„Auf das Schaf gekommen!”: Von seltenen Schafrassen in Osttirol

Wir haben uns in Osttirol auf die Suche nach eher seltenen Schafrassen begeben – und wurden in Assling, Außervillgraten und Nußdorf-Debant fündig.

Mit rund 22.000 Schafen gilt Osttirol als der schafreichste Bezirk Österreichs. Die gängigsten Schafrassen sind hier nach wie vor das Tiroler Bergschaf und das Tiroler Steinschaf. Weil vor allem auch junge Züchter gerne Neues ausprobieren, gibt es inzwischen aber eine große Vielfalt an Rassen. Wir besuchten Peter Mairer in Assling, Familie Mair in Außervillgraten und Familie Kollnig in Nußdorf-Debant und sprachen mit ihnen über Walliser Schwarznasenschafe, Braune und Schwarze Bergschafe sowie Lacaune-Schafe.

 

Das Walliser Schwarznasenschaf

 

Peter Mairer züchtet seit über 30 Jahren Walliser Schwarznasenschafe.

 

Peter Mairer gilt als Pionier, wenn es um das Walliser Schwarznasenschaf in Osttirol geht. „Ich bin auf einem Bauernhof in Assling aufgewachsen. Schafe haben mich schon als kleines Kind fasziniert. Später habe ich mich mit Fachbüchern zu verschiedenen Rassen beschäftigt, wobei es mir die Walliser Schwarznasenschafe immer besonders angetan haben“, erzählt er.

Mitte der 1980er-Jahre besuchte er auf dem Nachhauseweg von einer Schafausstellung in Imst einen Schafbauern im Brixental, der auf seinem Hof Walliser Schwarznasenschafe hielt. Jahre später gelang es ihm, zwei Mutterschafe anzukaufen. „Am Ostermontag des Jahres 1990 habe ich die Tiere im Brixental abgeholt. Es waren damals die ersten Schwarznasenschafe in Osttirol“, erinnert sich Peter zurück.

 

 

Mitte der 1980er-Jahre besuchte er auf dem Nachhauseweg von einer Schafausstellung in Imst einen Schafbauern im Brixental, der auf seinem Hof Walliser Schwarznasenschafe hielt. Jahre später gelang es ihm, zwei Mutterschafe anzukaufen. „Am Ostermontag des Jahres 1990 habe ich die Tiere im Brixental abgeholt. Es waren damals die ersten Schwarznasenschafe in Osttirol“, erinnert sich Peter zurück.

Das Walliser Schwarznasenschaf ist eine hauptsächlich im Oberwallis in der Schweiz gehaltene Schafrasse. „Es handelt sich um ruhige, gemütliche und genügsame Tiere. Sie sind hervorragend an die Lebensbedingungen im Hochgebirge angepasst. Als gute Kletterer beweiden sie auch steile und steinige Hänge.“ In Assling hat Peter einen Betrieb gepachtet und züchtet dort nun schon seit 25 Jahren Walliser Schwarznasenschafe. Von Lienz aus, wo der Osttiroler inzwischen wohnt, fährt er jeden Tag zwei Mal nach Assling, um seine Tiere zu betreuen.

 

 

Als am 15. Dezember 1994 im Brixental der „Zuchtverein seltene Schafrassen in Tirol“ gegründet wurde, war Peter Mairer mit an Bord. Heute nennt sich der Verein „Walliser Schwarznasenzuchtverein Tirol“. „Inzwischen gibt es auch in Osttirol einige Bauern, die Walliser Schwarznasenschafe züchten – vor allem im Iseltal“, berichtet er.

