Almsennerei Tauer: Produktion gut angelaufen
Seit Anfang Juni werden in der Almsennerei Tauer in Matrei in Osttirol täglich etwa 3.000 Liter Rohmilch aus dem Gschlößtal zu Käse und Butter verarbeitet.
Rund eineinhalb Jahre wurde an der Almsennerei Tauer gebaut. Die neu gegründete Genossenschaft hat das historische Steinhaus am Eingang des Gschlößtales saniert, mit modernster Käsereitechnik ausgestattet und einen Verkaufsraum eingerichtet. „Von 1931 bis 1947 haben hier die Almbauern ihre Sommermilch verarbeitet. Als 1947 der Tauerwirt einen LKW angeschafft hat, wurde die Milch nach Matrei transportiert. Das Gebäude übernahm die Raiffeisenbank, die sich damals gemeinsam mit der Kirche für die Errichtung dieser Sennerei eingesetzt hatte. Wir freuen uns sehr, dass wir 70 Jahre später jetzt wieder hier die Milch der Almbauern verarbeiten können“, so Genossenschaftsobmann Dietmar Kurzthaler Dienstagvormittag bei einer Führung durch die neue Sennerei.
Mathias Wibmer: „Wir produzieren hier drei Arten von Bergkäse – drei, sechs und zwölf Monate gereiften. Der erste Bergkäse aus der Almsennerei Tauer wird also Ende August/Anfang September zur Verfügung stehen.“
Die Genossenschaft wurde im November 2015 gegründet, nach etwa eineinhalb Jahren Bauzeit steht die Almsennerei Tauer nun in Vollbetrieb. 35 Almbauern des Gschlößtales liefern über Agrargemeinschaften bzw. direkt tagesfrische Rohmilch an. „Wir können hier bis zu 3.400 Liter Milch täglich verarbeiten. Die Milch kommt von den rund 150 Kühen, die im Sommer hier im Tal gealpt werden“, erklärte Molkereimeister Mathias Wibmer, der gemeinsam mit Lukas Steiner für die Käse- und Butterproduktion verantwortlich zeichnet. Zu 85% wird hier Bergkäse erzeugt, zusätzlich Schnittkäse, Osttiroler Graukäse und Gschlößtaler Almbutter.
Lukas Steiner ist in der Almsennerei Tauer angestellt und erzeugt gemeinsam mit Mathias Wibmer Käse und Butter.
Vertrieben werden Butter und Käse im Almladen, im Talmarkt Matrei und über Osttiroler Lebensmittelhändler, in Kürze soll auch ein Web-Shop eingerichtet werden. Auch Hotellerie und Gastronomie werden mit den edlen Milchprodukten aus dem Tauerntal versorgt. „Graukäse und Almbutter erfreuen sich bereits jetzt großer Beliebtheit. Der erste Bergkäse wird Ende August/Anfang September zur Verfügung stehen“, so der Molkereimeister. Weitere Lebensmittel aus der Region und Souvenirs sind im Almladen erhältlich.
Insgesamt 600.000 Euro wurden in die Almsennerei Tauer investiert, 40% der Kosten öffentlich gefördert. Sieben Arbeitsplätze – einige davon in Teilzeit – wurden geschaffen. „Der Reifekeller in einem Probestollen in Unterpeischlach wird in Kürze fertig. Dann kann unser Käse dort bei einer konstanten Temperatur von 13 Grad und einer Luftfeuchte von etwa 95% reifen“, so Obmann Dietmar Kurzthaler. Auch ein Themenweg mit sieben Stationen wird im Bereich der neuen Almsennerei geschaffen, die Berglandwirtschaft oder auch das historische Venezianer-Gatter eingebunden. „Rund 80.000 Menschen wandern hier während der Sommersaison vorbei. Mit der Sennerei und dem Themenweg wollten wir auch einen touristischen Hotspot für Matrei und den gesamten Bezirk schaffen“, betonte der Genossenschaftsobmann.
Die handgemachte Gschlößtaler Almbutter erfreut sich bereits jetzt zu Beginn der Produktion großer Beliebtheit.
Mit Energie versorgt wird die Almsennerei durch ein Ökostrom-Kraftwerk, das Wasser kommt von einer eigenen Quelle, und die Abwasserentsorgung erfolgt über eine neu gebaute pflanzliche Kläranlage. „Dass wir gemeinsam mit den Almbauern in so kurzer Zeit ein derartiges Projekt verwirklichen konnten, erfüllt uns schon ein wenig mit Stolz. Grünland, Kühe, Berglandwirtschaft, Butter- und Käseproduktion – das alles lässt sich hier in der Almsennerei ausgezeichnet verbinden. Die Käse- und Butterproduktion ist eingebettet in die natürlichen Kreisläufe. Wir zahlen den Almbauern für die Milch derzeit konstant 50 Cent pro Liter, und ich habe auch das Gefühl, dass es die Bauern freut, dass ihre Sommermilch nun wieder hier im Tal verarbeitet und vermarktet wird“, betonte Dietmar Kurzthaler abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger






