Am Unterbacherhof im Mölltal steht das Tierwohl im Mittelpunkt
Auf alte Haustierrassen haben sich Christian und Manuela Fercher aus Stall im Mölltal spezialisiert. Auch ihre Töchter Selina (20), Verena (16) und Christina (11) sind davon begeistert.
„Bereits als Kind habe ich in der Landwirtschaft meiner Familie mitgeholfen. Für mich war früh klar, dass ich selbst Bauer werden möchte und so übernahm ich im Alter von 18 Jahren den Unterbacherhof am Stieflberg“, erzählt Christian Fercher. Gemeinsam mit seiner Frau Manuela baute der heute 45-Jährige das stark sanierungsbedürftige Anwesen auf 1.150 Metern Seehöhe oberhalb von Stall im Mölltal Schritt für Schritt wieder auf. „Von Beginn an wollten wir den Fokus auf eine naturnahe, nachhaltige Landwirtschaft legen und haben uns nicht zuletzt deshalb auch auf alte Haustierrassen spezialisiert. Das Tierwohl, der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen und die hochwertige Qualität der von uns produzierten Lebensmittel liegen uns besonders am Herzen“, betont der gelernte Zimmerer.

Neben Angus Rindern züchtet Familie Fercher auch Schwäbisch-Hällische-, Duroc-, Husumer- und Landschweine. Um die baulichen Voraussetzungen dafür zu schaffen, wurde in die Errichtung eines modernen Schweinestalls investiert, der 2018 am Stieflberg in Betrieb ging. „Der Stall wurde ein knappes Jahr später, im November 2019, bei der Unwetter-Katastrophe im Mölltal völlig zerstört“, erinnert sich der Landwirt zurück. Mit vereinten Kräften bauten Christian und Manuela den Rinderstall in einen Schweinestall um. „In unserem Stall verfügt jede Box über einen Liegebereich mit Sägespäne-Matte, Futter- und Kotbereich. Jedes Tier hat mindestens doppelt so viel Platz wie vorgeschrieben“, ist Christian stolz auf den gelungenen Umbau.
Im Sommer verbringen die Schweine des Unterbacherhofes viel Zeit im Freien, die Angus Rinder kommen auf die Alm. Die Schweine werden, wenn sie etwa ein Jahr alt sind, geschlachtet. „Bislang erfolgte dies in der Bauernschlachtstätte Spittal/Oberamlach. Derzeit sind wir gerade dabei, hier am Unterbacherhof einen eigenen Schlachtraum einzurichten. Er geht in Kürze in Betrieb“, erzählt Christian.

Mit den Schweinehälften beliefert Familie Fercher auch die Osttiroler Meistermetzgerei Ortner. Das Schweine- und Rindfleisch wird größtenteils regional ab Hof vermarktet, auch die heimische Gastronomie zählt zu den Kunden. Aus dem Schweinefleisch stellt Christian Speck, Salami und Hauswürstl her, auch Fleisch-Mischpakete werden angeboten. Sehr begehrt sind die saftigen T-Bone-Steaks und Grillspezialitäten vom Angus Rind.

Von der Geburt über die Aufzucht bis zur Schlachtung – eine artgerechte und stressfreie Tierhaltung steht am Unterbacherhof auf der Prioritätenliste an oberster Stelle. „Das alles wirkt sich auf die Qualität der von uns produzierten Lebensmittel aus. Unsere nachhaltige Art und Weise zu leben und zu wirtschaften möchten wir auch an die nächste Generation weitergeben“, erklärt Manuela Fercher.

„Wir leben in und mit der Natur. Mensch und Tier sollen sich bei uns am Hof wohlfühlen.“ Die leidenschaftliche Bäuerin bäckt übrigens selbst Brot, das inzwischen über das Mölltal hinaus bekannt und beliebt ist. Die Früchte der Obstbäume am Hof verarbeitet sie zu allerlei Köstlichkeiten. Die Kultivierung von Weinstöcken auf den Hängen rund um den Unterbacherhof bezeichnen sie und ihr Mann als einen Versuch. „Der aus den Weintrauben gewonnene Saft schmeckt aber. Es macht uns eben Spaß, immer wieder Neues auszuprobieren.”

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Elias Bachmann, privat