Seine Leidenschaft für die Walliser Schwarznasenschafe hat Peter auch schon zahlreiche Preise eingebracht. Im September 2015 stellte er in Rauris den Bundessieger, bei der Bundesausstellung in Rauris im Herbst 2002 wurde er insgesamt Dritter und bester Tiroler. Bei der Jubiläumsausstellung 2019 in Westendorf stellte er die Gesamtsiegerin bei den weiblichen Tieren (Miss Tirol). Im Oktober 2021 setzte er sich bei der Gebietsausstellung in Ellbögen als Gesamtsieger bei den männlichen Tieren durch. „Wichtig ist es, die Tiere gepflegt und sauber für eine Ausstellung vorzubereiten. Mein Bruder Josef ist mir dabei behilflich. Ohne ihn wäre das alles nicht möglich.“

 

 

Peter hat seine Schwarznasenschafe u.a. auch schon bei der Dornbirner Frühjahrsmesse im Rahmen der Sonderschau „Schäfer“ präsentiert. Ein Erlebnis ist dem versierten Schafzüchter besonders in Erinnerung geblieben. „Ich hatte Gelegenheit, bei einem Almabtrieb im Skigebiet Rosswald in der Walliser Gemeinde Termen dabei sein zu können. Für mich war dies außerordentlich beeindruckend, wurden damals doch bei traumhaftem Herbstwetter etwa 700 Schafe abgetrieben.“

 

 

Stolz zeigt sich Peter auch, dass ein von ihm gezüchteter Widder im November 2022 nach Taiwan in einen Zoo exportiert wurde. „Zunächst musste der Widder 28 Tage in Quarantäne, dann wurde er mit dem LKW nach Amsterdam transportiert. Von dort ging es mit dem Flugzeug nach Taiwan. Rund zwei Stunden wurde das Walliser Schwarznasenschaf aus Osttirol schließlich mit dem Auto bis zum endgültigen Zielort geliefert.“

Die Sommer verbringen Peters Schafe übrigens auf der Seealm in Anras. „Als Pensionist habe ich heute mehr Zeit, bei meinen Tieren in Assling zu sein. Wegen der Gefahr durch die in den letzten Jahren zunehmend größere Anzahl an Wölfen war ich in den letzten Sommern oft auf der Alm bei meiner Herde. Leider lassen sich Risse trotzdem nicht verhindern, und so muss viel Energie für den Schutz der Schafe verwendet werden. Wenn sich die Situation nicht bessert, werde ich mir früher oder später überlegen müssen, meine Schafe nicht mehr auf die Alm zu treiben oder sogar ganz aufzuhören. Ich würde dies sehr bedauern, denn Schafe sind seit mehr als 50 Jahren meine große Leidenschaft“, betont Peter Mairer abschließend.

 

Braune und Schwarze Bergschafe

 

Leonhard Mairs Herde umfasst zwischen 250 und 300 Braune und Schwarze Bergschafe.

 

Am Versellerberg in der Gemeinde Außervillgraten bewirtschaftet Leonhard Mair gemeinsam mit seiner Frau Walburga auf rund 1.500 Metern Seehöhe den Durach-Hof. „Ich bin mit Schafen aufgewachsen. Früher hatten wir hier am Hof ausschließlich weiße Bergschafe. Irgendwann habe ich dann damit begonnen, die Herde um Braune und Schwarze Bergschafe zu erweitern. Sie gehören, wie das Tiroler Steinschaf und das weiße Bergschaf, zu den ältesten Schafrassen, die in Tirol beheimatet sind. Braune und Schwarze Bergschafe sind tritt- und steigsicher und deshalb für Berggebiete und steile Felder ideal geeignet. Sie gelten als robust und widerstandsfähig und zeichnen sich durch eine hohe Fruchtbarkeit und hervorragende Muttertiereigenschaften aus“, erklärt Leonhard typische Merkmale seiner Bergschafe.

 

 

Heute leben auf dem Durach-Hof zwischen 250 und 300 Tiere dieser seltenen Rasse, davon etwa 130 Mutterschafe. „Wir haben etwa 100 braune und 30 schwarze Mutterschafe“, so der Villgrater. Er berichtet davon, dass es tirolweit heute nur etwa 3.000 Tiere dieser Rasse gibt. „Als Folge der Reinzucht sowie Spezialisierung auf das weiße Bergschaf und verschiedene Fleischrassen sind Braune und Schwarze Bergschafe lange Zeit in Vergessenheit geraten und waren vom Aussterben bedroht. Auch heute noch gilt diese Rasse als hochgefährdet.“

