Das Elektrowerk Assling ist 90 Jahre „jung“
1927 als Genossenschaft von Asslinger Bauern gegründet, wurde das EWA in den letzten drei Jahren mit einer Investitionssumme von 2,7 Mio. Euro modernisiert. Die Pustertaler Gemeinde Assling gilt weit über die Grenzen des Bezirkes hinaus als Vorzeigemodell hinsichtlich der Erzeugung und Versorgung mit erneuerbarer Energie. Eine entscheidende Grundlage dafür sind die Leistungen des Elektrowerkes Assling (EWA), das mehr als 700 Haushalte und Betriebe im Gemeindegebiet mit Ökostrom versorgt. 2017 feiert das EWA sein 90-jähriges Bestehen.
Betriebsleiter Konrad Jungmann, EWA-Obmann Markus Lukasser und Geschäftsführer und Prokurist Harald Stocker
EWA-Geschäftsführer und Prokurist Harald Stocker fasst die umfangreichen Investitionsmaßnahmen der vergangenen Jahre, die heuer mit dem Neubau des Büro- und Lagergebäudes in Oberthal abgeschlossen werden konnten, unter dem Begriff „nachhaltiges Wachstum“ zusammen. „Als Genossenschaft sind wir unseren Mitgliedern verpflichtet und nicht zu 100 Prozent auf Gewinnmaximierung ausgerichtet. Wir wollen grundsolide bleiben und uns nachhaltig weiterentwickeln.“
Im neugebauten Hauptgebäude befinden sich die zentrale Steuerungsanlage für alle Kraftwerke, Technikräume und Büros.
Ein Blick zurück zeigt, dass diese Unternehmenspolitik die gesamte Geschichte des EWA seit Gründung prägt. Begonnen hat alles im März des Jahres 1927, als sich Asslinger Bauern zusammenschlossen, um Strom für ihre Höfe zu erzeugen. Eine alte Mühle wurde zu einem kleinen Kraftwerk mit einer anfänglichen Leistung von 100 PS Drehstrom umgebaut. Nach einer Umstrukturierung im Jahr 1947 zählte die Genossenschaft bereits 203 Mitglieder und ca. 450 Stromabnehmer. Ein Jahr später wurden das Kraftwerk „Stufe 1“ am Thalerbach (Leistung von 380 kW), eine 15 Kilometer lange Hochspannungsleitung (6 kV) sowie eine rund 40 Kilometer lange Niederspannungsleitung errichtet. 1955 folgte der Einbau eines zweiten Maschinensatzes in die „Stufe 1“, was die Gesamtleistung auf 541 kW erhöhte. Um der steigenden Nachfrage gerecht werden zu können, entschloss man sich 1964 zum Bau der „Stufe 2“ am Thalerbach (Leistung von 1.100 kW) und 1973 zur Realisierung des Kraftwerkes „Werk 3“ am Kristeinbach in Mittewald.
Ab den 80er-Jahren setzte man Schritt für Schritt Erweiterungsmaßnahmen: 1980 wurde die erste EDV-Anlage angekauft und ein Spitzenspeicher für das „Werk 3“ mit einem Fassungsvermögen von 2.000 m³ errichtet. 1981 realisierte man neben dem Kraftwerk „Stufe 1“ einen Zubau, bestehend aus Magazin, Werkstätte und Büros. 1982 folgte die Installierung einer Rundsteuerungsanlage zur automatischen Steuerung von Zählereinrichtungen und Schaltung der öffentlichen Beleuchtung.
Drei Jahre später wurde die Sanierung der Druckrohrleitung für das „Werk 3“ notwendig. 1994 setzte man ein Blockheizkraftwerk in der Ortschaft Thal um, um die Nachfrage nach Strom abzudecken und die Haushalte mit Wärme zu versorgen. Im Jahr 2003 machte die Auslastung des Stromnetzes die Umstellung der Netzspannung im Mittelspannungsnetz von 6.000 Volt auf 10.000 Volt notwendig, zwei Jahre später (2005) gelang der Neubau des Ökostromkraftwerkes „Oberstufe“ mit einer Ausbauleistung von 1.530 kW.
2006 wurde der Entschluss gefasst, Wärme in Zukunft zuzukaufen und im eigenen Wärmeversorgungsnetz zu verteilen. Dazu wurde der Bau einer Fernwärmeverbindungsleitung zum Sägewerk Theurl und die Stilllegung des Blockheizkraftwerkes in Thal realisiert. In den Folgejahren von 2007 bis 2011 tätigte man Investitionen in das Kabelnetz der EWA und führte je eine Generalrevision im Kraftwerk „Stufe 2“ bzw. im Kraftwerk „Stufe 3“ durch. Ergänzt wurden diese Maßnahmen durch den Austausch der Druckrohrleitung „Stufe 2“. Der sinnvollen und zukunftsweisenden Nutzung der Sonnenenergie wurde das EWA mit der Errichtung einer 5,5 kWpeak Photovoltaikanlage in Unterassling (2012) sowie mit dem Bau von vier Freiflächen-Photovoltaikanlagen mit jeweils 500 kWpeak, verteilt auf das Versorgungsgebiet, im Jahre 2013 gerecht.
Die moderne fünfdüsige Pelton-Turbine mit einer Leistung von 970 kW erzeugt heute 6.100.000 kWh Öko-Strom im Jahr.
Das nun in den letzten drei Jahren realisierte Modernisierungs- und Ausbauprogramm inkludierte die Revitalisierung des Kraftwerks „Stufe 1“ mit einem Zu- und Neubau im Jahre 2014, die Abtragung der beiden alten Maschinensätze sowie die Installierung einer modernen fünfdüsigen Pelton-Turbine im Jahr 2015. „Durch die Verbesserung des Wirkungsgrades konnte die Leistung von 800 auf 970 kW und die Jahreserzeugung um rund 25 Prozent auf 6.100.000 kWh gesteigert werden“, informiert dazu EWA-Betriebsleiter Konrad Jungmann. Er weist auch darauf hin, dass man das Versorgungsgebiet während der Bauphase über die drei anderen Kraftwerke bedienen konnte.
„2016 haben wir schließlich die Neuerrichtung des Büro- und Lagergebäudes in Oberthal in Angriff genommen und befinden uns hier derzeit knapp vor Abschluss der Arbeiten. In Zukunft stehen uns in dem zweistöckigen Gebäude rund 900 m² Nutzfläche und damit beste Voraussetzungen für die Abwicklung unseres breit gefächerten Aufgabengebietes zur Verfügung“, ergänzt Obmann Markus Lukasser. Aktuell sind im EWA, dem heute 188 Mitglieder angehören, 12 Mitarbeiter beschäftigt.
Der Betrieb gliedert sich in vier Bereiche: in die Erzeugung von Ökostrom (vier Wasserkraftanlagen und die EWA-Photovoltaikparks), in das Stromverteilnetz (99 km Gesamtlänge), in das eigene Nahwärmenetz in Thal sowie in den Bereich Elektroinstallationen. Betriebsleiter Jungmann Konrad betont: „Wir bieten die gesamte Palette – von der Beratung und Planung über die Projektierung, Fertigung und Montage elektrotechnischer Anlagen bis hin zu Instandsetzung und Wartung – an. Außerdem können in unserem Geschäftslokal in Oberthal Elektrogeräte aller Art gekauft werden. Unsere Elektriker sind bestens geschult und überall einsetzbar. Dies wissen unsere Kunden, Private ebenso wie Gewerbebetriebe, sehr zu schätzen.“
Text: E. Hilgartner, Fotos: Martin Lugger




