Ein außergewöhnliches Splitboard „made im Pinzgau”

Andreas Zimmer aus Mittersill hat ein Splitboard entwickelt, das in vier Teile zerlegt werden kann. Mit diesem speziellen Board gewann er den Salzburger Handwerkspreis 2022.

Wir besuchen Andreas in seiner kleinen Werkstatt, die er sich in der Garage seines Elternhauses im Mittersiller Ortsteil Rettenbach eingerichtet hat. „Gemeinsam mit meinen Freunden bin ich mit dem Snowboard fast ausschließlich im Gelände unterwegs – und wir haben uns eigentlich immer schon gerne mit den technischen Details der Boards beschäftigt“, erzählt der 34-Jährige. Er absolviert derzeit ein Studium der Energie- und Automatisierungstechnik und steht kurz davor, dieses mit dem Master abzuschließen.

„Neben der Begeisterung für das Snowboarden fand ich es immer schon cool, Boards zu planen, zu testen und schließlich auch selbst zu bauen. Wenn das von einem selbst entwickelte und mit den eigenen Händen gebaute Board am Berg gut funktioniert, dann ist das ein super Gefühl und motiviert, immer weiterzumachen.“ Im Jahr 2013 hat Andreas mit Freunden begonnen, Snowboards zu konstruieren. „Die Herausforderung sahen wir darin, Boards zu bauen, die mindestens 38 cm breit und damit gut für die Abfahrt im Tiefschnee geeignet sind.“

 

 

Das Wissen hat sich der Mittersiller größtenteils selbst angeeignet. „Die Basics findet man heutzutage natürlich im Internet. Ich tausche mich oft auch mit Herstellern aus. ,Learning by Doing‘ lautet meine Devise. So entwickelt man im Laufe der Zeit seinen eigenen Stil und Fertigungsprozess.“ Splitboards – also längs geteilte Snowboards – gibt es schon seit den 1980er-Jahren. „Auf dem Markt findet man größtenteils zweigeteilte Boards. Ich wollte ein Snowboard entwickeln, das aus vier Teilen besteht. Die zwei Außenteile verwendet man wie Tourenski für den Aufstieg. Der Mittelteil kann zusammengeklappt und so ganz einfach im Rucksack verstaut werden.“

 

 

Eine Besonderheit des von Andreas Zimmer konstruierten vierteiligen Splitboards ist das geringere Gewicht. „Die beiden Außenteile sind schmäler und damit mit Tourenskiern durchaus vergleichbar. Die geringere Schwungmasse von 600 bis 700 Gramm pro Ski bietet beim Aufstieg Vorteile – weniger Kraftanstrengung ist erforderlich. Die Herausforderung bei der Planung war, die Ski so schmal wie möglich zu gestalten und trotzdem genügend Platz für das Bindungs-Interface zu haben. Das Board habe ich so konstruiert, dass es auch für die einstweilen nur für zweiteilige Boards erhältlichen Bindungen passt. Die Bindung kann man übrigens zwischen minus 30° und plus 30° drehen, was beim Abfahren wichtig ist.“

 

 

„Handmade im Pinzgau“ bedeutet für Andreas Zimmer, dass er seine Boards nicht nur selbst konstruiert, sondern größtenteils auch in seiner kleinen Werkstatt im Pinzgau fertigt. „Gefräst werden die Teile in Salzburg. Die einzelnen Lagen – wie Lauffläche, Holzkern und Top-Sheet – werden mittels Harz laminiert und in der Presse, die auch ein Eigenbau ist, bei 6 bis 7 Bar und einer Temperatur von 80 Grad gepresst.“

2021 hat sich der Mittersiller mit der Pihapper ltd. selbstständig gemacht. „Auf unseren Hausberg, den Pihapper, unternehme ich zusammen mit meinen Freunden seit jeher gerne coole Touren. So war es naheliegend, auch das Gewerbe auf diesen Namen anzumelden. Ich stelle nur wenige Boards für den lokalen Markt her, sozusagen als Nebenverdienst. Das Tüfteln, Entwickeln und Testen werden immer meine Hauptantriebsfedern bleiben.“

 

 

Dass er mit seinem vierteiligen Splitboard den Salzburger Handwerkspreis gewinnen sollte, hat den Mittersiller doch einigermaßen überrascht. „Ein vierteiliges Splitboard zu bauen, ist wegen der Verbindungselemente doch sehr aufwändig. Man muss äußerst exakt arbeiten. Die positiven Rückmeldungen der Snowboarder motivieren mich, immer wieder Neues zu entwickeln und an den technischen Details der Boards zu feilen. Und ich bin sehr froh, dass ich auch bei der Fertigung auf meine Freunde zählen kann. Sie sind da, wann immer ich helfende Hände benötige“, so der findige Pinzgauer abschließend.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Franz Reifmüller

23. Dezember 2022 um