 

 

Leonhard erzählt, dass lange Zeit eine Reinzucht von Braunen und Schwarzen Bergschafen aufgrund eines Problems mit braunen Widdern nicht möglich war. „Um die Rasse zu forcieren, wurde 1992 der Verein für das Braune und Schwarze Bergschaf gegründet. Ursprünglich galt das vorrangige Zuchtziel dem Braunen Bergschaf. Bis 2002 wurde das Schwarze Bergschaf zwar als Rassenaufstockung mitgeführt, war aber im Zuchtprogramm nicht inkludiert. Als 2014 aber ein Aussterben des Schwarzen Bergschafs drohte, beschloss der Vorstand, dieses wieder ins Zuchtprogramm aufzunehmen. Heute gibt es für Schwarze, Braune und gescheckte Bergschafe ein Generhaltungsprogramm der EU. Alle drei Arten weisen die gleichen Gene auf.“

 

 

Beim Braunen und Schwarzen Bergschaf wird vor allem die Lammproduktion gefördert. „Es geht darum, dass auch der Absatz gesichert ist“, so Leonhard. Braune und Schwarze Bergschafe sind sehr fruchtbar. Es gibt zwei Lammzeiten, das Frühjahr und den Herbst. „Die Frühjahrslammzeit beginnt im März und dauert bis etwa Ende Mai. In dieser Zeit kann es schon einmal vorkommen, dass 60 Lämmer in der Woche auf die Welt kommen“, so der Landwirt, der die Lammung als meist sehr unkompliziert beschreibt. „Braune und Schwarze Bergschafe lammen leicht!“

 

 

Ende April kommen die Schafe auf die Heimweide rund um den Durach-Hof. „Ende Mai/Anfang Juni treiben wir sie dann auf die Alm. Ein Teil unserer Tiere verbringt den Sommer auf der Gemeinschaftsalm in Außervillgraten, ein anderer im Dorfertal in Kals.“ Im Alter von etwa zwölf Wochen werden die Zuchttiere aussortiert und die anderen gemästet. Es herrscht eine gute Nachfrage nach Zuchttieren, weshalb das Gros direkt vom Stall weg verkauft wird. Die gemästeten Tiere werden großteils am Hof verarbeitet. „Künftig werden wir aber auch den neuen Schlachthof in Außervillgraten dafür nutzen“, sagt Leonhard, der auf seinem Hof hoch über dem Villgratental auch Mastrinder und Ziegen hält.

 

 

Die Leidenschaft für die Schafe hat inzwischen auch seine Kinder Dominik und Larissa erfasst. „Wenn Dominik von der Schule nach Hause kommt, führt ihn meist sein erster Weg in den Schafstall. Auch meine Frau Walburga und meine Mutter Maria helfen fest mit, vor allem bei der Betreuung der Lämmer“, freut sich Leonhard über den Familienzusammenhalt. Die Landwirtschaft ist für ihn Beruf und Hobby zugleich. „Ich liebe es, in und mit der Natur – vor allem auch mit Tieren – zu arbeiten. Wenn ich etwas dazu beitragen kann, dass alte und bedrohte Rassen erhalten bleiben, dann ist das für mich eine Herausforderung und eine schöne Aufgabe zugleich“, so der begeisterte Landwirt aus dem Villgratental abschließend.

 

Lacaune-Schafe

 

Matthias Kollnig hat sich auf Lacaune-Schafe spezialisiert.

 

Matthias Kollnig ist gelernter Tischler und hat im Jahr 2017 den Kollnighof auf 977 Metern Seehöhe in Obernußdorf/Marktgemeinde Nußdorf-Debant übernommen, den er inzwischen im Vollerwerb führt. Seine Frau Theresa ist eine studierte Archäologin, hat aber ihren erlernten Beruf aufgegeben, um gemeinsam mit ihrem Mann den Traum von der Selbstständigkeit in der Landwirtschaft zu leben. Zur Familie gehört auch der zweieinhalbjährige Jonathan.

