Hans Mayer sucht das „Paradies“ im Wildwasser
Für Hans Mayer ist Osttirol ein Eldorado des Wildwassersports. Im heurigen März hat er in Matrei die Firma Spade Kayaks gegründet, die Boote für Paddler mit Anspruch herstellt.
Mehr als 100 Tage im Jahr sitzt Hans Mayer im Boot. Er gilt europaweit als Vorreiter der Kajak-Branche und Idol des sportlichen Nachwuchses. Charismatisch, innovativ und vor allem mit viel Motivation und Spaß geht er an seine Projekte heran. Seine Eltern stammen aus Bayern, geboren ist er in England und aufgewachsen in den USA. In Oberbayern gründete er mit La Ola den größten Einzel- und Großhandel Europas für Kajaks und Zubehör, in führender Position war er auch für die amerikanische Firma Aqua Lung tätig. 1990 organisierte der heute 57-Jährige das erste Freestyle Event Europas – das legendäre Lofer Rodeo – und ab 1997 das Rosenheimer Kajak-Filmfestival.

Vor 20 Jahren hat es Hans Mayer nach Osttirol verschlagen. In Matrei gründete er im heurigen März die Firma Spade Kayaks. „Zusammen mit Partnern habe ich ein Boot konzipiert, das sich durch besondere Stabilität auszeichnet. Gefertigt aus dem Material HD-PE, haben wir großen Wert auf die Ergonomie gelegt. Die Paddler werden an unserem Produkt 20 Jahre und länger viel Freude haben“, erklärt er die Vorzüge des Kajaks. Entwicklung, Vertrieb und Marketing gehen vom Firmensitz in Matrei aus, produziert wird in Deutschland. Hans Mayer spricht von einer tollen ersten Resonanz auf die Neuentwicklung, begeisterte Stimmen kommen aus ganz Europa, aus den USA, aus Kanada und Neuseeland. „Schon mein 1. La Ola-Shop in Raubling war Treffpunkt für Wildwasserfahrer aus der ganzen Welt. Damals haben wir den Sport revolutioniert. Mit unserem neuen Boot wollen wir nun wieder punkten. Aktuell ist ein Großteil der Kajaks über 25 kg schwer, Innovationen zielen meist nur mehr auf Marketing- und Renditeziele ab.“

Als etwas durch und durch Dynamisches bezeichnet er den Wildwassersport, als ein „Wildwasserparadies“ den Bezirk Lienz. An Isel und Drau oder auch im hinteren Defereggen- oder Tauerntal gibt es, wie Mayer ergänzt, naturbelassene Gebiete, die der Wildnis Kanadas ähneln. „Wenn man als Kajakfahrer unterwegs ist, entdeckt man immer wieder viele unberührte und oft unbekannte Plätze. Man wird sensibilisiert für die Schönheiten der Natur. Unser Sport ist rasant und abwechslungsreich. Man kann die Kraft und die Energie der Elemente spüren, und trotzdem geht alles sehr ruhig vor sich. Mit nur wenigen Paddelschlägen gelingt es, das Boot unter Kontrolle zu halten“, schwärmt der 57-Jährige von seiner Leidenschaft.
„Wenn man im Iseltal Richtung Lienz paddelt, hat man die Sonne im Gesicht und die Dolomiten vor sich – ein unglaublich schönes Gefühl“, meint Hans Mayer, der in Osttirol die Kanuschule La Ola ins Leben rief. Innerhalb von zwei Tagen sind seine Schüler, wie er berichtet, bereit dafür, im einfachen Wildwasser zu paddeln. Ihn selbst zieht es immer wieder auch an die Soca in Slowenien, wo der Kajaksport zu einem wichtigen Tourismusfaktor avanciert ist. Osttirol besitze aber mehr Vorzüge, schließlich komme das Wasser vom Gletscher, und die Wassermenge sei auch in der Hauptferienzeit im Juli und August mehr als ausreichend. Ein Wildwasserparadies also, in dem sich Hans Mayer sehr wohl fühlt.
Mit Olli Grau hat er in der Firma Spade Kayaks einen Partner mit im Boot, der selbst Freestyle-Weltmeister war und dessen Lehrbücher im Bücherregal jedes Paddlers zu finden sind. „Mit den weiteren Teilhabern stehen mehrere Generationen von Paddlern mit zusammen mehr als 125 Jahren Erfahrung hinter unserer noch jungen Firma. Ohne Schnick-Schnack, aber mit durchdachten Details und höchstem technischen Anspruch arbeiten wir an unseren Zielen. Ob wir es geschafft haben, werden wir in ein paar Jahren wissen“, fügt der unverbesserliche Optimist hinzu und strahlt dabei das aus, was auch den Kajak-Sport, wie er ihn beschreibt, ausmacht – Dynamik, Kraft, Energie und trotzdem Ruhe und Harmonie!
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Hotzler


