„Aberjung“: Junges Osttiroler Design, ganz groß

Mit innovativen und preisgekrönten Projekten stellen Lukas Jungmann, Christoph Aschaber und Lukas Nöckler unter Beweis, dass in Lienz kreatives Design gut gedeihen kann.

Nein, Lienz ist nicht Graz, Wien, Paris, London oder New York. Vielleicht ist die Osttiroler Bezirkshauptstadt gerade deswegen ein Ort, an dem junges, innovatives Design entstehen kann, da auch international viel Beachtung findet. Gegründet wurde die Designagentur 2012 in der steirischen Landeshauptstadt Graz. Hier hatten sich die beiden Absolventen des Industrial Design-Studiums an der renommierten Fachhochschule Joanneum – der Lienzer Lukas Jungmann und der Imster Christoph Aschaber – kennengelernt und beschlossen, mit ihrem Startup „Aberjung“ die Chance auf Selbstverwirklichung zu nützen. Die Übersiedelung nach Lienz war für beide ein logischer Schritt, wie Lukas Jungmann erklärt: „Wir sind keine Großstadtmenschen und wollten beide nach Tirol zurück. Dass Lienz unser neuer Lebensmittelpunkt geworden ist, hat sich so ergeben.“ In der Alleestraße im Herzen der Osttiroler Bezirkshauptstadt eröffneten sie ihr Büro, zum kreativen Team stieß 2015 der Lienzer Lukas Nöckler (Absolvent des Grafikdesign-Studiums an der FH Joanneum) hinzu.

Koaxial-Ultraleichthubschrauber

Koaxial-Ultraleichthubschrauber

Der Tätigkeitsbereich des Trios umfasst heute viele Bereiche, u.a. Produktdesign, Transportation Design, Visualisierung, Grafikdesign, Architektur oder Corporate Communication. Ein hohes Maß an persönlichem Freiraum, viel spielerisches Experimentieren, aber natürlich auch sehr intensive Arbeitsprozesse, allein oder zu dritt, prägen den beruflichen Alltag. Einerseits analysieren die drei Kreativen von „Aberjung“ Trends und Alltagsprobleme und entwickeln eigene Ideen, um diese potentiellen Kunden anzubieten. Andererseits tüfteln sie auch an Auftragsarbeiten, um dann mit Komplettlösungen zu überzeugen.

Rider 3.0 von Skylatec

Rider 3.0 von Skylatec

„Wir sehen Design als Verantwortung. Wir gehen den Weg von der ersten Idee bis hin zur Serienreife und darüber hinaus, mit allem was dazu gehört. Ein Produkt sollte, ob als Neu- oder Weiterentwicklung, immer auf der Symbiose von Ästhetik, Funktionalität und Benutzbarkeit basieren. Wenn Design ein Produkt nicht nur schöner, sondern auch besser macht und sich daraus für den Hersteller ebenso wie für den Konsumenten Vorteile ergeben, dann ist das der Mehrwert, auf den wir abzielen“, umreißt der 31-jährige Lienzer die Firmenphilosophie. Beispiele für diesen Mehrwert finden sich im Portfolio des Unternehmens – wie etwa das Therapiegerät „Diego“ des steirischen Unternehmens Tyromotion, das Patienten und Therapeuten im neurologisch-orthopädischen Bereich im Training verloren gegangener Armfunktionen unterstützt.

Innenraumgestaltung für die „Erlebniswelt Gölles" im steirischen Vulkanland

Innenraumgestaltung für die „Erlebniswelt Gölles“ im steirischen Vulkanland

„Diego“ ist aber nicht die einzige Arbeit, die die hohen Ansprüche von „Aberjung“ widerspiegelt. Die jungen Designer haben zum Beispiel auch Projekte für namhafte Hersteller im Bergsport- bzw. Kletter-Bereich umgesetzt. Zu diesen zählen etwa Karabiner, die speziell für Kinder entworfen wurden, der Kletterhelm „Vikki“ für Riskprotect oder das Klettersteigset „Rider 3.0“ für die Firma Skylotec. „Für Rider 3.0 haben wir 2015 auch den österreichischen Staatspreis „Design ausgewählt“ in der Kategorie Konsumgüter erhalten“, freut sich Lukas über nur eine der Auszeichnungen, die das junge Team von „Aberjung“ inzwischen einheimsen konnte.

Design für den Dolomitenmann 2015

Design für den Dolomitenmann 2015

Eines ihrer größten Projekte bis dato führte das Trio übrigens zurück in die Steiermark. Im Auftrag des größten österreichischen Schnaps- und Essigproduzenten zeichnete „Aberjung“ für die komplette Innenraumgestaltung der Manufaktur Gölles in Riegersburg, die im Herbst 2015 ihre Tore öffnete, verantwortlich. Eine „ebenso große Sache“ sei, so Lukas Jungmann, auch der Koaxial-Ultraleichthubschrauber für ein chinesisch-deutsches Unternehmen, der in Kürze unter dem Markennamen „Rotorschmiede“ auf den Markt komme. Wichtig ist ihm und seinen Kollegen die Kooperation mit heimischen Unternehmen und Institutionen, wie den Firmen Hella, Zanier und Durst, der Tischlerei Lanser, dem Curatorium pro Agunto oder der Stadtgemeinde Lienz. Trotz all ihrer Erfolge stehen bei den drei Designern nicht Geld, Ruhm und Anerkennung, sondern die Freude an ihrer Arbeit und die Umsetzung von Ideen ganz klar im Mittelpunkt. „Schließlich haben wir unser Hobby zum Beruf gemacht!“

Text: E. Hilgartner, Fotos: Aberjung/Nöckler

 

04. Februar 2016 um