 

 

„Wir haben uns entschieden, Lacaune-Schafe zu halten. Es handelt sich dabei um eine typische Milchrasse. Neben der guten Milchleistung inklusive hoher Milchinhaltsstoffe sind in der Reinzucht auch sehr gute Lammfleischqualitäten zu erzielen. Lacaune-Schafe zeichnen sich vor allem durch eine hohe Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit aus, weshalb sie in Österreichs Schafställen heute vermehrt zu finden sind. In Osttirol halten neben mir noch zwei weitere Bauern Lacaune-Schafe“, berichtet Matthias, dessen Herde aktuell etwa 50 Tiere zählt.

 

 

Das Lacaune-Milchschaf stammt ursprünglich aus dem Süden Frankreichs, die Milch dieser Rasse dient dort bis heute als Basis für den bekannten Roquefort-Käse. Der Käseherstellung haben sich auch Matthias und seine Frau verschrieben. Theresa ist eine ausgebildete Käsesommeliere und deshalb in Fragen der Milchveredelung eine versierte Fachfrau. „Wir verarbeiten die Milch zu verschiedenen Sorten Käse, wie Frischkäse, Camembert, Schnittkäse und Blauschimmelkäse. Außerdem stellen wir Naturjoghurt und Fruchtjoghurt her“, sagt sie.

Mit Ausnahme der Monate November und Dezember wird an fünf Tagen in der Woche produziert. „An je zwei Tagen stellen wir Kuhschnittkäse und Schafkäse her. Den Dienstag widmen wir immer der Joghurt-Produktion. Der Schnittkäse benötigt zur Reifung zwei Monate, unser Blauschimmelkäse ,Berta‘ drei Monate.“

 

 

Dass die Käse vom Kollnighof von besonderer Qualität sind, wissen inzwischen nicht nur die vielen zufriedenen Kunden. Vor Kurzem wurde Matthias und Theresa auch eine besondere Auszeichnung zuteil: Der von ihnen beim Concours International de Lyon in Frankreich eingereichte Blauschimmelkäse „Berta, die Blaue“ erhielt 97 von 100 möglichen Jury-Punkten und wurde mit einer Goldmedaille sowie dem Prädikat „Austrias best cheese“ bedacht.

 

 

Seit 2022 wird am Kollnighof auch Eis produziert, das je nach Witterung von März bis Oktober angeboten wird. Schnittkäse und Eis werden aber nicht nur aus Schaf-, sondern auch aus Kuhmilch hergestellt. Nachdem der Kollnighof Bio-zertifiziert ist, legen Matthias und Theresa großen Wert darauf, dass alles, was sie ihrem Joghurt und Eis beimengen, so regional wie möglich ist. Die Marmeladen für das Fruchtjoghurt kommen vom eigenen Hof, alle geschmacksgebundenen Stoffe (wie z.B. die Erdbeeren) aus der Region. Die Kaffee-Paste stellt die regionale Rösterei Mocafe her.

Mit ihren Produkten beliefert Familie Kollnig Lebensmittelgeschäfte und Supermärkte ebenso wie Gastronomiebetriebe und Bauernläden. Am Lienzer Stadtmarkt betreiben Matthias und Theresa einen eigenen Stand.

 

 

Die Schafhaltung im Jahresverlauf ist natürlich mit viel Arbeit verbunden. „Von Dezember bis Jänner schicken wir unsere Schafe in die wohlverdiente Winterpause. Sie halten sich in einem großen Auslauf auf und werden mit bestem Heu gefüttert. In dieser Zeit tragen sie auch ihre Lämmer aus. Lacaune-Schafe sind sehr robuste und anpassungsfähige Tiere. Sie sind eher frühreif und bringen schon nach einem Jahr Lämmer zur Welt. Im Sommer geht es dann für unsere Tiere auf die Weide auf den sonnigen Hängen des Mitterbergs rund um unseren Hof“, so Matthias, der es nie bereut hat, sich für die Rasse des Lacaune-Schafs entschieden zu haben.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Elias Bachmann, Martin Lugger

17. März 2023 um