Die Schafzucht ist die große Leidenschaft des jungen Prägratners Fabio Steiner
Am Gartnerhof in Prägraten am Großvenediger züchtet Fabio Steiner Tiroler Bergschafe, die bei Ausstellungen immer wieder ganz oben auf den Siegerlisten zu finden sind.
Im Prägratner Dorfzentrum liegt auf 1.350 Metern Seehöhe der Gartnerhof. Hier züchtet der 25-jährige Fabio Steiner mit großer Leidenschaft Tiroler Bergschafe. Fabio hat die Landwirtschaftsschule in Lienz besucht. Das Ziel, Landwirt zu werden, hat sich der junge Prägratner schon als Kind gesetzt. Bei unserem Besuch betont er, dass er seine Berufswahl noch nie bereut hat. „Ich schätze die Arbeit mit den Tieren und in der freien Natur sehr. Ich kann mir meine Zeit selbst einteilen und bin mein eigener Chef.“ Der Zusammenhalt am Gartnerhof ist groß. Fabios Mama Martha führt den Haushalt und arbeitet im Stall. Gemeinsam mit Oma Ida kümmert sie sich auch um die Fütterung der anderen Tiere (Rinder, Schweine, Hühner und Ziegen), baut Kartoffeln für den Eigengebrauch an und pflegt und hegt den Obst- und Gemüsegarten, in dem Kraut, Salat, Rettich, Tomaten, Paprika und Ribisel wachsen.
Fabio Steiner, Mama Martha, Oma Ida und Onkel Hans (v.l.n.r.) helfen fest zusammen, um die viele Arbeit am Gartnerhof bewältigen zu können.
Die Sommermonate verbringen Fabios Schafe auf der Lasnitzenalm. Der Auftrieb geht traditionell Ende Mai über die Bühne. Je nach Witterung bleiben die Tiere bis Ende September auf der Alm, nur trächtige Mutterschafe werden schon früher zum „Ablammen“ ins Tal gebracht. Alle 14 Tage schaut der junge Züchter nach seinen Schafen und bringt den Tieren Salz. Nach der Rückkehr auf den Hof ist, wie er berichtet, das Scheren die erste Arbeit, die zu erledigen ist. Ein Teil der Wolle wird direkt am Gartnerhof verarbeitet. Martha stellt daraus Socken und Filzpatschen her. Bis etwa Allerheiligen bleiben Fabios Schafe dann auf der Weide, den Winter verbringen sie im Stall.

„Im Herbst verkaufe ich einzelne Tiere“, erzählt der 25-Jährige. „Schließlich können wir uns über regen Nachwuchs in der Schafherde freuen. Der Sommer verläuft diesbezüglich etwas ruhiger. Am häufigsten lammen die Schafe im Frühjahr und jetzt im Herbst ab.“ Eine wichtige Unterstützung erhält Fabio von seinem Onkel Hans, der selbst Schafzüchter ist. „Ich arbeite nicht nur in Sachen Schafzucht sehr gerne mit Fabio zusammen. Auch die Bergmahd auf den Dorfer und Wallhorner Mähdern funktioniert wesentlich besser, wenn wir sie gemeinsam erledigen“, sagt er.
Fabio und sein Onkel Hans sind äußerst erfolgreiche Schafzüchter und bei Ausstellungen immer wieder ganz oben auf den Stockerlplätzen zu finden.
Hans und Fabio sind mit ihren Tieren bei Schafausstellungen immer wieder ganz oben auf Stockerlplätzen zu finden. Bewertet wird immer nach sechs Kriterien: Typ, Rahmen, Form, Fundament, Wolle und Bemuskelung. Zuletzt konnte sich Fabio im Februar 2019 bei der Bezirks-Schafausstellung in der RGO-Arena in Lienz, an der 55 Züchter teilnahmen, den Sieg bei den Bergschaf-Widdern holen. „Einen Preis zu gewinnen, motiviert ungemein. Man weiß, wo man als Züchter steht und erhält eine Bestätigung dafür, dass man vieles richtig macht“, spricht er die Bedeutung von Auszeichnungen an und erinnert an seinen viel zu früh verstorbenen Vater Stefan. Dieser habe, so Fabio, Mitte der 1980er-Jahre damit begonnen, mit Schafen vom Gartnerhof an Bewerben teilzunehmen.
Der Gartnerhof liegt auf 1.350 Metern Seehöhe im Prägratner Dorfzentrum.
Wie tief die Liebe zur Landwirtschaft in Familie Steiner verankert ist, beweist auch Philipp, einer von Fabios vier Geschwistern. Er hat den Oberstein-Hof in Bobojach auf 1.463 Metern Seehöhe übernommen. Philipp ist zwar kein Schafzüchter, aber wie sein Bruder ein durch und durch begeisterter Bauer. „Mit den Tieren und in der freien Natur zu arbeiten, ist für mich die schönste Aufgabe, die ich mir vorstellen kann – und vor allem auch eine sinnvolle“, sagt er und ist sich mit seinem Bruder Fabio darin einig, „ … dass die Osttiroler Bergbauern auch in Sachen Umweltschutz und Landschaftspflege einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft und den Tourismus leisten!“

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images