Lienz/Gaimberg: Großprojekt am Grafenbach vor Umsetzung
Die Gebietsbauleitung Osttirol der Wildbach- und Lawinenverbauung hat die Pläne für umfangreiche Verbauungen in Höhe von € 6,3 Mio. ausgearbeitet.
Bei der Lienzer Gemeinderatssitzung am 26.7.2022 stand ein Projekt der Gebietsbauleitung Osttirol der Wildbach- und Lawinenverbauung auf der Tagesordnung. DI Hanspeter Pussnig von der GBL Osttirol erläuterte die Hintergründe und stellte das Vorhaben den Mandatarinnen und Mandataren vor. Er berichtete davon, dass der Anlass für die Ausarbeitung des Projektes der unmittelbare Sanierungsbedarf von Schutzbauwerken im Wildbacheinzugsgebiet des Grafenbaches nach der Großrutschung vom Frühjahr/Sommer 2021 war. Direkt nach der Rutschung, die eine Fläche von über 14 ha einnimmt, wurden wegen „Gefahr in Verzug“ bereits Sofortmaßnahmen mit Kosten von rund € 550.000 ausgeführt. Die Massenbewegung hatte sich Anfang Juli 2021 manifestiert. Zunächst zeigten sich nur geringe Rissbildungen im Gelände, ab circa 20. Juli 2021 vergrößerten sich diese jedoch dramatisch und die Bewegungsraten lagen bei ca. 5 cm/Tag. Dadurch wurden bereits Schutzbauwerke stark beschädigt bzw. zerstört. Als Auslöser gelten die stark verzögerte Schneeschmelze im Bereich Zettersfeld und die lange Wasserwegigkeit in tiefen Schichten des Einzugsgebietes des Grafenbaches. Zwischenzeitlich haben sich die Massen, wie DI Pussnig ausführte, beruhigt. Die Bewegungsrate liegt aktuell bei rund 1 cm/Monat. Mittels GPS-Datenerhebung erfolgt eine laufende Überwachung.
Im Bild: umfangreiche Beckenräumungen oberhalb der Egger Brücke in Gaimberg. In diesem Bereich soll eine große Geschieberückhaltesperre in Stahlbeton entstehen.
Ziel der nun neu geplanten Maßnahmen, die mit Gesamtkosten von rund 6,3 Millionen Euro in den Jahren 2022 bis 2031 realisiert werden sollen, ist es, die in Lienz und Gaimberg lebende Bevölkerung, die Infrastruktur und Gebäude sowie die Landesstraße vor schadbringenden Einwirkungen von Murgängen des Grafenbaches zu schützen. Das von der GBL Osttirol ausgearbeitete Vorhaben sieht die Umsetzung in drei Detailprojekten vor: In den Jahren 2022 bis 2024 stehen die Staffelung des Mittellaufes des Grafenbaches sowie Entwässerungsmaßnahmen bzw. die Sanierung bestehender Entwässerungsanlagen auf dem Programm. In der Folge soll eine große Geschiebedosieranlage (ein großer Bau mit 8 Metern Höhe und 62 Metern Flügellänge) entstehen. Circa 2.100 Kubikmeter Beton werden dafür verbaut. Detailprojekt 3 gilt schließlich der Instandsetzung der bestehenden Schutzbauwerke.
DI Hanspeter Pussnig informierte über die anstehenden Detailprojekte, die Sanierungsarbeiten und Neubauten bis 2031 vorsehen.
„Die wasser-, forst- und naturschutzrechtliche Bewilligung liegt derzeit der Behörde vor“, so Hanspeter Pussnig, der sich zuversichtlich zeigte, dass der Bescheid im August einlangen wird und man mit der Projektausführung beginnen wird können. Die Kosten sollen von Bund (58%), Land (19%) und der Stadtgemeinde Lienz (14,5%) getragen werden. Auf die Gemeinde Gaimberg entfallen 6,5%. „Der Finanzierungsschlüssel wurde bereits im März mit allen Projektbeteiligten festgelegt“, informierte dazu die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik. Für das Mittellauf-Projekt wird die Stadtgemeinde rund € 250.000 bereitstellen. Die Mandatarinnen und Mandatare des Lienzer Gemeinderates segneten den Beschluss einstimmig ab.
Text: J. Hilgartner, Fotos: © Wildbach- und Lawinenverbauung GBL Osttirol, Osttirol heute