Anras: Barbara Thaler thematisierte im Pfleghaus die Globalisierung der Wirtschaft
Ein Schwerpunkt von Kultur aus dem Pfleghaus ist heuer die Globalisierung. Zur heimischen Wirtschaft und internationalen Zusammenhängen sprach die Tiroler Wirtschaftskammer-Präsidentin Barbara Thaler am Donnerstag, 17. Oktober.
Nach Bischof Hermann Glettler und Ex-EU-Kommissar Franz Fischler konnte nun Barbara Thaler in Anras begrüßt werden. Die ehemaliger EU-Abgeordnete und aktuelle Präsidentin der Tiroler Wirtschaftskammer referierte über die Belange der heimischen Wirtschaft, internationale Zusammenhänge und die Globalisierung.
„Österreich gehört weltweit zu den Top 10 Regionen bei den Pro-Kopf-Exporten. Während sich die Exporte des langjährigen Exportweltmeisters Deutschlands zwischen 1994 und 2023 um 450 % erhöhten, wuchsen die österreichischen Exporte im selben Zeitraum um beachtliche 539 %. Deutschlands Bruttoinlandsprodukt stieg von 1995 bis 2023 um 120 %, während Österreichs Wirtschaft um beeindruckende 179 % wuchs.“
Mit diesen drei Fakten stellte Barbara Thaler klar, dass die Internationalisierung ein Schlüsselfaktor für den wirtschaftlichen Erfolg und den Wohlstand Österreichs war. Begonnen hat dieser Prozess in den 1990er-Jahren: Zuerst mit der Osterweiterung, bei der Österreich dank seiner historischen Verbindungen eine wesentliche Rolle spielte. Verstärkt wurde er durch den EU-Beitritt Österreichs am 1. Jänner 1995, der dem bis dahin wirtschaftlich eher isolierten Land neue Märkte erschloss. Im Jahre 2023 exportierte Österreich Waren im Wert von 200,76 Milliarden Euro, das ist pro Kopf ein Exportwert von 21.990 Euro.
v.l.n.r.: WK-Präsidentin Barbara Thaler, WK-Bezirksobfrau Michaela Hysek-Unterweger, WK-Bezirksstellenleiter Johann Kollreider und der Anraser Bürgermeister Johann Waldauf
Auch den Außenhandel bezeichnete Barbara Thaler als einen wichtigen Motor für die Beschäftigung: „Mehr als 1,2 Millionen Arbeitsplätze hängen mittlerweile von den Erfolgen der Exportwirtschaft ab, und jeder vierte Steuer-Euro kommt aus dem Export.”
Tirol hat bei dieser Entwicklung wacker mitgehalten. „Tirol ist heute weit mehr als ein Urlaubsziel: es ist ein stark entwickelter Industriestandort und ein bedeutendes Exportland. Tirol gehört mit seinen innovativen Unternehmen, der hohen Qualität der Produkte und seinen hoch qualifizierten Arbeitskräften zu den international wettbewerbsfähigsten Regionen überhaupt“, betonte die Wirtschaftskammer-Präsidentin.
„Alles tolle Zahlen“, so Barbara Thaler, „die aktuellen Nachrichten lesen sich aber anders“. Ja, Österreich befinde sich derzeit in einer herausfordernden wirtschaftlichen Lage. Auch wichtige Handelspartner wie Deutschland schwächeln. Umso wichtiger sei es, so die Präsidentin, nach Wachstumsmärkten zu suchen und sich auf neue Märkte auszurichten. Vielversprechende Märkte liegen weiterhin in Europa, andere außerhalb – wie in den USA, Indien, der Golfregion und Südostasien. Diese Regionen bieten großes Potenzial, um die Rückgänge in bestehenden Märkten zu kompensieren.
Dafür liefern über 100 österreichischen Außenwirtschaftsbüros weltweit wertvolle unternehmensspezifische Marktdaten, die es den Unternehmen ermöglichen, das Potenzial neuer Märkte realistisch einzuschätzen. Ein konkretes Beispiel ist die bevorstehende Reise einer Tiroler Wirtschaftsdelegation nach Indien, um dort Chancen für Tiroler Unternehmen zu erkunden.

Abschließend warf die Referentin noch einen kritischen Blick auf die politischen Rahmenbedingungen auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene. Sie appellierte an alle Verantwortlichen, „dafür Sorge zu tragen, dass die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen nicht auf der Strecke bleibt. Die Sicherung des Standorts muss auf politischer Ebene denselben Stellenwert haben wie Umwelt-, Klima- und Sozialaspekte“.
„Die eigenen Regeln so zu gestalten, dass unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibt, ist die eine Aufgabe. Die andere ist, einen offenen, fairen, globalen Handel zu ermöglichen. In einer global vernetzten Welt gibt es keine Alternative zum offenen Handel und zur internationalen Zusammenarbeit. Das bedeutet letztendlich Mittelweg, das bedeutet Kompromiss“, so das Schlussstatement der Präsidentin.
Text: Redaktion, Fotos: Verein Anraser Pfleghaus

