Der Borkenkäfer bedroht die Schutzwälder im Mölltal

Im Saal der Kultbox in Mörtschach ging am 17.9. eine Veranstaltung über die Bühne, in deren Fokus die Themen „Borkenkäfer“ und „klimafitte Wälder“ standen.

Die Ausgangslage, die unmittelbaren Anlass für den Info-Abend bot, bezeichneten die Initiatoren rund um KLAR!-Managerin Mag. Dr. Sabine Seidler und KLAR!-Teammitglied Mag. Melitta Fitzer als eine durchaus dramatische: „Nach Sturm VAIA im Jahr 2018, den Schneebruchereignissen 2019 und 2020 sowie weiteren negativen Folgen des Klimawandels wie Trockenheit und Windbruch erlebt das Mölltal zwischen Obervellach und Heiligenblut eine epische Borkenkäferplage.“ Große Bereiche seien schon vom Borkenkäfer befallen und mittlerweile die Schutzwälder aller Gemeinden in der Region betroffen.

Als hochkarätige Experten hatte man DI Dr. Gernot Hoch, den Leiter des Institutes für Waldschutz am Bundesforschungszentrum für Wald, und DI Hannes Üblagger vom Forstbetrieb Pongau der Bundesforste gewinnen können. Gernot Hoch, ein ausgewiesener Borkenkäferspezialist, informierte über die Biologie des Borkenkäfers, seine Befallstechnik und Massenvermehrung sowie über natürliche Feinde. Er berichtete davon, dass es europaweit über 150 Borkenkäferarten gibt, dass hier im Mölltal aber der so genannte „Buchdrucker“ von Relevanz sei. Normalerweise finde dieser nur in kranken und absterbenden Bäumen ideale Lebensbedingungen und Brutstätten vor. Unter besonderen Umständen wie etwa Dürre und bei ausreichend großem Brutmaterial könne sich eine Population des Borkenkäfers allerdings so massiv vermehren, dass diese auch auf gesunde Bäume übergreift. „Die Rede ist dann von einer Massenvermehrung oder auch Kalamität.“ Ob ein Baum von einem Borkenkäfer befallen ist, lässt sich relativ leicht an abgefallenen, noch grünen Nadeln erkennen. Bei befallenen Bäumen verfärbt sich die Krone erst rot und später grau. An Stamm und dickeren Ästen lassen sich außerdem Ein- und Ausbohrlöcher des Käfers entdecken. Für einen Befall spricht auch braunes Bohrmehl direkt vor dem Stamm. Besonders eindeutig ist der Borkenkäferbefall jedoch unter der Rinde zu sehen: Dort zeichnen sich die Gänge des Käfers deutlich im Holz ab und bilden feine Linien in alle erdenklichen Richtungen. „Nur eine rasche Schlägerung und Aufarbeitung befallener Bäume kann“, so der Experte, „verhindern, dass sich die Borkenkäfer ab dem nächsten Frühjahr weiter massenhaft vermehren.“ Von den Erfahrungen, die die Forstbetriebe Pongau der Bundesforste mit der Massenvermehrung des Borkenkäfers nach dem schweren Sturm im Jahr 2002 machen mussten, erzählte Betriebsleiter Hannes Üblagger. Mit Grafiken und Bildern gab er Einblick in die schwierige Situation nach 2002 und erläuterte Gegenmaßnahmen und deren Erfolg. Üblagger stellte auch die Verbindung zu den Folgen des Klimawandels mit heißeren Sommern und milderen Wintern her. „Aufgrund der Trockenheit sinkt der Grundwasserpegel, gewisse Baumarten wurzeln nicht tief genug, um an Wasser heranzukommen. Zudem bieten die höheren Temperaturen perfekte Bedingungen für die Ausbreitung des Borkenkäfers, dessen natürlicher Feind die Kälte ist. Hatten wir früher noch eine Generation Borkenkäfer im Jahr, so sind es heutzutage zwei bis drei Generationen.“ Der Temperaturanstieg sorge außerdem dafür, dass sich im alpinen Gelände die Baumgrenze um etwa 200 bis 300 Meter nach oben verschiebt. „Früher kam der Borkenkäfer nicht höher als auf 1.500 Meter Seehöhe, heute findet man ihn in bis zu 1.800 Metern.“

 

 

In der an die Vorträge anschließenden Diskussion stand den betroffenen Waldbauern und Vertretern von Agrargemeinschaften auch Ing. Christian Dullnig von der Forstaufsichtsstation Winklern für Fragen zur Verfügung. Die einzelnen Wortmeldungen machten deutlich, vor welch enormen Herausforderungen Waldbauern und Agrargemeinschaften stehen. Ohne Unterstützung, auch finanziell, dürfte es für viele schwierig werden. Was dies im schlechtesten Fall für die Schutzwälder und letztendlich für die Bevölkerung im Mölltal bedeuten könnte, brachte ein Besucher am Ende der Veranstaltung zum Ausdruck. Es bleibt zu hoffen, dass es gelingt, der Borkenkäferplage noch rechtzeitig Herr zu werden!

 

Text: E. Hilgartner, Fotos: © BFW/Hoch

01. Oktober 2021 um