Innovative Technologie aus Osttirol als clevere Lösung für die Wolfproblematik
Eine Erfindung aus Lienz könnte in Zukunft die Gefahr für Weidevieh durch Wölfe bannen: das so genannte „Wolfvergrämhalsband“, ein Patent der Firma Brainflash.
Die Wolfproblematik ist für Nutztierhalter brandaktuell. Fast keine Woche vergeht ohne die Schadensmeldung eines Wolfangriffs in den Medien. Als Falkner und Jagdpächter ist Michael Eder, Erfinder und Geschäftsführer der Lienzer Brainflash Patententwicklungs GmbH, selbst viel im hochalpinen Gebiet Osttirols unterwegs und sich der Gefahr für das Weidevieh der heimischen Landwirtschaft bewusst. Sein Verständnis für Tierverhalten als Ornithologe und Tierkundiger hat ihn auf eine clevere Lösung gebracht, die für die Landwirtschaft einfach umzusetzen ist und die dem umstrittenen, bereits vielfach geforderten Wolfabschuss entgegenwirken kann. „Der Wolf tötet seine Beute mit einem kraftvollen Biss in den Nacken, dem sogenannten Drosselbiss. Bevorzugt jagen Wölfe leichte Beute – also verhältnismäßig häufiger Schafe und Ziegen als Rinder“, erklärt er, dessen Patente seit über 20 Jahren zum Einsatz kommen.
Das Wolfvergrämhalsband ist in der Entwicklungsphase, die von einem Projektteam der HTL Lienz begleitet wird. Im Bild (v. li.n.re.): DI Christian Walder (Lehrer HTL), die Schülerinnen der HTL Lienz, Jasmin Eder und Vanessa Lukasser, Erfinder Michael Eder (Brainflash Patententwicklungs GmbH) und DI Walter Hueter (Lehrer HTL)
Die Erfindung schade, so Eder, den Wölfen nicht gesundheitlich, sondern baue auf deren Verhalten und Lernfähigkeit auf. „Unsere Lösung ist ein Halsband für Weidetiere, das den Wolf bei einem versuchten Zubiss mit einem Elektroschock – die Stärke ist vergleichbar mit einem Elektrozaun – erschreckt und sofort vertreibt. Da der Wolf ein lernfähiges Tier ist, wird ein weiterer Angriff auf Weidetiere unwahrscheinlich. Das Halsband hält nicht nur den Wolf, sondern alle größeren Beutegreifer wie etwa Bär oder Luchs ab.“
Das Halsband soll in unterschiedlichen Größen für alle Nutztier-Rassen zur Verfügung stehen. Über die Elektronik im Halsband können die Landwirte außerdem auch ihre Tiere orten. Beim Auslösen des Impulses erhalten sie ein Signal an ihr Mobiltelefon. Die Technologie ist ähnlich wie bei Hundehalsbändern für Trainingszwecke, allerdings ist der elektronische Impuls nach außen – auf den Beutegreifer – ausgerichtet.
Seine Erfindung hat Eder bereits zum Patent angemeldet. Die weitere Entwicklung legte er in die Hände einer Projektgruppe der HTL Lienz. Die Mechatronik-Schülerinnen Jasmin Eder und Vanessa Lukasser arbeiten nun unter der Leitung ihrer Lehrer DI Walter Hueter und DI Christian Walder an dem von Eder vorgeschlagenen Konzept des Wolfvergrämhalsbandes. Dabei inszenieren und testen sie unterschiedliche Szenarien, wie, wo und wodurch der Elektro-Impuls ausgelöst wird. Wichtig für das gesamte Entwicklungsteam ist natürlich, dass kein Weidevieh durch den Elektroimpuls im Halsband zu Schaden kommt.
Wie der Wolf bei einem versuchten Angriff mit dem Wolfvergrämhalsband vertrieben werden könnte:

Die ersten Meilensteine der Entwicklung wurden dem Erfinder bereits präsentiert, das optimale Konzept wird weiterentwickelt und mit Hilfe eines CAD-Programmes konstruiert. Anschließend sollen Teile des Prototyps mittel 3D-Druckverfahren hergestellt werden. Im April 2020 muss das Projekt für die Schülerinnen abgeschlossen sein, und das Wolfvergrämhalsband sollte in Serienreife vorliegen – rechtzeitig vor Beginn der Weidesaison 2020.
Text: Andrea Zanier, Fotos: AdobeStock/Frank, Brainflash/HTL Lienz