Osttiroler Downhiller Jamie Schmölzer rast mit Highspeed in die Elite
Mit Top-Ten-Platzierungen im European Downhill Cup und dem Gesamtsieg im Auner Cup 2024 hat sich der Lienzer in der Downhill-Szene bereits fest etabliert. Heuer gab er sein Debüt im UCI Downhill Weltcup für das österr. Nationalteam.
Jamie Schmölzer startete seine sportliche Laufbahn als Fußballtalent im LAZ. 2020 erlebte er im Bikepark am Hochstein in Lienz jedoch seinen persönlichen Wendepunkt: „Ich habe mit dem Mountainbiken begonnen. Besonders die steilen Abfahrten verschafften mir jenen Adrenalinkick, der mich seither nicht mehr loslässt“, erzählt der 18-Jährige. In diesem Jahr schloss er seine Lehre als Hochbauer ab.
Zunächst war Jamie bei den „Trail Monkeys” aktiv, 2023 wechselte er zum heimischen Verein „Ride Free Osttirol”. Seine Rennkarriere startete der Lienzer 2021 im Auner Cup. „Mit Diego Zraunig habe ich meine ersten Wettkämpfe bestritten. Er ist nach wie vor einer meiner besten und wertvollsten Kollegen.“

Doch der Einstieg verlief schmerzhaft. „Beim ersten Auner-Cup-Rennen in Königsberg bin ich mit voller Wucht gegen einen Baum gefahren.“ Nur wenige Wochen später, beim Training in Lošinj, stürzte er so unglücklich, dass er sich einen Nierenriss zuzog. „Die anschließende Therapie war langwierig, doch nach einiger Zeit konnte ich mich wieder vollständig erholen.“ 2023 stürzte Jamie in Leogang erneut schwer und zog sich einen Schlüsselbeinbruch und eine schwere Gehirnerschütterung zu. Von all diesen Rückschlägen ließ sich der junge Draufgänger nicht entmutigen, durchlief die Therapien mit ungebrochenem Willen und kehrte jedes Mal stärker zurück.
Seit 2022 startet Jamie im European Downhill Cup – bei seinem Debüt in Lošinj fuhr er auf Platz 8. Im IXS Downhill Cup holte er einen Sieg in Willingen und zuletzt zwei Mal in seiner Heimatstadt. Beim Ride Free Downhill Bike Race in Lienz gewann er 2024 und wiederholte Anfang August 2025 seinen Triumph mit einer Zeit von 3:37.137 in der Kategorie Pro U19 Male. In der Elite-Wertung belegte er sensationell Rang 3.

Im Vorjahr holte er den Gesamtsieg im Auner Cup. In Leogang schnupperte er als Mitglied des österreichischen Nationalteams in diesem Jahr erstmals Weltcup-Luft – zwei Stürze in der Qualifikation waren bitter, aber lehrreich. Papa Thomas und Mama Bernie unterstützen ihren sportbegeisterten Sohn, wo sie nur können. Thomas kümmert sich um jedes Detail am Bike. „Ich weiß, wie wichtig ein reibungsloses Setup für Jamie ist. Das Technische habe ich mir selbst angeeignet – unterstützt werde ich dabei nach wie vor in ausgezeichneter Weise von Markus Brunner von DolomiteBike“, erklärt er. Thomas chauffiert Jamie auch zu den Rennen und produziert YouTube-Clips.

Bernie macht das erfolgreiche Schmölzer-Team komplett. „Mama ist für das Organisatorische zuständig, für die Verpflegung und für die Massage“, schmunzelt Jamie. „Ich fahre oft auch mit, und wir genießen gemeinsam nicht nur das Rennen, sondern auch das lebhafte Treiben im Fahrerlager, das bunte Rundherum und die unvergleichliche Atmosphäre“, erzählt Bernie. „Jamie ist im Kopf sehr stark“, sagt Papa Thomas. „Selbst kurz vor dem Rennstart bleibt er ruhig und fokussiert.“
Jedes Rennen ist für Jamie ein Rausch aus Adrenalin und Emotionen: „Dieser Kick, wenn die Geschwindigkeit dich packt und du nur noch deine Linie siehst – das macht die Faszination des Downhillens für mich aus.“ Durch seine Arbeit als Hochbauer auf den Baustellen spart sich der 18-Jährige das klassische Krafttraining. Auf dem Surfboard trainiert er täglich sein Gleichgewicht.

Nach Feierabend ist er zwar oft mit dem Enduro-Bike unterwegs, doch in letzter Zeit trainiert er immer häufiger mit dem E-Bike. „Durch die Arbeit auf der Baustelle muss ich meine Kräfte gut einteilen. Deshalb fahre ich am Abend gerne mit dem E-Bike – zum Beispiel auf das Zettersfeld, zur Hochsteinhütte, auf den Iselsberg oder zur Winklerner Hütte.“ Um vor den Rennen seinen Körper optimal vorzubereiten, setzt er auch auf Mobilitätsübungen für die Gelenke und eine kurze Einheit auf der Rolle.

Auf dem Weg zum Start nimmt er sich Zeit für sein Ritual: „Ich höre Musik, um den Kopf freizubekommen und in meinen Flow zu finden.“ Und nach dem Rennen gehört die Bühne der Community: „Die Riders-Party in Lienz war der Hammer – ich liebe den Austausch mit den Kollegen und den Fans.“ Langfristig möchte Jamie vom Sport leben und sein Wissen an den Nachwuchs weitergeben. „Ich liebe den Adrenalinkick beim Downhillen: Die Trails hinunterzupeitschen, bedeutet für mich pure Freiheit, meine Grenzen zu sprengen und immer wieder neue spektakuläre Lines zu bezwingen.“
Mit dieser Leidenschaft für den Downhill-Sport arbeitet der sportliche Lienzer unermüdlich daran, sich als Athlet weiterzuentwickeln, bei jedem Rennen sein Potenzial voll auszuschöpfen und seine stetig wachsende Fangemeinde zu begeistern.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger


