Euro-Krise – Das Volk geht auf die Straße!
Die „Abwehrmaßnahmen“ der Bevölkerung einzelner EU-Staaten nehmen mit Generalstreiks und Massendemonstrationen in Frankreich, Griechenland und v.a. in Spanien deutlich zu.
Die Reflex-Methodik, auf eine schwächelnde Währung mit überhasteten Staatshaushalts-Sparpaketen zu reagieren, hat nun, wie von Wirtschaftsexperten exakt vorausgesagt, zwei wirtschaftliche und politische Folgen: Die Bevölkerung reagiert mit teilweise drastischem Konsumverzicht, so gibt es beispielsweise in Italien den größten Rückgang für Konsumausgaben seit 50 Jahren. Politisch müssen sich die Staatsführer außerdem mit einem aufgewiegelten Volk auseinandersetzen. Die TV-Bilder der Protestmärsche auf das spanische Parlament in Madrid haben sich vor kurzem auch wieder in Griechenland zugetragen. Tragisch ist, dass „Spanier auf Spanier“ einprügeln, mit offiziell berichteten 70 bis 80 Verletzten.
Die jeweiligen Staatsführer befinden sich in einem selbst herbeigeführten Dilemma, einerseits müssen sie dem „Druck aus Brüssel“ nachgeben und nationale Sparprogramme umsetzen, andererseits verlieren sie dadurch zusehends das Vertrauen der eigenen Bevölkerung. Der spanische Ministerpräsident Rajoy hat mittlerweile nur mehr 30 Prozent „offizielle Zustimmung“. Auch die Redakteurin der ORF Abend-ZiB berichtete letzte Woche bei einem Live-Bericht vor dem Athener Parlament, in einer Einkaufsstraße, die zum Parlament führt, seien 40 Prozent der Geschäfte geschlossen und fragte zutreffend: „Wie kann sich bei diesen Bedingungen eine nationale Wirtschaft selbst erholen?“
EU-politisch verheerend wäre auch, wenn sich erstmals eine innerstaatliche Region in einem EU-Staat abspalten würde. Katalonien, die reiche Nord-Ost-Region Spaniens, mit der florierenden Metropole Barcelona, ist mit einem Pro-Kopf-Einkommen von ca. 28.000 Euro in etwa gleich „reich“ wie Schweden oder Dänemark und überweist jährlich ca. 18 Milliarden Euro an das Zentralbudget in Madrid, das seit vielen Jahren regelmäßig „versenkt“ wird. Der katalanische Ministerpräsident Artur Mas will noch im November dieses Jahres ein diesbezügliches Referendum ansetzen.
Sollte dies wirklich geschehen, dass sich nunmehr in Folge der Eurokrise innerstaatliche Regionen wie Katalonien politisch in einen EU-Staat verselbstständigen, wäre dies wohl neben der seit Jahren herrschenden Geld-Eurokrise ein nächstes politisches EU-Desaster.