Blasisker: „Situation der Bauern ist äußerst prekär“

Einen höheren Milchpreis, die Aufhebung des Russland-Embargos und die Übernahme der Lienzer Molkerei durch die RGO fordert der Landwirtschaftskammerrat Josef Blasisker.

Der Lienzer Gemeinderat Josef Blasisker ist als Vertreter der FPÖ in der Osttiroler und in der Tiroler Landwirtschaftskammer vertreten – in Osttirol gibt es neben ÖVP-Mandataren zusätzlich zu Blasisker einen der FPÖ, in der Tiroler Landwirtschaftskammer haben neben der FPÖ auch die Grünen einen Sitz. „Landwirtschaftspreise im Keller – Maßnahmenpaket dagegen“ – unter diesem Titel lud Blasisker  am Montagvormittag, 30. November, zu einem Pressegespräch. „Wir haben derzeit einen fatalen Milchpreis, mit rund 30 Cent pro Liter bekommen konventionelle Bauern einen Preis, der weit unter den Erzeugerkosten liegt. Das drückt natürlich auf die Wirtschafts- und Kaufkraft“, so Blasisker. Investitionen müssten unter diesen Rahmenbedingungen natürlich hintangehalten werden, Maschinenhändler bekämen dies auch schon zu spüren, aber auch die Bauwirtschaft, weil Um-, Zu- und Neubauten zurückgestellt werden.

„China kann Russland nicht ersetzen. Da nützt auch die Charmeoffensive des Landwirtschaftsministeers in China nichts."

„China kann Russland nicht ersetzen. Da nützt auch die Charmeoffensive des Landwirtschaftsministers in China nichts.“

Als einen Hauptgrund für den schlechten Milchpreis nannte der Landwirtschaftskammerrat das Russland-Embargo. „Der Importstopp in Russland macht sicher 2 bis 3 Cent beim Milchpreis aus. Das Embargo gehört endlich aufgehoben. Der Konsument entscheidet als einziger über den Milchpreis. Die Politik muss die Märkte wieder öffnen“, fordert Blasisker. Zurück bei regionalen Themen betonte er, dass die Berglandmilch, an welche die heimischen Bauern größtenteils liefern, beim Milchpreis in Österreich das Schlusslicht sei. Rund 22 Mio. Kilogramm Milch liefern Osttirols Milchbauern im Jahr an die Molkereien. „Das sind zu 90% konventionelle Bauern. Biobauern erzielen einen Preis von 48 bis 50 Cent. Die Auflagen sind aber so streng, dass viele wieder ausgestiegen sind“, so Blasisker. Von den rund 1.700 landwirtschaftlichen Betrieben im Bezirk seien im Jahre 2005 noch ca. 750 Bio-Bauern gewesen, aktuell wären es nur mehr etwa 230. „Die Auflagen in Sachen Tierwohl – ich nenne hier nur den ganzjährigen Auslauf – sind äußerst streng. Bei uns gibt es eine hohe Dichte an konventionellen Bauern, die ökologisch handeln. Auch ich habe auf Düngemittel und Silage verzichtet“, so Blasisker.

blasiskerjosef3_c_muehlburger

„Bio-Heumilch finde ich absolut in Ordnung. Dafür wird aber eine professionelle Heutrocknungsanlage benötigt. Unsere Bauern haben bei diesem niedrigen Milchpreis Angst vor solchen großen Investitionen.“

Der Landwirtschaftskammerrat fordert als Untergrenze einen Milchpreis von 35 Cent. „Bei diesem Preis kann sich der Milchbauer wenigstens wieder etwas bewegen. Um wirklich wieder investieren zu können, braucht es aber 40 Cent“, meinte der Gemeinderat. In Sachen Molkerei Lienz forderte Blasisker, dass die Raiffeisengenossenschaft Osttirol (RGO) endlich ihre Verantwortung wahrnehmen solle. „In der Lienzer Molkerei arbeiten derzeit nur mehr drei Angestellte. Für einen Konzern mit einer derartigen Finanzkraft wie die RGO sollte es keine große Schwierigkeit sein, einen Betrieb wie die Molkerei in ihre Strukturen eingliedern zu können“, meinte Blasisker. Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP) werde von den Landwirten absolut abgelehnt. „Die USA haben nur wirtschaftliche Interessen. Wir sollten verstärkt wieder mit Russland zusammenarbeiten“, so der Landwirtschaftskammerrat. Außerdem forderte er eine Wiedereinführung der Mineralölsteuer-Rückvergütung für landwirtschaftliche Fahrzeuge und eine Index-Anpassung der ÖPUL-Förderungen. „Diese sind seit dem EU-Beitritt Österreichs 1995 nicht mehr angepasst worden“, meinte Blasisker abschließend.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger

30. November 2015 um