Entschleunigung und Erholung: Auszeit am „Peintnerhof“ im Lesachtal

Am Peintnerhof in Niedergail im Kärntner Teil des Lesachtales bieten Andrea Unterguggenberger und Dr. Georg Lexer ihren Gästen eine Auszeit mit Fokus auf gesunde Ernährung, Bewegung und seelisches Wohlbefinden.

Inmitten heilsamer Landschaften liegt im Kärntner Teil des Lesachtales der Bio-Betrieb der Familie Unterguggenberger, auf dem heute drei Generationen leben und wirtschaften. Seit 1958 die ersten „Sommerfrischler“ das idyllische Anwesen für sich entdeckten, wird hier „Urlaub am Bauernhof” angeboten – mittlerweile auf „4-Blumen-Niveau“.

 

 

Andrea Unterguggenberger ist am Peintnerhof aufgewachsen. Nach ihrer Ausbildung und mehreren Berufsjahren als diplomierte Pädagogin für Menschen mit Beeinträchtigungen übernahm sie den Hof und versucht seitdem, als Bäuerin und staatlich geprüfte Wanderführerin den Gästen die Verbundenheit mit der unmittelbaren Natur näherzubringen. „Ich möchte ihnen auch das Gefühl vermitteln, bei uns gut aufgehoben zu sein“, sagt sie. Ihr Mann, Dr. Georg Lexer, ist Facharzt für Chirurgie (Visceralchirurgie) und Thoraxchirurgie und beschäftigt sich seit Jahren mit den Themen Prävention und prophylaktische Medizin. „Mir ist es ein besonders großes Anliegen, das Bewusstsein für die eigene Gesundheit zu fördern. Hier am Hof geht es uns vor allem um die unmittelbare Erfahrung, die unsere Gäste machen können“, betont der Mediziner.

 

 

Mit ihrem „Green Care“-Angebot sind Andrea Unterguggenberger und Georg Lexer Pioniere in der Verbindung von Landwirtschaft und Gesundheitsförderung – und es ist ihnen gelungen, den Peintnerhof mit der Green Care-Zertifizierung zu einem der ersten Auszeithöfe Österreichs zu entwickeln. Hier dreht sich alles um die Balance von Körper, Geist und Seele – und dies auf der Basis der vier Säulen-Ernährung, von Bewegung, seelischer Gesundheit und Epigenetik.

 

 

„Wir backen unser eigenes Brot und kochen immer frisch für unsere Gäste. Eine zentrale Rolle spielen die Produkte unserer eigenen Kärntner Brillenschafe und Urforellen, aber auch Wildkräuter, die auf der Alm und auf den Wiesen ringsum wachsen. Wir verwenden ausschließlich samenfeste Getreidesorten, kochen sehr salzarm und ohne Geschmacksverstärker“, berichtet Andrea. Am Peintnerhof wird vor allem auch traditionell gekocht. „Wir sind stetig bemüht, den Anteil an pflanzlichem Eiweiß zu erhöhen – so wie es früher durchaus üblich war. Gemüse und Hülsenfrüchte spielen neben Fleisch eine zentrale Rolle.“

 

 

Nicht nur der Ackerbau, sondern auch die Tierhaltung orientiert sich am Peintnerhof an den Prinzipien der Slow Food-Bewegung. „Mit hochwertigem Futter, natürlichen Weiden und der Alm als Lebensraum in der warmen Jahreszeit gedeihen unsere Tiere prächtig. Wir verzichten auf Kunstdünger, Pestizide, Silage und Kraftfutter. Dank der traditionellen Landwirtschaft, die wir praktizieren, weist unser Fleisch ein ideales Fettmuster auf“, erklärt Georg. Er ist auch Jäger und kooperiert in Bezug auf Wild mit seinen Nachbarn. „Reh, Hirsch und Gams verarbeiten wir selbst und verwenden das Wildfleisch in unserer Küche. Ganz im Sinne unserer Slow Food-Philosophie pflegen wir darüber hinaus ein starkes Netzwerk mit anderen Bauern im Lesachtal und in Osttirol.“

 

 

Der Peintnerhof verfügt über einen eigenen Seminarraum, in dem Andrea und Georg Auszeit-Wochen und Seminare anbieten, die den Gästen einen gesunden Lebensstil näherbringen sollen. Gemeinsame Aktivitäten und Erlebnisse wie Wandern sollen zu einer entschleunigten Wahrnehmung des Alltags beitragen. „Wir haben hier alles vor unserer Haustüre. Die über Jahrhunderte von Menschen geprägte Kulturlandschaft und die selbst erzeugten Lebensmittel sind für uns nicht nur Lebensgrundlage, sondern auch Mittel zur Prävention. Die kleinen Kirchen, Bildstöcke, Wälder, Wiesen, Almen und Gewässer bilden einen psychischen Wirkungskreis, der in Verbindung mit den Farben und Klängen der Natur positive Erlebnisse und Erinnerungen hervorruft, die beruhigend, stresslindernd und sogar angstlösend wirken.“

 

 

Am Peintnerhof wird gemeinsam mit den Gästen gekocht. „Wir wollen Landwirtschaft und Medizin miteinander verbinden“, informiert Georg und verweist darauf, dass es bei den Koch-Seminaren auch um Fragen wie „Warum kochen wir mit bestimmten Lebensmitteln?“, „Wie verarbeiten wir sie?“ oder „Was passiert im Körper?“ geht. „Gesundheitsförderung mit Genuss“ – so lautet das Motto. „Das gemeinsame Kochen und vor allem auch das Essen in Gesellschaft wirken positiv auf die Psyche. Bewusster Verzicht kann manchmal sogar neuen Genuss hervorbringen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir beim Kochen und zum Essen nicht auch ein Glas Wein genießen dürfen“, meint Andrea Unterguggenberger abschließend.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Peintnerhof

28. November 2024 um