Die „Osttiroler Berggansln” aus dem Hochpustertal
Am Ehrenfelderhof in Anras betreibt der Arzt Robert Perfler eine Geflügelzucht. Auch sein Nachbar Martin Riedler züchtet Gänse, die an Private und die Gastronomie verkauft werden.
„Unser Ehrenfelderhof liegt auf 1.170 Metern Seehöhe, und es ist wohl eher selten, dass auf einer derartigen Höhe Gänse gezüchtet werden“, sagt Robert Perfler bei meinem Besuch auf dem stattlichen landwirtschaftlichen Anwesen in der Anraser Fraktion Unterried. Die Landwirtschaft und alles, was mit Geflügel zu tun hat, hat ihn schon im Kindesalter interessiert. „Mein Vater ist auf einem Bergbauernhof in Außervillgraten aufgewachsen und war später als praktischer Arzt in Linz tätig. In den Ferien haben wir immer meine Großeltern im Villgratental besucht, wo ich das Leben und Arbeiten auf einem Bauernhof und die damit zusammenhängende Kultur hautnah erfahren konnte“, erzählt der 41-Jährige.

Nach dem Medizin-Studium und Stationen als Arzt in Innsbruck, Salzburg und Kärnten zog er 2010 mit seiner Frau Diana nach Anras und hielt nach einem Bauernhof Ausschau. Vor vier Jahren konnte sich Robert Perfler, der als Neurologe im Bezirkskrankenhaus Lienz arbeitet, mit dem Kauf des Ehrenfelderhofes in Unterried dann seinen Kindheitstraum erfüllen. Den Hof haben Robert und Diana Perfler von Grund auf saniert und zu einem wahren „Schmuckstück“ ausgebaut. Vor allem die Geflügelzucht hat Robert schon immer fasziniert. Steirische Steinhühner, Sulmtaler Hühner und Cröllwitzer Puten züchtet er auf der Sonnenterrasse des Pustertales ebenso wie Tiroler Steinschafe, Ziegen und Warzenenten.
In Unterried wachsen die Kinder in und mit der Natur auf. Der Kontakt zur Natur und zu den Tieren ist ein unmittelbarer.
Besonders stolz ist der Mediziner und Nebenerwerbsbauer auf die österreichischen Landgänse, die er gemeinsam mit seinem Nachbarn Martin Riedler vom Orterhof als „Osttiroler Berggansln“ anbietet. Abnehmer sind Privathaushalte ebenso wie die Gastronomie. „Es handelt sich bei dieser Wassergeflügel-Art um eine sehr alte, extrem robuste Rasse. Das Fleisch ist eher mager“, informiert er. Den Großteil der Zeit verbringen die Gänse auf der Weide und ernähren sich ausschließlich von Gräsern. „Nur die Küken, die im Frühjahr schlüpfen, benötigen in den ersten zwei Monaten ein spezielles, eiweißreiches Futter, das wir zukaufen.“

Die rund einhundert Junggänse aus dem Frühjahr landen dann im November und Dezember als traditionelle Spezialität am Teller. Alle Tätigkeiten – von der Aufzucht bis hin zur Schlachtung – erledigt Robert Perfler selbst, unterstützt von Frau und Familie. „Eine besonders zeitaufwändige Arbeit ist das Rupfen“, erzählt der begeisterte Hobbybauer. Sein Nachbar Martin Riedler schwärmt von der hohen Qualität des Gänsefleisches. „Das Fleisch unserer Gänse ist dunkelrot und ähnelt optisch dem Rind- oder Wildfleisch. Unsere Gansln sind langsam und nachhaltig gewachsen, und so nimmt auch die Zubereitung der Weihnachtsgans einige Zeit in Anspruch. Dafür darf man sich dann auf ein wahres Festessen und eine besonders gesunde Köstlichkeit freuen.“

Die Arbeit am Hof sei zwar anstrengend und manchmal auch herausfordernd, meint Robert Perfler, sie sei aber auch der perfekte Ausgleich zum Krankenhausalltag. „Osttirol ist für mich das Tibet Österreichs. Vor allem in den entlegenen Tälern hatte die bergbäuerliche Kultur der Eigenversorgung bis in die 1960er-Jahre herauf Bestand. Der Erhalt der Bergbauernkultur ist mir ein großes Anliegen. Ich möchte dies auch an meine drei Kinder weitergeben. Ilda, Almut und Lienhard sollen bei ihrem Aufwachsen viel Raum und Freiheit haben. Bei uns am Hof können sie sich frei bewegen. Der Kontakt zur Natur ist unmittelbar. Sie werden mit Dingen konfrontiert, mit denen Stadtkinder kaum in Berührung kommen. Für mich persönlich bedeutet dieses Leben am Bauernhof insbesondere auch Identität“, betont er. „Den Entschluss, so viel Zeit und Energie in die Sanierung des Ehrenfelderhofes und in den Aufbau der Landwirtschaft zu stecken, haben Diana und ich jedenfalls noch nie bereut.“
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images