Arbeitslosigkeit stark rückläufig: Jobmesse soll Fachkräfte nach Osttirol bringen
Die Jobmesse am 12. und 13. Juni 2026 richtet sich an Fachkräfte, Berufseinsteiger:innen, Schüler:innen, Rückkehrer:innen sowie Menschen, die Osttirol als neuen Arbeits- und Lebensraum für sich entdecken möchten.
Rund 30 Unternehmen aus Industrie, Gewerbe, Bau, Pflege, Tourismus, Handel und Dienstleistung werden bei der Jobmesse im Kulturzentrum Nußdorf-Debant ihre Jobangebote, Ausbildungsplätze und Karrierewege präsentieren. Der Arbeitsmarkt in Osttirol entwickelte sich in den letzten zehn Jahren vom Sorgenkind zum Musterschüler. Darüber und über aktuelle Herausforderungen – wie den immer stärker werdenden Fachkräftemangel – berichteten Vertreterinnen und Vertreter der INNOS GmbH, des AMS, der Wirtschaftskammer, der Arbeiterkammer und der Osttiroler Investment GmbH bei einem Pressegespräch.
„Die Arbeitslosigkeit im Bezirk Lienz entwickelte sich in den letzten zehn Jahren sehr positiv. 2025 lag die Arbeitslosenquote in Osttirol bei 4,2 % – vor zehn Jahren betrug sie noch 10,3 Prozent. Auch die Beschäftigung ist gestiegen – allein in der Industrie sind in den letzten zehn Jahren 600 neue Jobs hinzugekommen, im Gesundheitsbereich 400 neue Stellen“, erklärte Philipp Seirer-Baumgartner vom AMS Tirol.
Der Osttiroler Arbeitsmarkt steht aber auch vor großen Herausforderungen – die Überalterung und die Abwanderungen führen zu einem hohen Personalbedarf in den Unternehmen. „2025 gab es im Jahresschnitt 435 sofort verfügbare offene Stellen – im Jahr 2015 waren es im Jahresschnitt nur 116. In den letzten zehn Jahren stieg die Beschäftigung der über 50-Jährigen um 43,1 %, jene der unter 25-Jährigen ging um 15,1 % zurück“, so Barbara Grain, Leiterin des AMS Lienz.
„Osttirol muss das Willkommens-Tirol werden. Wir brauchen Zuzug“, sagte INNOS-Geschäftsführerin Barbara Hassler. „Während im Tirol-Schnitt 28,3 % der unselbstständig Beschäftigten Ausländer:innen sind, sind es in Osttirol nur 9,2 %.“
v.l.n.r.: Wilfried Kollreider (Leiter Arbeiterkammer-Bezirksstelle Lienz), Elisabeth Kreuzer (Osttiroler Investment GmbH), Barbara Hassler (Geschäftsführerin INNOS GmbH), Barbara Grain (Leiterin AMS Lienz), Philipp Seirer-Baumgartner (AMS Tirol), Johann Kollreider (Leiter Wirtschaftskammer-Bezirksstelle Lienz)
AMS-Leiterin Barbara Grain wies auf die Wichtigkeit der Stellenmeldungen beim AMS hin: „Förderprogramme, Stipendien, Mangelberufslisten und Kontingentsbewilligungen entstehen ausschließlich über den durch das AMS nachweislich festgestellten Arbeits- und Fachkräftemangel.“
Die Arbeitsmarktentwicklung in Osttirol bezeichnete Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Johann Kollreider als „klaren Beleg dafür, dass Industrie und produzierendes Handwerk in den letzten zwei Jahrzehnten der Jobmotor Osttirols gewesen sind“. „Rund 42 % aller in Osttirol unselbstständig Beschäftigten arbeiten in Handwerk und Industrie. Die Zahl der Lehrlinge hat sich aufgrund der demografischen Entwicklung in den letzten drei bis vier Jahrzehnten halbiert. Die Lehre muss weiterhin funktionieren. Auch deswegen ist die Jobmesse wichtig. Rund 700 Schülerinnen und Schüler der mittleren und höheren Schulen werden sich auf der Messe über die Osttiroler Unternehmen und ihre Jobangebote informieren“, so Kollreider.
Es gelte auch, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, um mehr Frauen für den Arbeitsmarkt zu aktivieren – und die Abwanderung junger Frauen einzudämmen. „Der Rückgang der weiblichen Wohnbevölkerung unter 25 Jahren – eine Langzeitprognose bis 2040 geht von minus 9,5 % aus – stellt für Osttirol eine besonders eindrückliche Herausforderung dar, weil damit auch die zukünftigen Generationen aus Osttirol abwandern“, so Philipp Seirer-Baumgartner.
Die schwache Bevölkerungsentwicklung könne nur durch Zuzug, Rückkehrer:innen und Produktivitätsfortschritte abgefedert werden. „Es braucht Investitionen in Automatisierung und Digitalisierung, um die Produktionsprozesse effizienter zu gestalten und damit auch dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken“, sagte Elisabeth Kreuzer von der Osttiroler Investment GmbH.
Wilfried Kollreider, Leiter der Arbeiterkammer-Bezirksstelle Lienz, ging insbesondere auf die Beschäftigung der über 50-Jährigen in den Unternehmen ein. „Es gilt, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer länger im Arbeitsprozess zu halten. Dafür braucht es nicht nur eine altersgerechte Arbeitsplatzgestaltung, sondern auch optimierte gesetzliche Rahmenbedingungen. Von der Änderung bei den Zuverdienstgrenzen in der Pension, die für 2027 geplant ist, erwarte ich mir besonders positive Effekte“, erklärte Kollreider.
Jobmesse Osttirol 2026
12. und 13. Juni 2026 im Kulturzentrum Nußdorf-Debant
Die im Rahmen des LEADER-Projektes „Willkommen Osttirol“ unterstützte Jobmesse wird als Kooperationsprojekt der INNOS GmbH, der Arbeiterkammer, der Osttiroler Investment GmbH, der Privatstiftung Lienzer Sparkasse und der Wirtschaftskammer sowie zahlreicher Betriebe aus der Region veranstaltet.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Gaggl-Retter, INNOS