Eine Werkstatt „schneller Männerträume“
Klassische Oldtimer werden in der Werkstatt des Autohauses Niedertscheider repariert und aufsehenerregende Projekte des Labels „Niedertscheider Motorsport“ umgesetzt.
Einmal wie ein Rennfahrer durch das Ziel zu rauschen, einmal einen goldenen Siegerreifen um den Hals zu tragen und Champagner durch die Gegend zu sprühen – dies alles gehört zu jenem Traum, den viele Männer mit dem Mythos Motorsport verbinden. Für die meisten bleibt der benzingetränkte Sport auf der Rennbahn ein Gedankenspiel. Nur wenigen gelingt es, dies – in der einen oder anderen Form – Realität werden zu lassen. Einer, der sich seinen ganz persönlichen Traum vom Motorsport erfüllt hat, ist der Osttiroler Martin Niedertscheider. 2004 stieg der gelernte Kraftfahrzeugtechniker nach erfolgreicher Absolvierung der Meisterprüfung und Praxisjahren in Wien und Salzburg ins väterliche Unternehmen in Lienz ein. Seit 2006 leitet er das Autohaus Niedertscheider (vormals Autohaus Hadwiger-Niedertscheider), das sich als Markenvertragspartner von Volvo, Suzuki und Peugeot einen hervorragenden Namen erarbeitet hat. Im selben Jahr gründete der Vater zweier Söhne auch sein eigenes Label „Niedertscheider Motorsport“, galt doch seine Leidenschaft schon seit seiner Kindheit und Jugend dem Rennsport und historischen Fahrzeugen.

„Mein erstes Rennauto habe ich mir auf der Rohkarosse eines Simca Rallye II neu aufgebaut“, erinnert sich Martin an die Anfänge seiner Motorsport-Laufbahn zurück. 2006 trat er damit beim Histo-Cup Austria an und konnte schon in seiner ersten Saison einige Siege einfahren bzw. auch die Klasse bis 1,3 Liter für sich entscheiden. 2007 folgte dem Simca ein leistungsstärkerer Porsche 911 RS nach, mit dem sich der Osttiroler im Feld der Spezialtourenwagen und der Klasse über 3500 cc packende Duelle mit seinen Konkurrenten lieferte und nur knapp am Gesamtsieg vorbeischrammte. 2008 entschied sich Martin für eine Serie mit modernen Fahrzeugen und nahm auch am Suzuki-Motorsport-Cup teil. Dort konnte er wichtige Kontakte knüpfen, die es seinem älteren Sohn, Lukas, ermöglichen sollten, ein Jahr später an der Österreichischen 4-Takt Teamstaatsmeisterschaft (ÖTSM) teilzunehmen.

Martin Niedertscheider selbst fuhr weitere Rennen bzw. war mit seinem Label und mit zwei Fahrern im Suzuki Motorsport Cup vertreten. Während sich Sohn Lukas in der Folge weiterhin auf seinen Einsatz im ÖTSM konzentrierte, verfolgte Martin schon ein neues Ziel: den Umbau eines Peugeot 406 STW zu einem Rennwagen. Mit diesem bestritt er 2011 sein erstes Rennen. Sohn Lukas stieg auf Tourenwagen um und sammelte erste Erfahrungen in Rennwägen. Auch in den nächsten Jahren ließ die benzingetränkte Leidenschaft die beiden Niedertscheiders, zu denen vor zwei Jahren auch Lukas Bruder Matthias stieß, und ihr Team nicht los. Erfreuliche Erfolge wechselten zwar immer wieder mit Rückschlägen ab, die Freude am Rennsport, der Zusammenhalt untereinander und der feste Wille, sich stetig zu verbessern, aber blieben. Besondere Highlights waren u.a. die Teilnahme an den 24h-Rennen in Dubai (2014 und 2015) sowie der Vizemeistertitel bzw. der dritte Rang im Suzuki-Motorsport-Cup (2013 und 2014) für Lukas, der inzwischen sein Maschinenbauingenieur-Studium an der TU in Wien begonnen hat.

Derzeit tüftelt das Team von „Niedertscheider Motorsport“ an neuen Herausforderungen. 2016 sei, so Martin Niedertscheider, ein Jahr der Überlegungen, der Projektfindung. „Man sucht sich eine Herausforderung und arbeitet die Idee aus. Es folgen die Projektplanung und die Entscheidung, mit welchem Auto und welchem Motor man das Vorhaben umsetzen will. Projektpartner werden gesucht, ein Team zusammengestellt und die Logistik ausgearbeitet – die Arbeiten ziehen sich über Monate“, erklärt er, während er uns durch die 400 Quadratmeter große Halle in der Tirolerstraße führt. Hier arbeiten er und seine Mitarbeiter – allen voran Werkstättenmeister Christian Volkan – derzeit u.a. an der unternehmenseigenen Ginetta G50 GT4. Mit dem Boliden hatte das Team 2015 am Langstreckenklassiker in Dubai teilgenommen. Nun will man den Rennwagen bis Anfang 2017 wieder startklar machen. Die vor knapp zwei Jahren neu errichtete Werkshalle bietet Raum für drei Arbeitsplätze und ist auf die Restaurierung von Oldtimern und die Aufbereitung der Rennwägen spezialisiert – ein Oldtimer- und Sportwagen-Kompetenzzentrum sozusagen, wie Martin Niedertscheider meint.

„Das Besondere an dieser Werkstatt ist es, dass wir hier wirklich genügend Raum zur Verfügung haben. Hier befindet sich unser Kreativzentrum, in dem wir neue Ideen umsetzen können, die oftmals auf den ersten Blick nicht realisierbar erscheinen. Hier entstehen u.a. auch Sonderanfertigungen, die vermutlich in einem ,normalen‘ Werkstättenbetrieb nicht möglich wären.“ In der Werkshalle direkt neben dem Schauraum des Autohauses warten die Spezialisten von Niedertscheider Motorsport regelmäßig auch die Oldtimer von Kunden aus der Region – ein Arbeitsbereich, der in den letzten Jahren kontinuierlich an Bedeutung gewonnen hat. „Wir reparieren und restaurieren Modelle aller Marken und hatten hier schon sehr alte und nicht selten wertvolle Oldtimer stehen.“

Beste Kundenbetreuung und hohe Qualität in der Ausführung der einzelnen Arbeitsschritte, vor allem aber auch Emotion und Individualität prägen den Werkstätten-Alltag. „Zuerst gilt es, eine Bestandsaufnahme zu machen und zu klären, was der Oldtimer-Besitzer will – eine Erhaltungsreparatur oder eine aufwändige Restauration. Schließlich beanspruchen größere Projekte oft Monate, weshalb die Kosten immer der zu erwartenden Wertsteigerung des historischen Fahrzeuges gegenübergestellt werden sollten“, ist es Martin Niedertscheider wichtig, festzuhalten. „Am Ende geht es – wie auch im Motorsportbereich – darum, ein möglichst perfektes Ergebnis zu erzielen!“

Text: Josef und Elisabeth Hilgartner, Fotos: Martin Lugger

