Ein Generationenprojekt für die Wasserversorgung in Thurn
In der Osttiroler Gemeinde Thurn konnte 2021 ein zweiter Hochbehälter in Betrieb genommen werden. Thurn I und II werden mit Trinkwasser aus den Wasenig-Quellen gespeist.
Die Versorgung der eigenen Bevölkerung mit qualitativ hochstehendem Trinkwasser in ausreichender Menge, aber auch mit genügend Löschwasser im Brandfall gehört zu den elementaren Aufgaben einer Gemeinde. Dessen ist man sich auch in der Osttiroler Gemeinde Thurn bewusst, in der im heurigen Jahr ein neuer Hochbehälter errichtet wurde. „Der Wasserverbrauch in unserer Gemeinde ist in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen, sodass in trockenen Sommern die Versorgungssicherheit der Trink- und Löschwasser nicht mehr im erforderlichen Ausmaß gegeben war“, erläutert Bürgermeister Ing. Reinhold Kollnig die Ausgangslage, die dazu führte, dass der Thurner Gemeinderat im September 2018 den Beschluss zur Realisierung eines neuen Hochbehälters fasste. Bis zu diesem Zeitpunkt war dem Osttiroler Sonnendorf nur ein Hochbehälter zur Verfügung gestanden, der, in den 50er-Jahren errichtet, ein Fassungsvermögen von 108 m³ aufweist.
Es war notwendig, den zweiten, modernen Hochbehälter in unmittelbarer Nachbarschaft zum bestehenden Hochbehälter zu errichten. Die Agrargemeinschaft Thurn hat im März 2019 die Entscheidung getroffen, die notwendige Fläche im Ortsteil Prappernitze, oberhalb des Dorfkerns, der Gemeinde kostenlos zur Verfügung zu stellen. Basierend darauf, konnte mit den Planungsarbeiten begonnen werden. Den Zuschlag für die Planung erhielt das Lienzer Ingenieurbüro DI Arnold Bodner, dessen Mitarbeiter DI Harald Sint, gemeinsam mit dem Gemeindevorstand und Gemeinderat, ein zukunftsorientiertes Projekt ausarbeitete. Im November 2019 konnte dieses beim Amt der Tiroler Landesregierung in Innsbruck zur wasser-, forst- und naturschutzrechtlichen Bewilligung eingereicht werden – mit dem Ergebnis, dass man einige Monate später, im Juli 2020, einen positiven Bescheid in Händen hielt.
Rasch wurde nun mit der Ausführung aller Arbeiten begonnen. Ein wichtiger Schritt war die Errichtung einer Zufahrt über eine neue, öffentliche Weganlage. Nach dem Aushub der notwendigen Baugrube wurde der Hochbehälter Thurn II als Stahlbeton-Rundbehälter mit einer vorgelagerten, zweigeschossigen Schieberkammer und einem geplanten Nutzvolumen von ca. 215 m³ umgesetzt.
Der Behälter wurde zur Gänze gedämmt und mit Aushubmaterial überdeckt. Ende August 2021 konnten die Arbeiten, in die renommierte heimische Betriebe involviert waren, abgeschlossen werden. „Die gesamte Abwicklung des Bauvorhabens war“, wie Bürgermeister Ing. Reinhold Kollnig betont, „von einem starken Miteinander und einer ausgezeichneten Zusammenarbeit aller beteiligten Unternehmen geprägt.“
Gespeist werden sowohl der neue als auch der alte Hochbehälter – Thurn I bleibt weiterhin in Betrieb – mit Trinkwasser aus den oberen und unteren Wasenig-Quellen. Das Wasser wird im sogenannten „Winkel“ zusammengeführt und über eine Freispiegelleitung bis zur neuen Anlage „hinterm Soga“ geleitet. Die Höhe des Wasserspiegels in beiden Behältern liegt auf 1.060,74 Metern über dem Meeresspiegel. Beide Behälter sind mit digitalen Überwachungs- und Datenübertragungssystemen ausgestattet, sodass eventuelle Störungen rasch entdeckt und behoben werden können. Der Überlauf, also das nicht benötigte Wasser, wird in den Zauchenbach eingeleitet.
Bürgermeister Ing. Reinhold Kollnig präsentiert stolz die hochmoderne Anlage im Hochbehälter Thurn II.
„Mit der Verwirklichung dieses Bauvorhabens stehen uns nun stetig Wasserreserven von ca. 330 m³ zur Verfügung. Das bedeutet für unsere Gemeinde, dass wir in den nächsten Jahrzehnten ausreichend Trink- und Löschwasser zur Verfügung haben“, freut sich der Thurner Ortschef über das gelungene kommunale Projekt, das aus Eigenmitteln sowie Bundes- und Landesmitteln finanziert wurde.
Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: Osttirol Journal, © Ing. Michael Bachmann