Egarteckhof in Mittersill: Von natürlichen Kreisläufen und hochwertigen Lebensmitteln

Mit frischen Eiern, Brathendln, Milch- und Fleischprodukten versorgt Günter Berger Gastronomiebetriebe, Geschäfte und Privatpersonen im Oberpinzgau und darüber hinaus.

Im Jahr 2011 hat Günter Berger gemeinsam mit seiner Frau Barbara begonnen, den Hof seiner Eltern Schritt für Schritt zu modernisieren und die Direktvermarktung zu forcieren. „Da wir nur relativ wenig Eigenfläche besitzen, war unsere Idee, uns auf die Haltung von Geflügel zu konzentrieren. Zunächst haben wir ein neues Wirtschaftsgebäude errichtet“, erzählt der Pinzgauer, der an der FH Joanneum in Graz „Industriedesign“ studiert hat und dem es ein großes Anliegen ist, dass der Bauernhof, auf dem er aufgewachsen ist, erhalten bleibt.

 

 

Neben dem Ausbau der Landwirtschaft hat Günter am Lämmerbichl in Mittersill für sich und seine Familie ein modernes Wohnhaus geschaffen, in dem er auch sein Designstudio „design am berg“ betreibt. Gemeinsam mit seiner Familie kaufte der Pinzgauer Legehennen an und begann, die Eier direkt zu vermarkten. „Das kam so gut an, dass wir den Betrieb im Laufe der letzten zehn Jahre Schritt für Schritt erweitern konnten. Heute halten wir rund tausend Legehennen, die etwa 900 Eier pro Tag legen. Pro Jahr bringen wir auch rund 3.000 Brathühner an den Mann bzw. die Frau. Zudem halten wir Pinzgauer Rinder – Milchkühe, Stiere und Kälber – sowie einige Schweine“, informiert der begeisterte Bauer.

 

 

Wichtig ist ihm, dass es sich bei seinem Betrieb um ein „geschlossenes System“ handelt. „Die Tiere kommen größtenteils hier am Egarteckhof zur Welt, wachsen hier auf und werden auch hier verwertet. In unserem eigenen zertifizierten Schlachthaus sorgen wir für eine humane und tiergerechte Schlachtung.“ In den zwei Legeställen werden jeweils etwa 500 Hühner gehalten, in einem weiteren Stall durchschnittlich 750 Brathühner. Vier Mal jährlich werden die Hühner im Alter von etwa acht Wochen geschlachtet.

 

 

„Wir haben inzwischen auch Mäh-Flächen dazugepachtet. Neben den Rindern kommen in der warmen Jahreszeit auch die Hühner auf die Wiese. Ein gesunder Hausverstand und ein ordentlicher Umgang mit den Tieren liegen uns besonders am Herzen. Der natürliche Instinkt der Tiere soll möglichst erhalten bleiben“, betont der 43-Jährige. So sind am Egarteckhof auch alle Rinder behornt. „Rinder mit Hörnern sind nicht nur optisch schöner. Mit dem Enthornen nimmt man den Tieren auch einen gewissen Stolz.“

 

 

Eier, Butter, Frischkäse und Joghurt sind Produkte, die wöchentlich direkt vom Egarteckhof an Hotellerie, Gastronomie, den Lebensmittel-Einzelhandel und an Private im Oberpinzgau und darüber hinaus geliefert werden. Bis Mittwoch wird bestellt, am Donnerstag produziert und am Freitag ausgeliefert. „Die männlichen Kälber ziehen wir selbst auf. Unter der Fachbezeichnung Pinzgauer Jungstier vermarkten wir das Fleisch. Im Sinne des natürlichen Kreislaufes verarbeiten wir auch das Fleisch älterer Kühe zu Wurstwaren. Auch den Speck der Schweine mischen wir der Wurst bei.”

 

 

2013 hat sich Günter am Egarteckhof ein eigenes Schlachthaus eingerichtet. Seit vier Jahren werden dort neben den Hühnern auch Rinder und Schweine geschlachtet. „Bei der Schlachtung der Hühner sind wir meistens zu viert – neben einem Gehilfen und meiner Frau Barbara hilft oft auch mein Schwiegervater Peter mit. Und mein Vater Siegfried ist täglich beim Eiereinsammeln eine große Hilfe.“ Mit den Eiern und dem Geflügel ist der Egarteckhof inzwischen zu einem wichtigen Nahversorger in der Region geworden. „Frische und Qualität sind dem Koch in der Spitzengastronomie genauso wichtig wie den privaten Konsumenten. Wir bereiten das Fleisch individuell nach den Wünschen unserer Kunden vor und liefern es genauso, wie man es in der jeweiligen Küche am besten verarbeiten kann“, betont Günter.

 

 

Dass ihm die Landwirtschaft so am Herzen liegt, hat wohl auch damit zu tun, dass er im Jahr 2004 seine Diplomarbeit zum Thema „Direktvermarktung“ verfasst hat. „Ich habe mich viel auch mit Tiertransporten, Massentierhaltung und Großschlachtereien beschäftigt. Wenn man weiß, wie es dort zugeht, stimmt einen das einfach nur traurig. Auf unserem Bauernhof wollen wir im Kleinen vorleben, wie wir uns eine humane Landwirtschaft mit natürlichen Kreisläufen zum Wohl von Mensch und Tier vorstellen.“

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Franz Reifmüller

22. Dezember 2022 um