30-Jahr-Jubiläum: „Schindel und Holz“ in Lienz öffnete seine Türen

Bei einer Podiumsdiskussion erörterten FachexpertInnen, was der erste vom zweiten Arbeitsmarkt lernen kann und wie ein attraktiver Arbeitsplatz aussieht.

Zum 30-jährigen Jubiläum ließ das Osttiroler Vorzeigeunternehmen „Schindel und Holz“ hinter die Kulissen blicken. „Offenheit und Flexibilität, jedem einzelnen Menschen gegenüber, das ist es, was uns ausmacht“, betonte René Ladstätter, Geschäftsführer des sozialökonomischen Betriebes bei einer Podiumsdiskussion am Freitag, 23. September. Das Unternehmen lud FachexpertInnen zum Gespräch ein. Im Mittelpunkt stand das Thema „Chancen und Herausforderungen am Arbeitsmarkt: Was macht attraktive Arbeitsplätze aus? Was kann der erste vom zweiten Arbeitsmarkt lernen?“

 

René Ladstätter (Geschäftsführer Schindel und Holz) überreichte ein Präsent an Uwe Ladstädter (Obmann Verein OSPA).

 

„Wir haben zwölf Monate Zeit, in denen wir eine Transitarbeitskraft unter Berücksichtigung der persönlichen Umstände an den ersten Arbeitsmarkt heranführen können. Hier sind Offenheit und Flexibilität gefragt“, erklärte Ladstätter. Georg Persterer, ein ehemaliger Mitarbeiter, erzählte persönlich von seiner beruflichen Laufbahn, die von großen Schwierigkeiten begleitet war. Mit Hilfe von Schindel und Holz gelang es ihm, die Tischler-Lehre abzuschließen und einen Arbeitsplatz zu finden.

 

v.l.n.r.: Sabine Platzer-Werlberger, (stv. Leiterin AMS Tirol), Melanie Spangler (Geschäftsführerin arbeit plus tirol), Georg Persterer

 

„Der erste Arbeitsmarkt orientiert sich an den Gesetzen einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Ein soziales Miteinander ist ein untergeordnetes Ziel. Aber die Arbeitgeber müssen attraktiv bleiben und dazu gehört auch eine soziale Komponente“, erklärte Melanie Spangler, Geschäftsführerin von arbeit plus Tirol.

Die aktuelle Situation am Arbeitsplatz und ihre Chancen erläuterte Sabine Platzer-Werlberger, stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS Tirol: „Es gibt überall einen großen Bedarf an Arbeitskräften, besonders im Pflegebereich und bei der Kinderbetreuung. Außerdem ist eine Dynamik im Arbeitsleben erkennbar, von kurzzeitig angestellt bis hin zu immer wieder arbeitslos. In Osttirol zeigt sich eine hohe Teilzeitquote an Beschäftigungen.“

 

 

Was ist ein attraktiver Arbeitsplatz?

Ein attraktiver Arbeitsplatz gestaltet sich für Platzer-Werlberger vielseitig: „Da geht es um die individuelle Entwicklung von ArbeitnehmerInnen, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, um langfristig angelegte Arbeitsplätze, die nötige Sensibilität und gute Rahmenbedingungen für den beruflichen Weg. Natürlich sind auch die faire und leistungsgerechte Entlohnung sowie Arbeitszeitmodelle wichtige Punkte.“

 

René Ladstätter im Gespräch mit Michael Schneeberger (Geschäftsführer EBS Smart Solutions)

 

Um seinen Mitarbeitern einen attraktiven Arbeitsplatz zu bieten, wendet Michael Schneeberger, Geschäftsführer von EBS Smart Solutions, einiges auf: „2019 haben wir das Büro umgebaut. Aus eher sterilen Räumlichkeiten ist eine richtige Wohlfühloase geworden. Partizipation und Transparenz werden bei EBS großgeschrieben. So dürfen die MitarbeiterInnen selbst ihr technisches Equipment wählen. Wir achten auf sinnstiftende Projekte, die die MitarbeiterInnen motivieren und beteiligen sie am Unternehmenserfolg.“

René Ladstätter blickt positiv in die Zukunft: „Es freut mich, dass auch bei den Endkunden spürbar ist, wie sie ihr Geld investieren möchten, dass es ihnen um Regionalität und Nachhaltigkeit geht. Diesen Weg wollen wir noch viele weitere Jahre gemeinsam gehen.“

 

 

Tag der offenen Tür

Zahlreiche BesucherInnen nutzten am Nachmittag die Gelegenheit, um den sozialökonomischen Betrieb zu erkunden. So wurden im Schauraum Produkte aus Holz ausgestellt, in der Tischlerei konnte man den Mitarbeitern über die Schulter schauen und im Gebrauchtmarkt alte Schätze neu entdecken. Eine Kinderwerkstatt lud zum Mitmachen ein.

 

Text: Redaktion, Fotos: Schindel und Holz/Brunner Images

27. September 2022 um