Kals a.Gr.: Lesachbach-Kraftwerk muss nach Hochwasser-Schäden saniert werden

Die Agrargemeinschaft Lesachalpe hat ein Sanierungsprojekt eingereicht. Der WWF kritisiert, dass die politische Weisung für den Bau des Kraftwerks nun ein teures Nachspiel hätte.

Im August 2018 wurde mit dem Bau des Kleinwasserkraftwerkes am Lesachbach in Kals begonnen. „Seit dem Vorjahr liefert die Anlage Energie für die umliegenden Almen. Der verbleibende Rest wird in das Netz eingespeist“, berichtet Anton Unterweger, Obmann der Agrargemeinschaft Lesachalpe. Ende August 2020 hat das Hochwasser Schäden im Bereich der Wasserfassung angerichtet. „Das Bachbett liegt nach dem Hochwasser an manchen Stellen nun bis zu drei Meter tiefer. Die Schäden betreffen vor allem die Rohrleitungsverbauung. Die Sicherungsarbeiten in diesem Bereich konnten wir bis dato noch nicht durchführen. Im vergangenen November waren die Arbeiten schon geplant. Dann machten uns die starken Schneefälle einen Strich durch die Rechnung. Die Arbeiten können nur im Herbst bei Niedrigwasser durchgeführt werden. Nun hat sich die Situation leider wieder geändert“, berichtet Unterweger.

Die Agrargemeinschaft hat beim Land vor Kurzem ein Sanierungsprojekt eingereicht. Die Maßnahmen sind bewilligungspflichtig, weil sie Naturschutzinteressen in einem größeren Ausmaß berühren als das ursprüngliche Kraftwerks-Projekt. Die Kosten schätzt der Agrargemeinschafts-Obmann auf 30.000 bis 50.000 Euro. „Wir hoffen, dass das Projekt genehmigt wird und dass wir die Sicherungsmaßnahmen dann bald durchführen können“, sagt Unterweger. Der Agrargemeinschaft Lesachalpe gehören aktuell 17 Mitglieder an. Die Engpassleistung des Wasserkraftwerkes beträgt 1.390 kW.

Der WWF kritisiert in einer Aussendung das Reparaturprojekt und die Genehmigung des Kraftwerkes im Allgemeinen. „Mehrere Anlagenteile sind derart stark beschädigt, dass die Betreiber vor Kurzem ein aufwändiges Reparaturprojekt einreichen mussten. Neben hohen Kosten drohen damit neue Belastungen für die Natur, z.B. durch längere technische Verbauungen an den Ufern und das Auffahren der Bagger am Bachbett. Im Umweltverfahren gab es viele Warnungen, dennoch hat die Landespolitik das Projekt durchgeboxt. Das rächt sich jetzt mit einem teuren Nachspiel und neuer Naturzerstörung“, so WWF-Gewässerschutz-Expertin Marianne Götsch.

Politisch verantwortlich ist für den WWF LH-Stv. Josef Geisler. „Er hat das Kraftwerk mit einer politischen Weisung genehmigt – trotz einer Warnung vor Hochwasser und drohenden Muren, trotz gutachterlich belegter ökologischer Verschlechterungen und trotz einer negativen Bewertung im Kriterienkatalog für Wasserkraftprojekte. Wir fordern eine rasche unabhängige Prüfung, inwiefern die Schäden durch Fehlplanungen entstanden sind“, so Götsch.

 

Text: Raimund Mühlburger, Foto: Marianne Götsch

11. November 2020 um