Qualifizierte Fachkräfte im Fokus von Landes-Offensive

Entgegen dem allgemeinen Tiroler Trend gibt es in Osttirol aktuell 100 Fachkräfte mehr als angebotene Stellen. Für 2030 wird hingegen ein starker Fachkräftemangel prognostiziert.

Rückläufige Lehrlingszahlen und ein sich abzeichnender Fachkräftemangel – diesen herausfordernden Entwicklungen tritt das Land Tirol mit Maßnahmen entgegen. Im Rahmen der Fachkräfteoffensive werden Kräfte gebündelt, die duale Ausbildung gestärkt und Berufsperspektiven geschaffen. „Es ist unsere Aufgabe, verstärkt auf die Chancen und Perspektiven einer Fachausbildung aufmerksam zu machen und den jungen Menschen zu zeigen, dass mit einer guten Ausbildung viele Türen offen stehen. Gezielte Maßnahmen zur Vermeidung von künftigen Engpässen in unterschiedlichen Fachbereichen sind wichtiger denn je“, so Arbeitslandesrat Johannes Tratter.

Aktuelle Ergebnisse des Fachkräftemonitors Tirol (FKM) heben die Wichtigkeit dieser Landesinitiative hervor. Aufgrund des demografischen Wandels wird das Angebot an Fachkräften bis zum Jahr 2030 abnehmen, heißt es dort. Die Umstrukturierung der Alterszusammensetzung, eine immer älter werdende Gesellschaft und die Flüchtlingssituation seien große Herausforderungen. Die Digitalisierung bringe viele Änderungen – wie etwa neue Produktionsabläufe, neue Produkte und veränderte Anforderungen an die Fachkräfte. Einige Arbeitsformen würden wegfallen, andere neu entstehen.

„Bis zum Jahr 2030 ist davon auszugehen, dass in Tirol das Angebotspotenzial im Zeitverlauf um etwa 6% abnehmen wird. Absolut bedeutet das, dass den Unternehmen in Tirol im Jahr 2030 voraussichtlich ca. 35.000 Fachkräfte weniger zur Verfügung stehen“, heißt es in dem Bericht. Beträgt der prognostizierte relative Engpass heuer noch 3,6%, so sei davon auszugehen, dass er sich bis 2025 auf 8% und bis zum Jahr 2030 sogar auf 11,1% erhöhen wird. Aufgeschlüsselt nach Qualifikationen ist der höchste Engpass für Arbeitskräfte mit Lehrausbildung zu erwarten, also jene Berufsgruppe mit dem größten Anteil am Tiroler Arbeitsmarkt. Während heuer ein Engpass von etwa 5.000 derartigen Arbeitskräften besteht, ist im Jahre 2030 mit 15.000 zu rechnen.

In Osttirol beläuft sich das Angebot an Fachkräften derzeit auf rund 17.800 Personen, die Nachfrage auf ca. 17.700 Fachkräfte-Stellen. Demnach gibt es für die Region einen Überschuss von 100 Fachkräften. Für 2030 wird allerdings ein starker Fachkräftemangel prognostiziert. Es wird eine Nachfrage nach 17.400 Fachkräften vorausgesagt, es soll aber dann nur mehr 15.000 Fachkräfte geben. Es werden also dann von den Unternehmen 2.400 Fachkräfte mehr gebraucht, als es Arbeitskräfte mit einer derartigen Ausbildung gibt.

Besonders in den Bereichen Sozialwissenschaften, Wirtschaft, Recht, Ingenieurwesen, Verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe werden zahlreiche Stellen zu besetzen sein. Die Prognosen gehen insbesondere mit den demografischen Entwicklungen einher, da der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter sinkt. Heuer liegt das Durchschnittsalter aller Fachkräfte in Tirol bei 39 Jahren, im Jahr 2030 wird es auf 43 Jahre steigen.

Text: Redaktion, Foto: Kadmy/Fotolia

14. August 2017 um