220-kV-Leitung: „Osttirol Natur” und TVBO kämpfen gegen geplante Trassenführung
Gemeinsam mit zwei Fachgutachtern und ihrer Rechtsvertretung erläuterten Franz Theurl, Obmann des Tourismusverbandes Osttirol, und Renate Hölzl, Obfrau des Vereins „Osttirol Natur“, ihre Bedenken gegen das APG-Projekt.
Die Austrian Power Grid (APG) plant die Erneuerung der rund 70 Jahre alten 220-kV-Leitung vom Umspannwerk Lienz bis zur italienischen Grenze. Das Projekt mit dem Namen „Südverbindung Lienz“ umfasst eine neue Trassenführung – insbesondere im Lienzer Talboden und in Obertilliach –, den Abbau von 119 alten Masten und die Errichtung von 121 neuen, deutlich höheren Masten. Die Leitung soll weiterhin als Freileitung geführt werden.
Das Land Tirol hat Mitte Feber 2026 einen positiven Bescheid erlassen. Damit ist das Projekt behördlich genehmigt – zumindest in dieser Phase. Gegen den Bescheid können Gemeinden und Verbände Beschwerde einlegen – und das passiert gerade. Der Tourismusverband Osttirol, der Verein Osttirol Natur und einige Grundbesitzer führen mit fachlichen Stellungnahmen sowie einer rechtlichen Vertretung Beschwerde.
Bei einem Pressetermin am 20. April erläuterten Tourismusverbands-Obmann Franz Theurl, Renate Hölzl, Obfrau des Vereins „Osttirol Natur“, Grundbesitzerin Brigitte Amort, die Lienzer Bürgermeisterin DI Elisabeth Blanik und der Obertilliacher Bürgermeister Ing. Matthias Scherer ihrer Bedenken gegen das Projekt. Die Fachgutachter DI Gerald Altenweisl und DI Robert Unglaub sowie der Rechtsvertreter Mag. Wolfram Schachinger erläuterten die technischen und rechtlichen Aspekte des Einspruchs.
Visualisierung der geplanten Trassenführung im Lienzer Talboden
Im Zentrum der Kritik steht die geplante Trassenführung entlang des Seehügelkamms bei Lienz sowie der Abschnitt in Obertilliach, der sich – so Franz Theurl und Matthias Scherer – „zur Gänze im direkten Blickfeld des Tourismusortes“ befindet. Die Fachgutachter präsentierten bei der Pressekonferenz mehrere Visualisierungen, die zeigen sollen, wie stark die neuen, bis zu 65 Meter hohen Masten das Landschaftsbild prägen würden. Besonders im Lienzer Talboden und im Raum Obertilliach befürchten die Gegner des Projekts eine nachhaltige Beeinträchtigung des Landschaftsbildes sowie der sensiblen Natur- und Erholungsräume.
„Uns wurde zwar die Parteienstellung entzogen, weil wir keine Grundbesitzer sind. Wir unterstützen aber mit aller Kraft den Widerstand gegen das Projekt und greifen den Beschwerdeführern finanziell unter die Arme. Wir betreiben den Talrundwanderweg und verschiedene Themenwege in diesem Bereich im Lienzer Talboden. Das Naturdenkmal Alter See und mehrere unserer baulichen Anlagen befinden sich hier. Deswegen sind wir sehr wohl berechtigt, uns als Tourismusverband einzubringen“, so Franz Theurl.

Ein zentraler Punkt der Kritik betrifft, dass es sich um eine Freileitung und keine Erdverkabelung handelt. Laut Gutachter Gerald Altenweisl wäre es technisch möglich, von den insgesamt 33,5 Kilometern Leitung rund 10,7 Kilometer unterirdisch zu führen. „In Lienz haben wir einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss vorliegen, der die Erdverkabelung unterstützt“, informierte die Lienzer Bgm. Elisabeth Blanik. Ihr Obertilliacher Amtskollege Matthias Scherer erklärte: „Unser Dorf lebt hauptsächlich vom Tourismus. Die Verlegung der Freileitung vom Tal auf die Anhöhe und die über 50 Meter hohen Masten würden das Landschaftsbild extrem beeinträchtigen.“
„Wir haben als Verein Osttirol Natur am 27. März 2026 Beschwerde gegen den Bescheid der Tiroler Landesregierung eingebracht und sind sehr froh, dass wir vom Tourismusverband unterstützt werden. Durch die derzeit geplante Trassenführung würden lebenswichtige Ressourcen für das Wohlbefinden und den Wohlstand in unserer Region zerstört werden. Außerdem handelt es sich nicht um eine Versorgungsleitung für Osttirol, sondern um eine Exportleitung. Unsere Fachgutachten haben konkrete Vorschläge für eine teilweise Erdverkabelung ausgearbeitet. Für diese werden wir uns mit aller Kraft einsetzen“, so die Obfrau.
Auch Grundbesitzerin Brigitte Amort aus Tristach kämpft seit 2022 mit Stellungnahmen und Beschwerden gegen die geplante Trassenführung. „Wenn die Freileitung wie geplant umgesetzt wird, müssten allein bei uns rund 20 Hektar Wald gerodet werden. Auch das Quellgebiet der Tristacher Bauern würde beeinträchtigt werden. Wir kämpfen mit allen Mitteln gegen diese Trassenführung in Form einer Freileitung. Bei fairer Entschädigung wären wir mit einer Erdverkabelung einverstanden.
Text: Raimund Mühlburger, Visualisierungen: TVB Osttirol


