haben. Wir verfügen nun über einen neuen Straßenabschnitt, der allen Sicherheitsanforderungen entspricht und unseren Gästen einen deutlich attraktiveren Ausblick auf das Tauerntal und die umliegende Bergwelt eröffnet. Sehr dankbar bin ich auch dafür, dass die gesamte Bauabwicklung unfallfrei verlaufen ist. Zurückgekehrt zum Normalbetrieb, stehen jetzt aber viele neue Aufgaben auf dem Programm, die uns in den nächsten Jahren sehr fordern werden. Vieles, was wir zuletzt nicht umsetzen konnten, ist Teil des Bau- und Erhaltungsprogrammes, mit dem wir 2016 fortsetzen müssen. Unser Leitsatz „Sicherheit hat Vorrang“ wird uns auch in Zukunft begleiten!

Können Sie Details nennen?

Zum einen geht es darum, Kunstbauten, die z.T. aus der Bauzeit der Straße in den 60er-Jahren stammen, zu sanieren bzw. durch neue zu ersetzen. Was für Einfamilienhäuser gilt, die nach 40, 50 Jahren einer Renovierung bedürfen, trifft auch auf die Galerie- und Brückenbauwerke entlang der Felbertauernstraße zu. Ein zweiter Punkt ist jener, dass sich aufgrund gesteigerter Sicherheitsansprüche auch die Anforderungen an Schutzbauten massiv geändert haben. Die Permafrostgrenze verschiebt sich kontinuierlich nach oben, die Erosion wird stärker. Gleichzeitig häufen sich Niederschlagsereignisse, die wir früher in dieser Form nicht kannten. Massive Starkregen in kurzer Zeit bringen immer häufiger Wassermengen, die im Einzelereignis mehr als den monatlichen Gesamtdurchschnittsniederschlag ausmachen. Außerdem ermöglichen uns moderne EDV-Programme wesentlich exaktere Lawinensimultationen als in früheren Zeiten. Daraus gewinnen wir neue Erkenntnisse bzw. nehmen neue Gefahren wahr. Aus diesem Grund werden auch bestehende Galerie- und Brückenbauwerke zu verlängern bzw. im Gelände befindliche Lawinenschutzdämme und -verbauungen zu erweitern sein.

Mag. Karl Poppeller:

Mag. Karl Poppeller, Vorstand Felbertauernstraße AG

Ist trotz aller Maßnahmen und Investitionen in die Sicherheit ein Restrisiko ausschließbar?

Wir setzen unser Ausbau- und Erhaltungsprogramm so um, dass wir das Bestmögliche für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer entlang der Straße und im Tunnel tun. Wir ziehen unsere Schlüsse aus regelmäßig durchgeführten Georisikenanalysen, mit denen wir zuletzt 2015 externe Experten beauftragt haben. Interessant dabei ist etwa, dass wir heute nicht mehr vom 100-jährigen Ereignis als für die Bemessung maßgebend, sondern schon vom 150- bis 200-jährigen Ereignis ausgehen müssen. Dementsprechend planen wir auch. Ein Restrisiko bleibt aber immer. Dies gilt nicht nur für die Felbertauernstraße, sondern für alle Verkehrsverbindungen, die in hochalpines Gelände führen.

Sind schon alle Vorbereitungen für den Winter 2015/2016 getroffen?

Nachdem wir jedes Jahr in Maschinen und Geräte investieren, befindet sich unser Fuhrpark auf dem neuesten technischen Stand. Insgesamt stehen unseren Mitarbeitern für den Winterdienst vier LKW, zwei Unimog, zwei Schneefräsen, sechs Pflüge sowie ein Radlader zur Verfügung. Ausreichende Mengen an Streusplit und Streusalz sind eingelagert und alle notwendigen Vorbereitungen entlang der Zulaufstrecken zum Felbertauerntunnel getroffen. Das hohe Engagement und Winterdienstwissen unserer Mitarbeiter wird auch im angelaufenen Winter für eine hohe Qualität und Winterverfügbarkeit auf der Felbertauernstraße sorgen.

felbertauernmautstelle-ohhd

Ist im Tunnel selbst Neues geplant?

Der Felbertauerntunnel gilt als einer der sichersten einröhrigen Tunnel Europas. Die Sicherheitseinrichtungen entsprechen dem neuesten Standard. In den nächsten Jahren werden wir in die Aufhellung der Innenflächen und in die Beleuchtung investieren. Ein neuer Belag der Fahrbahn steht zur Diskussion.

Wie sind Sie mit der Frequenzentwicklung in diesem Jahr zufrieden?

2015 war ein gutes Jahr. Im Wesentlichen haben wir die Frequenz des Jahres 2012 erreicht, mit Ausnahme des LKW-Verkehrs. Vor dem Felssturz entfielen rund 8,5 Prozent der Gesamtfrequenz auf den LKW-Verkehr, wobei darin allerdings auch alle Klein-LKW, Pritschenwagen und Ähnliches inkludiert sind. Nur rd. 4 Prozent betreffen wirklich große Lastkraftwagen. Der LKW-Verkehr stellt für uns eine wichtige Einnahmequelle dar. Wir hoffen, dass wir in den nächsten Monaten wieder das Frequenzniveau vor dem Mai 2013 erreichen. Schließlich ist diese Frequenz nicht zuletzt auch die Grundlage dafür, dass wir den PKW-Tarif seit mittlerweile 40 Jahren unverändert beibehalten konnten.

felbertauerngaleriewinter-ohhd

Stichwort Tarife: Wie hat sich das neue LKW-Tarifsystem bewährt und wie zufrieden sind Sie mit dem EU-Entscheid in Sachen „freie Fahrt“ für OsttirolerInnen?

Nachdem die Umstellung organisatorisch sehr gut vorbereitet war und auch die Gespräche mit der Wirtschaft und der Wirtschaftskammer frühzeitig geführt wurden, hat alles sehr gut funktioniert. Im Grunde verzeichnen wir bis dato so gut wie keine Umstellungsprobleme. Es war die Vorgabe der EU-Kommission, dass, im Sinne der Wettbewerbsgleichheit, alle LKW, unabhängig von ihrer Herkunft, gleich bemautet werden. Für jene, die öfters über die Felbertauernstraße fahren, – und dies sind vor allem Frächter und Unternehmen aus Osttirol – konnten wir mit der Rabattierung bis zu 30% des Normalpreises eine akzeptable Lösung schaffen. In der Frage der weiterhin freien Fahrt für alle OsttirolerInnen ist unsere Freude über den positiven Ausgang des EU-Vertragsverletzungsverfahrens natürlich groß. Wir haben lange und intensiv mit Vertretern der EU-Kommission verhandelt und mehrere gut begründete Stellungnahmen erarbeitet und vorgelegt. Unsere beharrlich verfolgte Strategie ist aufgegangen!

Text: Redaktion, Fotos: Osttirol heute/Hotzler

06. Dezember 2015 um