Matrei in Osttirol/Heiligenblut: Von der Faszination „Eisklettern”

Der „Eispark Osttirol” im Tauerntal ist der größte künstliche Eisklettergarten Österreichs. Ein würdiges Pendant findet man auf der Kärntner Seite des Großglockners – in Heiligenblut.

Wir unterhielten uns mit den Berg- und Skiführern Martin Glantschnig und Christopher Perchtold aus Heiligenblut sowie Vittorio Messini und Matthias Wurzer aus Kals am Großglockner über die immer beliebter werdende Sportart. „Das Klettern an Eisformationen, wie z.B. gefrorenen Wasserfällen, ist als eigene Sportart in den 1970er-Jahren in Nordamerika entstanden. Bei uns in den Alpen hat sich das Eisklettern daraus entwickelt, dass man beim Nordwand-Klettern immer wieder auf vereiste Passagen gestoßen ist. Die Alpinisten haben erkannt, dass Wasserfälle im Winter eine gute Trainingsmöglichkeit bieten“, erzählt Vittorio Messini. Der Kalser Berg- und Skiführer ist Obmann der „Freunde des Eispark Osttirol“, sein Stellvertreter ist Matthias Wurzer.

 

 

„Im Feber 2016 wurde nahe des Matreier Tauernhauses der größte künstliche Eispark Österreichs eröffnet. Seit vier Jahren betreut unser Verein den Eisklettergarten. Wir veranstalten alljährlich im Jänner ein Eiskletterfestival mit Workshops und Wettbewerben. Es soll auch Menschen anziehen, die das Eisklettern einmal ausprobieren und Material testen wollen“, erzählen die beiden. Der Eispark Osttirol wird künstlich bewässert und umfasst über 80 Routen. „Eisklettern ist wesentlich komplexer als Felsklettern, man muss die Qualität des Eises immer wieder neu beurteilen. Einflussfaktoren sind die Temperatur, die Sonneneinstrahlung und die Struktur des Eisfalls. Wichtig ist, immer auch die Lawinensituation und den Faktor Mensch im Auge zu behalten“, betont Vittorio.

 

Osttiroler Berg- und Skiführer haben die Eiskletterschule „Iceguides” gegründet.

 

Die erforderliche Ausrüstung besteht aus Helm, Steigeisen, Eispickel und Eisschrauben. „Die Eisschrauben sind unser einziges Sicherungsmittel im Eis. Ein Fallen in das Seil sollte unbedingt vermieden werden, da man sich an Steigeisen, Pickel oder Eisschrauben schwer verletzen kann. Nicht zu vergessen sind die größeren Sturzhöhen, weil im Eis weniger Schrauben gesetzt werden können.“ Im Iseltal haben sich Bergführer und Mitglieder der „Freunde des Eispark Osttirol“ entschlossen, eine Eiskletterschule zu gründen – die „Iceguides“. „Wir sind auf Eiskletterkurse und -führungen spezialisiert, bieten Guided Trips in unseren heimischen Nordwänden und seit Kurzem auch Kletterkurse und Kletterführungen in den Alpen und weltweit an“, informiert Vittorio Messini dazu.

 

Im Heiligenbluter Ortsteil Winkl befindet sich ein Eisklettergarten, den die Bergführer Heiligenblut betreuen.

 

Der Eisklettergarten im Heiligenbluter Ortsteil Winkl wurde vor rund 25 Jahren installiert. Seit dem Vorjahr warten und betreuen die Bergführer Heiligenblut die Sportstätte. „Unser Eisklettergarten ist nicht frei zugänglich. Er wird vor allem von Bergführern, Bergrettern sowie Alpenvereins-Mitgliedern für Trainingszwecke genutzt. Zwischen Jänner und März bieten wir am Freitagabend immer Kurse bei Flutlicht an“, informiert Martin Glantschnig. Wie Christopher Perchtold ist er Berg- und Skiführer sowie begeisterter Eiskletterer.

 

 

„Das Eisklettern ist so faszinierend, weil man sich immer wieder auf Neues einlassen muss. Die Grundform eines Eisfalles bleibt zwar gleich, das Eis wächst aber jedes Jahr anders“, sagt Christopher. „Eisklettern ist jedes Mal wie eine Erstbesteigung. Auch wenn man einen Eisfall dreißig Mal klettert, er wird immer wieder anders sein“, wirft Martin ein. Auch die beiden Heiligenbluter Bergführer betonen die Unterschiede zwischen dem Klettern in Fels und Eis, auch sie streichen heraus, dass Stürze beim Eisklettern unbedingt vermieden werden müssen. „Das verursacht natürlich einen gewissen Stress, aber wenn man es geschafft hat, ist das Glücksgefühl umso schöner“, meint Martin. Er schwärmt wie Christopher von den wunderschönen Wasserfällen im Mölltal und in Osttirol. „Unsere Region ist mit ihren vielen Eisfällen ein Paradies für Eiskletterer. Im Winter allein oder mit einem Kletterpartner in der freien Natur zu klettern, gehört für mich zu den schönsten Erlebnissen.“

 

Christopher Perchtold beim Mixed-Klettern in der Zirknitzgrotte

 

Die beiden Mölltaler verweisen auch auf die gute Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Hohe Tauern und mit der Jägerschaft: „Wir bewegen uns in einer sensiblen Naturlandschaft. Die Rücksicht auf die Natur und auf die Wildtiere im Speziellen ist uns besonders wichtig. Deswegen haben wir bei uns im Mölltal No-go-Zonen festgelegt, in denen Wasserfälle nicht bestiegen werden sollten.“

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Peter Märkl, Ramona Waldner, BergimBild

07. März 2022 um