Waldschäden in Tirol: Bund und Land stellen zusätzliche Mittel zur Verfügung

Bei einem Lokalaugenschein in Schwoich wurde bekannt gegeben, dass dem Bundesland Tirol aufgrund der enormen Waldschäden für die kommenden Jahre zusätzlich 19 Mio. Euro zur Verfügung stehen.

Binnen Minuten verursachten im vergangenen Juni zwei heftige Unwetter schwere Schäden in Tirols Wäldern. Betroffen sind rund 1.500 Hektar Waldfläche mit einem Schadholzabfall von ca. 120.000 Kubikmetern. Das entspricht rund 8.000 LKW-Ladungen. Besonders betroffen waren die Gemeinden Schwoich und Söll sowie Ende Juni Wildschönau/Auffach, Hopfgarten i.B./Kelchsau und Westendorf/Windau.

Am Montag, 5. August, machten sich der für Forstagenden zuständige Bundesminister Norbert Totschnig, Landeshauptmann Anton Mattle und Tirols Forstreferent LH-Stv. Josef Geisler in Schwoich gemeinsam mit Fachexperten und Behördenvertretern ein Bild vom Ausmaß der Schäden.

„Aufgrund der enormen Schäden stehen dem Bundesland Tirol für die kommenden Jahre zusätzlich 19 Millionen Euro zur Aufarbeitung der Waldschäden und die Aufforstung zur Verfügung“, gab der Minister bekannt. Die betroffenen Gebiete erhalten schon für das heurige Jahr rund fünf Millionen Euro mehr.

„Waldschäden müssen rasch aufgearbeitet und beseitigt werden, um die Schutzfunktion des Waldes zu garantieren. Ohne die Schutzbarriere Wald wären viele Ortschaften Tirols Naturgefahren wie Muren oder Lawinen ausgesetzt, zudem wollen wir unseren Wald als ‚Lunge‘ der Alpen sichern. Die im heurigen Jahr zur Verfügung stehenden Mittel, bisher rund 23 Millionen Euro, reichen für die Aufarbeitung nicht aus. Umso wichtiger ist die Zusage des Bundes, um unseren Lebens- und Schutzraum Wald wiederherzustellen und zu pflegen“, so LH Anton Mattle und LH-Stv. Josef Geisler. Heuer stehen insgesamt rund 28 Mio. Euro für die Aufarbeitung der Waldschäden zur Verfügung

EU-, Bundes- und Landesmittel für Tirols Wald

Die Mittelaufstockung umfasst drei Bereiche, die aus Mitteln der Europäischen Union, des Bundes und/oder des Landes gespeist werden: das Programm „Ländliche Entwicklung“, „Flächenwirtschaftliche Projekte“ und den Waldfonds, der österreichweit um 100 Millionen aufgestockt wurde. Davon fließen in den Jahren 2024 und 2025 um insgesamt 14 Millionen Euro mehr Mittel nach Tirol.

Vor allem die Aufforstung und der klimafitte Wald stehen im Fokus: Allein in Schwoich werden voraussichtlich 200.000 Forstpflanzen für die Wiederbewaldung benötigt. „Tirolweit brauchen wir in den kommenden beiden Jahren bis zu sechs Millionen Stück Forstpflanzen, um den Wald schrittweise aufzuforsten. Doch erst dann beginnt die eigentliche Arbeit: Die Pflanzen müssen gepflegt und geschützt werden, es dauert Jahre bis sie ihre volle Funktion wieder entfalten können“, informierte LH-Stv. Josef Geisler.

 

v.l.n.r.: Land- und Forstwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Landesforstdirektor Josef Fuchs, LH Anton Mattler und LH-Stv. Josef Geisler

 

Katastrophenfonds bei Hagelschäden im Wirtschaftswald

Das Land Tirol nahm unmittelbar nach dem vergangenen Sturm- bzw. Hagelereignis im Juni die Arbeit an einer Lösung für ungedeckte Hagelschäden im Wald in Angriff. Die Gespräche konnten erfolgreich abgeschlossen werden. „Damit können nun auch Hagelschäden im Wirtschaftswald finanziell aus dem Katastrophenfonds abgegolten werden. Welche Schäden Hagelunwetter auch im Wirtschaftswald verursachen können, sieht man gerade am Beispiel Schwoich. Daher freut es mich umso mehr, dass sich Betroffene nun Unterstützung über den Katastrophenfonds holen können“, so Geisler. Anträge können ab sofort bei der zuständigen Bezirksforstinspektion gestellt werden.

Osttirol besonders betroffen

Der Bezirk Lienz war in den vergangenen Jahren besonders von Waldschäden betroffen. Vor allem der Borkenkäfer macht dem Wald zu schaffen. Seit Beginn der Schadereignisse wurden in fünf Jahren 3,5 Millionen Kubikmeter Schadholz in Osttirol aufgearbeitet. Mit Stand Ende 2023 waren es inklusive des durch Borkenkäfer beschädigten Schadholzes rund fünf Millionen Kubikmeter.

Zur aktuellen Situation in Osttirol berichtet Landesforstdirektor Josef Fuchs: „Für die kommenden Jahre werden zusätzlich 1,5 Mio. Euro aus Rodungsabgaben bereitgestellt. Seitens des Landesforstdienstes wurden in Osttirol in den letzten fünf Jahren 23,2 Mio. Euro an Fördermitteln zur Schadholzaufarbeitung, Errichtung von Schutzmaßnahmen wie Steinschlagnetze bzw. Aufforstung ausbezahlt. Da nach derzeitigem Kenntnisstand von einem Waldverlust in einem Ausmaß von zumindest einem Drittel ausgegangen werden muss, ist die Aufforstung umso wichtiger. Dort benötigt es rund 1,5 Millionen Pflanzen pro Jahr – das kostet Geld und braucht die personellen Ressourcen. Durch die Bundes- und Landesmittel sind wir derzeit gut gerüstet, es liegt aber noch viel Arbeit vor uns.“  Allen voran sei auch die Pflege der Jungwuchsflächen dahingehend wichtig.

 

 

Text: Redaktion, Fotos: Land Tirol/Die Fotografen

06. August 2024 um