Innervillgraten geht neue Wege zur Belebung von Leerständen
Das Dorfladele am Kirchplatz, ein Handwerkerweg und die bessere touristische Nutzung von Almhütten sind unter anderem erste Ergebnisse der Interreg-Projekte.
Im Rahmen der Interreg V-A Italien Österreich 2014-2020 CLLD Dolomiti Live Projekte „LEED” und „NEWLEED” arbeitete die Gemeinde Innervillgraten gemeinsam mit den Gemeinden Prettau und Cibiana die Cadore am Umgang mit Leerstand und suchte nach Lösungen. „Zielsetzung des ersten Projektes war die Publikation einer Studie zum Thema Leerstand. In einer Auftaktveranstaltung wurde die Bevölkerung für das Thema sensibilisiert. Gemeinsam wurden Themen und Arbeitsgruppen definiert. Im Rahmen von NEWLEED wurden konkrete Projekte entwickelt. Wichtig war uns, eine positive Aufbruchstimmung und Bewusstsein für gemeinsame Weiterentwicklung zu schaffen”, so Bgm. Josef Lusser bei einer Medienvorstellung am Dienstag, 8. Feber, in Innervillgraten.
Bernhard Grüner von der Universität Innsbruck erstellte die Studie „Landwirtschaftlicher Leerstand und Möglichkeiten einer exogenen Wiederbelebung“. „Die Studie zeigte, dass in Innervillgraten 6,9 Prozent aller Wohnhäuser und 10,1 Prozent aller landwirtschaftlichen Gebäude leer stehen“, erklärte Raum- und Regionalplaner Thomas Kranebitter.
Anfang 2019 startete die Gemeinde den Prozess „Innervillgraten – Neue Wege für die Zukunft”. Unter Einbindung der Bevölkerung wurden authentische Projekte mit dem Schwerpunkt, die regionale Wertschöpfung zu steigern, entwickelt. Die Themen wurden anschließend in drei Workshops bearbeitet, nämlich „Bauernladen/Direktvermarktung”, „Almhütten und Wegenetz” sowie „Jugend und Veranstaltungen/Kultur”.

„Ein Ergebnis der Workshops ist das Dorfladele am Kirchplatz, das am 19. März 2021 eröffnet wurde. In dem ehemaligen Gemischtwarenladen werden regionale Lebensmittel und Produkte lokaler Handwerker in Selbstbedienung angeboten. Einmal in der Woche findet ein Bauernmarkt statt. Auch ein Handwerkerweg konnte umgesetzt werden. Der Dorfrundweg führt vorbei an alten Zäunen, Harpfen und den örtlichen Handwerksbetrieben und gibt Einblicke in das traditionelle Handwerk im Tal”, berichtete GR Christof Schett, Obmann des Dorferneuerungs- und Tourismus-Ausschusses.
In einem Workshop ging es auch darum, wie Almhütten wiederbelebt bzw. touristisch genutzt werden können. Dabei wurden rechtliche Grundlagen geklärt, und es wurde darüber diskutiert, wie Almwirtschaft und Tourismus parallel weiterentwickelt werden können.
„Es fanden mehrere Sitzungen mit der Tiroler Landesregierung und den zuständigen Behörden statt. Wir konnten sogar erreichen, dass am 7. Juli 2021 das Tiroler Raumordnungsgesetzt 2016 und die Tiroler Bauordnung 2018 geändert wurden. Dabei geht es um die touristische Nutzung von Almhütten”, erklärte Thomas Kranebitter. Nunmehr dürfen in Almgebäuden höchsten drei Ferienwohnungen/Wohnungen mit insgesamt höchstens zwölf Betten zur gewerblichen Beherbergung von Gästen geschaffen werden.
Bei der Präsentation besonders gelobt wurde auch das Projekt „Wegelate Säge”. Die aus dem Jahr 1883 stammende Säge am Eingang zum Ahrntal hat der Villgrater Heimatpflegeverein bereits in den 1990er-Jahren stilgetreu renoviert. Mit Eintrittshaus, Bauernhof, Lodenstampf, Mühle und Almhütte wurden weitere Objekte hinzugefügt, und so entstand ein Freiluftmuseum zu den Themen Baukultur und bäuerliche Arbeitskultur.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger