Vom Regentropfen bis zur Quellschüttung, vom Flußpegel bis zum Grundwasserstand

Aus Anlass der Jubiläumsfeier zum 125-jährigen Bestehen des Hydrographischen Dienstes in Tirol wurden auch ehrenamtliche Beobachter für ihre Tätigkeit ausgezeichnet.

Vor 125 Jahren wurde der Hydrographische Dienst in Österreich gegründet. Seit dieser Zeit wird auch in Tirol der Wasserkreislauf systematisch vom Regentropfen über die Quellschüttung und vom Flusspegel bis zum Grundwasserstand erfasst. Heute verfügt der Hydrographische Dienst zur Erfassung des Wasserkreislaufes allein in Tirol über Messdaten von rund 1.000 Messeinrichtungen. Diese Daten und Messreihen bilden die Grundlagen für Hochwasserprognosen und Hochwasserwarnungen, die Planung von Schutzmaßnahmen, die Sicherung der Trinkwasserversorgung und vieles mehr. Für das gesamte Einzugsgebiet der Tiroler Hauptflüsse Inn, Lech, Großache und Drau gibt es Modelle zur Hochwasserprognose. Auf Basis detaillierter Daten und mit Hilfe von physikalischen Gleichungen ermöglichen die Modelle Aussagen über die Entwicklung der Pegelstände. Besteht Gefahr, wird vom Hydrographischen Dienst eine Hochwasserwarnung herausgegeben. Wie exakt etwa die auf den Messdaten basierenden Hochwasserprognosen oder auch die daraus abgeleiteten Gefahrenzonenpläne sind, hat sich zuletzt im Herbst des vergangenen Jahres beim Hochwasser in Osttirol an der Drau gezeigt.

Ob Flüsse, Seen, Quellen, Grundwasser oder Gletscher – der Hydrographische Dienst streckt seine Fühler überall dort aus, wo es Wasser gibt. „Ein Großteil der Messstellen läuft vollautomatisch, der Mensch ist aber trotzdem unverzichtbar“, weiß Klaus Niedertscheider, Leiter des Hydrographischen Dienstes beim Land Tirol. Die 18 MitarbeiterInnen der Hydrographie und Hydrologie werden in ihrer Arbeit von 171 Freiwilligen im ganzen Land unterstützt. Diese ehrenamtlichen BeobachterInnen betreuen das Messnetz des Hydrographischen Dienstes vor Ort, führen täglich Messungen durch und tragen wesentlich zur Datenqualität bei.

Die Beobachtertätigkeit wird in vielen Fällen von Generation zu Generation innerhalb der Familien weitergegeben. 60 der 171 BeobachterInnen und Beobachterfamilien üben ihre Aufgaben zur Erfassung des Wasserkreislaufes bereits seit mehr als 25 Jahren aus. Sie messen zwei bis drei Mal pro Tag die Lufttemperatur und den Niederschlag, kontrollieren die Datenaufzeichnung bei den Pegelstellen und schauen bei den Messstellen nach dem Rechten. Bereits seit dem Jahr 1900 misst die Osttiroler Familie Niederegger in Sillian mit kurzen Unterbrechungen Tag für Tag Niederschlag und Lufttemperatur. Annemarie und Norbert Niederegger sind seit 55 Jahren ehrenamtlich tätig.

Ihnen und allen anderen BeobachterInnen sprach der für Wasserwirtschaft zuständige LH-Stv. Josef Geisler im Namen des Landes Tirol im Rahmen der Jubiläumsfeier des Hydrographischen Dienstes im Innsbrucker Landhaus höchsten Dank und Anerkennung aus. „Das Jubiläum ist Anlass, die Bedeutung und die Leistungen des Hydrographischen Dienstes zu würdigen, es ist aber auch Anlass, diejenigen vor den Vorhang zu holen, die tagtäglich bei Wind und Wetter draußen an den Messstellen für eine lückenlose und gesicherte Datengrundlage sorgen. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherheit und Entwicklung unseres Landes.“

 

Text: Redaktion, Foto: Land Tirol/Die Fotografen

01. Mai 2019 um