„Ersatzstraße ist wie Versicherung zu sehen“
Am 14. Juni 2013 findet die Verhandlung für die Ersatzstraße am Felbertauern in der BH Lienz statt. Dann soll so rasch wie möglich mit dem Bau begonnen werden. Mittwochvormittag, 5. Juni 2013, berichteten Vorstandsdirektor Mag. Karl Poppeller und der technische Leiter DI (FH) Michael Köll von der Felbertauernstraße AG (FAG) sowie Bezirkshauptfrau Dr. Olga Reisner über die weitere Vorgangsweise betreffend die geplante Ersatzstraße zwischen dem Matreier Tauernhaus und dem Südportal des Felbertauern-Tunnels.
Mag. Karl Poppeller: „Auch für die Ersatzstraße ist der Zeithorizont nicht auf die Woche genau planbar. Spätestens Anfang August soll die Notlösung aber zur Verfügung stehen.“
Poppeller erklärte, warum nach dem Felssturz vom 14. Mai 2013 zunächst nur von einer drei- bis vierwöchigen Sperre ausgegangen worden war und jetzt der Zeithorizont deutlich nach hinten verlegt werden musste. „Die Schätzung einer Sperre von drei bis vier Wochen haben wir zum damaligen Zeitpunkt seriös erstellt. Die Neubeurteilung durch die Geologen sowie die Wettersituation mit Schneefällen und starken Regenfällen sind dazwischen gekommen, und nicht zuletzt hat auch das Arbeitsinspektorat von zu großer Gefahr gesprochen“, so der Vorstandsdirektor.
DI (FH) Michael Köll: „Schneefall, starker Regen und kleine Vermurungen haben die Arbeiten verzögert, und so mussten wir auch unseren Zeithorizont ändern.“
Außerdem hätten die Wetterkapriolen gezeigt, dass man auch in Zukunft immer wieder mit Unvorhergesehenem rechnen muss. So sei man daran gegangen, eine Ersatzstraße zu planen. „Ich hoffe, dass wir mit der Ersatzstraße einen Teil der Sommersaison und die Nachsaison für den Osttiroler Tourismus retten können. Den Bau dieser Straße sehe ich wie eine Versicherungspolizze, sollte auch bei den Sicherungs- und Abräumungsarbeiten am Hang und im Bereich der Felbertauernstraße und der größtenteils zerstörten Galerie noch Unvorhergesehenes passieren“, erklärte Poppeller. Die über drei Kehren führende Straße wird asphaltiert, mit Leitschienen versehen und weist eine durchgängige Steigung von 10% auf. Sie wird rund 1,4 Kilometer lang sein, an den beiden Enden je 200 Meter zweispurig und auf dem einen Kilometer langen Mittelstück einspurig befahrbar sein. Der Verkehr wird mittels einer Ampel geregelt, acht bis zehn Minuten soll die Wartezeit betragen. Die Kosten schätzt Karl Poppeller auf 1,2 bis 1,4 Mio. Euro. „Wir werden an vier bis fünf Stellen gleichzeitig arbeiten. Die Errichtung ist schwierig, weil es auch wasserführende Bereiche gibt und zwei Druckrohrleitungen an vier Stellen zu überbauen sind. Wenn nichts Gröberes passiert, soll die Straße Ende Juli, spätestens Anfang August, zur Verfügung stehen“, schätzt Poppeller.
Der Plan der Felbertauernstraße AG für die 1,4 Kilometer lange Ersatzstraße
Der technische Leiter Michael Köll erklärte, wie es am Felssturz-Hang und bei der Schildalmgalerie weitergehen soll. „In der Zweitbeurteilung ist von den Geologen erkannt worden, dass oben eine Barriere geschaffen werden muss. Erst wenn dieses errichtet ist, kann die Beräumung der Sturzbahn über die gesamte Breite erfolgen. Nach Einzelblocksicherungen und der Errichtung einer Barriere unten können wir mit den Räumungsarbeiten im Bereich der Straße und der Galerie beginnen“, so Köll.
Bezirkshauptfrau Dr. Olga Reisner berichtete über die weitere Vorgangsweise in Bezug auf die notwendigen Verfahren zur Genehmigung der Ersatzstraße. „Die Verhandlung ist für Freitag, 14. Juni 2013, anberaumt. Trotz der Notsituation braucht es ein sachlich korrektes Verfahren, Parteien und Beteiligte sind zu hören, und die Sicherheit muss gewährleistet sein“, so Reisner. Vorstandsdirektor Mag. Karl Poppeller bedankte sich ausdrücklich bei der Bezirkshauptfrau für die gute Zusammenarbeit und die rasche Abwicklung.
Der Tauerntalwanderweg wurde gesperrt, weil es am Mittwochvormittag zu einem kleinen Felssturz kam. Personen waren nicht gefährdet.
Während der Pressekonferenz wurde um ca. 10.30 Uhr ein neuerlicher Felssturz mit einer verschütteten Person bei der Leitstelle Tirol gemeldet. Die Pressekonferenz wurde abgebrochen. Ein 52-jähriger am Felbertauern beschäftigter Baggerfahrer beobachtete, dass auf dem gegenüberliegenden Hang am Tauerntalwanderweg Felsbrocken zu Tal stürzten. Er löste Alarm aus, da kurz vorher drei Personen aus einem Jeep ausgestiegen und in Richtung Wanderweg gegangen waren. Das Gebiet wurde von den Feuerwehren Matrei und Lienz, der Bergrettung, dem Roten Kreuz, einem Notarzthubschrauber und einer Polizeistreife abgesucht. Der Zulassungsbesitzer konnte jedoch telefonisch erreicht werden. Er und seine beiden Mitfahrer waren von dem Felssturz nicht betroffen.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: R. Mühlburger, Journal/L. Sulzenbacher, Brunner Images, Plan: FAG



