Zwei Betriebe, ein Konzept: Zu Besuch bei Familie Selina und Markus Stocker in Assling
Die Landwirtschaftskammer Tirol informiert jedes Jahr über die aktuelle Land- und Forstwirtschaft in den Bezirken. Am 17.7. besuchten LK-Vertreter aus Land und Bezirk den Bauernhof „Maliker“ in Assling.
Der Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol (LK Tirol), Josef Hechenberger, blickte auf „30 Jahre EU-Mitgliedschaft Österreichs“ zurück und nahm eine erste Einordnung des gerade präsentierten Vorschlags der Europäischen Kommission für den mehrjährigen Finanzrahmen vor.
Osttirols Bezirksbäuerin Karin Huber erzählte von der Partnerschaft der Bäuerinnen im Bezirk Lienz mit dem Projekt „Building bridges“, das vom Regionsmanagement Osttirol getragen wird: „Das Mentoring-Projekt zielt darauf ab, sich länderübergreifend zu vernetzen und voneinander zu lernen, dazu werden verschiedene Seminare angeboten. Mentorinnen zu verschiedenen Themen stehen dabei als kompetente Ansprechpartnerinnen zur Verfügung. Osttirol bildet gemeinsam mit Südtirol und Belluno die Projektregion. Wir sind gerne bei solchen Initiativen dabei, denn ich bin davon überzeugt, dass alle Initiativen zur Stärkung der Rechte von Frauen wichtig sind.“ Die Tiroler Bäuerinnen haben es sich seit vielen Jahren zur Aufgabe gemacht, die Rolle der Frauen auf den Höfen zu stärken, sie über ihre Rechte zu informieren und auch das Bewusstsein für partnerschaftliche Betriebsführung auszubauen.
Bezirksobmann Konrad Kreuzer gab einen Überblick über die aktuelle Anbausaison und lieferte einige Zahlen zur Landwirtschaft im Bezirk Lienz: „Aktuell sind wir witterungstechnisch sehr zufrieden. Wir hatten genug Niederschlag und bis dato keine größeren Schadereignisse. Daher sind momentan die Ertragserwartungen gut. Auch die Absatzkanäle laufen zufriedenstellend. Wir haben 1.509 Betriebe im Bezirk, davon sind 285 Biobetriebe. Bewirtschaftet werden 36.891 Hektar, inklusive Almen. Davon sind 11. 000 Hektar Grünland, 1.284 Hektar Acker sowie 24 Hektar Obstbau. Wir haben rund 21.526 Rinder, 1.300 Schweine, 22.400 Stück Geflügel, 790 Pferde, Ponys und Esel, 22.000 Schafe und 3.100 Ziegen.“ Bei aller Vielfalt ist vor allem die Schafhaltung für den Bezirk wichtig. Für deren Erhalt brauche es weitere Signale in Sachen Großraubtiere, wie BO Kreuzer ergänzte: „Unsere Almwirtschaft ist unverzichtbar – nicht nur für die Landwirtschaft, auch für den Tourismus. Daher braucht es weitere Maßnahmen, um langfristig eine ganzjährige Bejagung von Wölfen zu erreichen.“
Im Rahmen der Bezirksrunde wurde der Betrieb „Maliker“ in Assling besucht. Selina und Markus Stocker leben dort mit ihren drei Kindern Ida, Franz und Veit. 2022 hat Selina den Hof übernommen, 2023 wurde der Hof erschlossen und der Stall neu gebaut. Aktuell werden 16 Kühe plus Nachzucht gehalten, die Milch wird an die Berglandmilch geliefert. In einem Betriebsverbund mit dem Hof von Ehemann Markus, wo 60 Mutterschafe gehalten und die Lämmer über die RGO vermarktet werden, bewirtschaftet Familie Stocker 16 Hektar Grünland, 1 Hektar Silomais und 30 Hektar Wald. Zusätzlich beweiden die Schafe 12 Hektar Hutweide auf einer gepachteten Alm. Neben der Viehhaltung betreibt Markus Stocker mit seinem Schwager Michael Marx ein Dienstleistungsunternehmen. Neben Holzschlägerungs- und Bringungsarbeiten bieten sie beispielsweise Schneeräumung an. Außerdem ist Markus Stocker Obmann der Agrargemeinschaft sowie des E-Werkes Assling.
Damit alle Rädchen ineinandergreifen, war vor allem die Erschließung ein Meilenstein, wie Markus Stocker schilderte: „Die zwei Betriebe gehen Hand in Hand. Wir haben viele Steilflächen, die einmal von den Schafen abgeweidet und einmal gemäht werden. Die ebeneren Flächen sind mehrschnittig. Diese abgestufte Grünlandwirtschaft macht Sinn und geht eben nur im Betriebsverbund. Damit das aber möglich ist, war die Hoferschließung ein unverzichtbarer Meilenstein. Beispielsweise musste die Milch vorher an eine Sammelstelle gebracht werden, jetzt wird sie direkt am Hof geholt. Da bedanken wir uns auch nochmals bei allen Zuständigen der Gemeinde Assling und der Agrar Lienz sowie allen Baufirmen für die gute Zusammenarbeit!“
Text: Redaktion, Foto: © LK Tirol