Land Tirol beschließt „Regionalen Strukturplan Gesundheit bis 2030“

Tagesklinische Angebote und Primärversorgungseinheiten sollen ausgebaut, Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Neurologie und Akutgeriatrie gestärkt werden. Osttirol ist eine eigenständige Versorgungsregion.

Die Grundlage für eine gut abgestimmte Gesundheitsversorgung sowie für alle weiteren Planungen und Entwicklungen ist der Regionale Strukturplan Gesundheit (RSG). Er wird alle fünf Jahre auf Basis des Österreichischen Strukturplans Gesundheit (ÖSG) erstellt – dieses Jahr erstmals als Gesamtplan für den stationären und ambulanten Bereich in Tirol.

Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele und Bernhard Achatz, Vorsitzender des Landesstellenausschusses der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) als Vertreter aller Sozialversicherungsträger in Tirol, präsentierten am Donnerstag, 13. November, gemeinsam mit Planungspartner Gerhard Fülöp, Abteilungsleiter Planung und Systementwicklung, Gesundheit Österreich GmbH, die Ergebnisse des RSG bis 2030.

„Der RSG 2030 bringt Gesundheitsversorgung dorthin, wo sie gebraucht wird. Besonders im ländlichen Raum schaffen wir damit wohnortnahe Angebote auf höchstem medizinischem Niveau“, betont die Landesrätin.

Bei der Planung wurden alle relevanten Systempartner – von den einzelnen Krankenanstalten bis hin zur Ärztekammer Tirol – aktiv eingebunden. Auch auf die demografischen Entwicklungen in den Regionen wurde Bezug genommen.

Besonders relevant für die Versorgungsplanung ist der tirolweit starke Anstieg der über 75-Jährigen um 16,8 Prozent mit entsprechend höherem Bedarf – beispielsweise in der Langzeit- und Palliativversorgung.

Gezielte Versorgung für ältere Menschen in Tirol

Vor allem im stationären Bereich setzt Tirol auf mehr tagesklinische und ambulante Betreuung, um bisher veranschlagte Bettenkapazitäten an den realen Bedarf anzupassen. Dabei werden Bereiche mit steigendem Bedarf (Neurologie, Psychiatrie, Akutgeriatrie, Palliativ und Psychiatrie) gezielt ausgebaut. In einigen anderen Fächern werden Kapazitäten entsprechend der Prognosen reduziert und an die tatsächliche Auslastung angenähert (Dermatologie, Augenheilkunde, Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde).

Psychische Gesundheit: Angebot von Home Treatment wird verdoppelt

„Wir stärken bewusst jene Hilfeformen, die dort ansetzen, wo junge Menschen ihren Alltag leben – in den Familien. Deshalb werden wir das erfolgreiche Home Treatment-Modell nicht nur fortführen, sondern verdoppeln das Angebot von derzeit fünf auf insgesamt zehn Plätze“, erklärte Cornelia Hagele.

Auch ein allgemeiner Ausbau im Bereich der Psychiatrie an den Standorten Kufstein, Lienz und Zams ist vorgesehen. Ein besonderer Fokus liegt zudem auf der Kinder- und Jugendpsychiatrie bzw. Psychosomatik, die neben zusätzlichen stationären und tagesambulanten Betreuungsplätzen am Standort Hall (+ 9 Plätze) auch dezentral gestärkt werden soll (+ 5 tagesambulante Plätze in Zams und + 8 stationäre Plätze in St. Johann).

 

 

30 neue Kassenstellen und 16 Primärversorgungseinheiten bis 2030

Österreich liegt international bei der Anzahl praktizierender Ärzt:innen pro 1.000 Einwohner:innen an zweiter Stelle. Dies bedeutet einerseits eine sehr hohe Ärztedichte und führt andererseits zu einem hohen Nachbesetzungsbedarf. Deshalb soll auch die extramurale Versorgung in Tirol deutlich ausgebaut werden, um dem steigenden Bedarf insbesondere im hausärztlichen Bereich gerecht zu werden.

„Bis 2030 werden wir in Tirol 30 zusätzliche Kassenstellen schaffen – mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Fachgebiete Allgemeinmedizin, Augenheilkunde, Gynäkologie, Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Kinder- und Jugendheilkunde. Damit reagieren wir gezielt auf jene Versorgungsbereiche, in denen der Bedarf besonders hoch ist“, betont LSA-Vorsitzender Bernhard Achatz.

Ein zentraler Schwerpunkt ist zudem der Ausbau der Primärversorgungseinheiten (PVE): Von derzeit zwei PVE-Standorten in Innsbruck und Fulpmes sollen bis 2030 insgesamt 16 PVEs in Tirol etabliert werden.

Vier Versorgungsregionen

Tirol ist in vier Versorgungsregionen organisiert, die jeweils unterschiedliche geografische und demografische Voraussetzungen mit sich bringen:

• Tirol-Zentralraum mit den bevölkerungsstärksten Bezirken Innsbruck-Stadt, Innsbruck-Land und Schwaz
• Tirol-West mit den Bezirken Reutte, Imst und Landeck
• Tirol-Nordost mit den Bezirken Kufstein und Kitzbühel
• Osttirol mit dem Bezirk Lienz als eigenständige Versorgungsregion

Die Gesundheitsversorgung ist in allen Regionen bereits sehr breit aufgestellt: Neun Landes- und Bezirkskrankenhäuser sowie vier private bettenführende Krankenanstalten in Innsbruck, Hochrum, Wörgl und Imst und die heereseigene Sonderkrankenanstalt sichern die stationäre Grund- und Akutversorgung.

Für die Nachversorgung und Langzeitpflege stehen ergänzend fünf Rehabilitationszentren, ein Therapiezentrum, 93 Alten- und Pflegeheime (darunter die Landespflegeklinik Hall) und 66 mobile Dienste bereit. Im niedergelassenen Bereich sorgen aktuell zwei Primärversorgungseinheiten in Innsbruck und Fulpmes, sechs ÖGK-eigene Ambulatorien sowie rund 1.900 niedergelassene Ärzt:innen mit und ohne Kassenvertrag für eine wohnortnahe Betreuung.

„Unsere Analysen zeigen, dass Tirol vor allem im spitalsambulanten Bereich, aber auch im niedergelassenen Bereich österreichweit eine überdurchschnittlich hohe Versorgungsdichte aufweist – sowohl bei den Ärztinnen und Ärzten als auch bei der Bettenanzahl. Selbst unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklungen sowie der bestehenden Gastpatientenströme baut der RSG auf einer starken Ausgangslage auf und es bedarf nur weniger, gezielter Maßnahmen dort, wo der Bedarf steigt“, erklärt Gerhard Fülöp von Gesundheit Österreich GmbH.

„Digital vor ambulant vor stationär“ – nach diesem Grundsatz setzt Tirol auch künftig auf verschiedene integrierte Versorgungsprogramme, um vor allem Spitalsambulanzen zu entlasten. Ein gutes Beispiel dafür ist das erfolgreiche Pilotprojekt „Tele-Dermatologie“: Im Jahr 2024 wurden insgesamt rund 1.300 Patient:nnen behandelt. Zudem koordiniert das Landesinstitut für Integrierte Versorgung (LIV) Tirol weitere zentrale Programme wie den Schlaganfallpfad Tirol, das CareManagement Tirol und HerzMobil Tirol.

 

Text: Redaktion, Foto: Land Tirol/Hörmann

13. November 2025 um