Biohof Stemberger: Wertvolle Bio-Schätze aus dem Defereggental
In St. Veit i.D. bewirtschaften Bernhard und Isabella Stemberger ihren Biohof. 750 Hühner liefern täglich frische Eier und 15 Kühe Milch für die Produktion von Butter, Käse, Joghurt & Co.
Isabella und Bernhard Stemberger leben ihren Traum. Seit März 2009 führen sie im St. Veiter Ortsteil Bruggen einen Biohof. „Ein reiner Bio-Betrieb ist unsere Landwirtschaft seit 1995, die Basis dafür haben meine Eltern Chrysanth und Margit gelegt. Sie sind immer noch ein wichtiger Teil unseres Betriebes. Als begeisterte Rinderzüchter betreuen sie im Sommer die Tiere auf der Brugger-Alm und stellen aus Milch Graukäse, Butter und Joghurt her“, lässt uns Bernhard eingangs bei unserem Besuch am Biohof Stemberger wissen.
Seit nunmehr über 150 Jahren ist der „Rauterlishof“ in Familienbesitz.
Die Geschichte des „Rauterlishofes“, so der Vulgoname des Anwesens, reicht laut Aufzeichnungen bis ins Jahr 1692 zurück, ursprünglich befand er sich aber im Weiler Gassen hoch über St. Veit. „Bei der Hochwasserkatastrophe im September 1965 hat eine riesige Mure den Hof zerstört. Mein Großvater Sebastian übersiedelte mit seiner Familie ins Tal, wo er in Bruggen einen alten Hof übernehmen konnte und sich eine neue Existenz aufbaute“, berichtet Bernhard von der tragischen Familiengeschichte und von der Hochwasserkatastrophe 1965, bei der in Gassen sechs Menschen ums Leben kamen.
Am Biohof Stemberger leben vier Generationen unter einem Dach. Auch die jüngste Generation – Sebastian, Johanna und Alexander – genießt das Aufwachsen am Bauernhof und hilft bei der Versorgung der Tiere schon fleißig mit.
Bevor Bernhard und Isabella, übrigens eine gebürtige Vorarlbergerin, den „Rauterlishof“ offiziell übernahmen, war dieser für seine Kalbinnenaufzucht weitum bekannt. Die junge Generation legte den Fokus von Beginn an auf die Herstellung von Milchprodukten. Wichtige Standbeine sind heute außerdem die Hühner und die Bio-Goggelen sowie die Direktvermarktung über den kleinen, aber feinen Hofladen. Seit 2015 können Gäste ihren Urlaub in einer Ferienwohnung am „Rauterlishof“ verbringen.

„Unseren ersten Hühnerstall haben wir 2018 selbst gebaut. Fünf Monate hat diese Arbeit in Anspruch genommen. 2019 kauften wir einen zweiten mobilen Stall an und 2020 einen dritten. Mobil bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Hühnerstall immer wieder überstellt wird. Die Hühner weiden eine Fläche ab, dann schieben wir den Stall auf eine andere Grünfläche rund um den Hof. Unsere 750 Hühner befinden sich also in der warmen Jahreszeit immer im Freien und fressen frisches Gras“, erzählt Isabella.

Die Eierproduktion ist vollautomatisiert. „Zwei Mal am Tag kontrollieren wir Futter und Tränke, ein Mal täglich entnehmen wir die Eier, die über ein Förderband automatisch in den Sammelraum gelangen. Die Türen der Hühnerställe sind zeitgesteuert. Wie unsere Kühe haben auch die Hühner genügend Auslauf. Dies entspricht unserer Philosophie: Die artgerechte Haltung unserer Tiere ist uns wichtig!“

Der kleine Hofladen in Bruggen hat sich inzwischen zu einem viel frequentierten Anlaufpunkt für Einheimische wie Gäste entwickelt. „Hier finden sich ausschließlich Produkte, die im Defereggental geerntet, produziert oder veredelt werden. Die Wertschätzung gegenüber regionalen Lebensmitteln hat seit Beginn der Corona-Krise deutlich zugenommen. Unsere einheimischen Kunden geben ihre Zufriedenheit per Mundpropaganda weiter, und so sind unsere Deferegger Produkte auch für Gäste zu gefragten Mitbringseln geworden.“

Mit ihrem Hofladen haben Isabella und Bernhard im Defereggental mit viel Einsatz und Gespür eine neue Direktvermarktungs-Schiene aufgebaut. Neben den frischen Eiern sowie Milch, Butter, Joghurt und Käse vom Biohof Stemberger kann man hier auch Speck und Hauswürstl, Bauernbrot, Honig, Kuchen, verschiedene Aufstriche und vieles mehr erwerben. Seit dem Vorjahr pflegen die beiden eine Kooperation mit anderen Defereggentaler Betrieben. Die Firma „Gaumenschmaus Defereggental“ von Lydia Nöckler stellt Schlipfkrapfen und Knödel her, und neuerdings produziert „Ortner Naturfeinkost“ feine Nudeln. Beide Produzenten verarbeiten Bio-Goggelen vom Biohof Stemberger, und die fertigen Teigwaren können über den Hofladen bezogen werden. Die Produkte vom „Rauterlishof“ sind als Teil des regionalen Angebotes auch im SPAR MARKT Ainet erhältlich.

„Mit unserer Landwirtschaft und der Direktvermarktung haben wir unseren Traum verwirklicht. Wichtig ist, dass alle, die am ,Rauterlishof‘ leben, an einem Strang ziehen. Regionalität und Nachhaltigkeit sowie insbesondere das Wohl unserer Familie und der Zwei- und Vierbeiner sind uns ein Herzensanliegen“, halten Isabella und Bernhard zum Abschluss unseres Gesprächs bei einer typischen Deferegger „Marende“ fest. Die Produkte vom Biohof Stemberger schmecken vorzüglich. Man spürt bei jedem Bissen, dass hier Menschen am Werk sind, die ihre Leidenschaft für die Berglandwirtschaft leben!
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Biohof Stemberger


