Hochwasserschutz: Abschluss an der Drau in Sillian und Startschuss am Villgratenbach
Das Projekt an der Drau in Sillian/Arnbach mit einer Investitionssumme von 11,6 Mio. Euro wurde abgeschlossen. Am Villgratenbach in Heinfels werden bis 2027 mehr als 14 Mio. Euro in den Hochwasserschutz investiert.
Nach acht Jahren Bauzeit konnten die Arbeiten am Hochwasserschutzprojekt an der Drau in Sillian erfolgreich abgeschlossen werden. Mit einer Investition von 11,6 Mio. Euro wurden der Schutz des Siedlungsraumes und der Verkehrsinfrastruktur sowie gewässerökologische Maßnahmen umgesetzt. Außerdem wurde der Flussbereich auch für die Bevölkerung attraktiver gestaltet.
Die offizielle Fertigstellungsfeier zum erfolgreichen Abschluss des Projekts fand am Samstag, 21. September statt. In Heinfels wurde am gleichen Tag mit dem offiziellen Spatenstich der zweite Bauabschnitt des Projekts Hochwasserschutz Villgratenbach in Angriff genommen.
Minister Norbert Totschnig: „Die Hochwasserkatastrophe im Osten Österreichs verdeutlicht einmal mehr die Kraft der Natur und das damit einhergehende Gefahrenpotential, das sich durch den Klimawandel zunehmend verändert. Wir müssen uns darauf einstellen, dass solche Extremwetterereignisse immer häufiger werden. Diese Ereignisse verdeutlichen aber auch einmal mehr, dass es unerlässlich ist, sich aktiv auf mögliche Naturgefahren vorzubereiten und das hohe Schutzniveau an die aktuellen Anforderungen anzupassen.“
„In Tirol sind Naturgefahren seit jeher ein ständiger Begleiter. Speziell der Bezirk Lienz ist aufgrund seiner topographischen Lage kein unbeschriebenes Blatt. 1966 verzeichnete Sillian das bislang größte Hochwasser. In den vergangenen Jahren ist es – dank des verbesserten Hochwasserschutzes – nicht mehr zu Überflutungen des Ortsgebiets gekommen“, verwies LH-Stv. Josef Geisler auf vergangene Hochwasserereignisse.
Die Freude über die neugewonnene Sicherheit sah man auch dem Sillianer Bgm. Franz Schneider und seinen Amtsvorgängern an. „Durch das Projekt werden die Gefahrenzonen in den betroffenen Siedlungsgebieten zurückgenommen. Gemeinsam mit den weiteren umgesetzten Maßnahmen steigert das die Lebensqualität hier in der Region erheblich“, betonte der Bürgermeister.
Hochwasserschutz, Ökologie und Erholung in einem Projekt vereint
Um das bewohnte Gebiet sowie Infrastruktureinrichtungen bestmöglich zu schützen und die bestehende Drau-Verbauung aus den 1970-er Jahren an die aktuellen Herausforderungen anzupassen, startete in Sillian 2016 das damals größte wasserbauliche Vorhaben in Tirol. „Der Ortskern von Sillian liegt tiefer als das Flussbett der Drau. Im Zuge des Projektes wurde die Drau daher zwischen der Mündung des Villgratenbaches und dem Ortsteil Arnbach auf einer Strecke von rund 3,8 Kilometern eingetieft, die Ufersicherungen wurden neu errichtet. Fünf Brücken wurden ohne Pfeiler im Fluss neu gebaut, wodurch die Gefahr vor Verklausungen deutlich reduziert wird”, erläuterte Markus Federspiel, Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft. Oberhalb des tiefergelegten Bereichs wurde zudem ein sogenannter Wildholzrechen errichtet – auch diese Maßnahme trägt dazu bei, die Gefahr von Verklausungen im Ortsgebiet zu minimieren.
Neben der Sicherheit geht es bei Bauvorhaben im Wasserbau immer auch um ökologische Maßnahmen sowie die Nutzung der Flussbereiche zu Erholungszwecken. „Durch die Einbindung des Gerberbaches in das Flussbett der Drau wurde ein rund 600 Meter langer Abschnitt aufgeweitet, wodurch in diesem Bereich sowohl für Tiere als auch für Pflanzen wertvoller Lebensraum geschaffen wurde“, informierte Federspiel.

Spatenstich für die zweite Bauphase am Villgratenbach
In Heinfels wird der Hochwasserschutz am Villgratenbach mit dem letzten Baulos im Bereich der Schluchtstrecke fortgesetzt. Der nunmehrige Spatenstich markierte den offiziellen Startschuss. Nach Fertigstellung des Gesamtprojekts sind 32 Hektar Bauland sowie 128 Wohngebäude und Gewerbebetriebe vor einem Hochwasserereignis mit einer hundertjährlichen Eintrittswahrscheinlichkeit geschützt. Dafür ist ein ganzes Bündel an Maßnahmen notwendig.
Herzstück des Projekts ist eine massive Geschiebesperre am Schluchtausgang des Villgratenbachs, die bis zu 50.000 Kubikmeter Schotter und Gestein zurückhalten kann. Zur Stabilisierung des Gewässerbettes unterhalb der Sperre werden insgesamt 15 Sohlgurte aus schweren Wasserbausteinen hergestellt. Im Zuge der Umsetzung des Projekts muss auch die Landesstraße über die neue Sperre geführt werden und wird dazu um bis zu 6 Meter angehoben. Linksseitig wird das Ufer durch Dämme und Mauern auf einer Länge von einem halben Kilometer erhöht.
Einige Bauteile des zweiten Bauabschnittes – wie beispielsweise die neue Brücke – konnten bereits in den Jahren 2020 bis 2023 ausgeführt werden. Die Fertigstellung ist aktuell für Herbst 2027 geplant. Für den zweiten Bauabschnitt investieren das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft, das Land Tirol und die Gemeinde Heinfels insgesamt gut 14 Millionen Euro. Die Umsetzung dieser Maßnahmen, die sehr viel Sensibilität und Know-how erfordert, erfolgt durch die Bundeswasserbauverwaltung unter fachlicher Begleitung des Baubezirksamts Lienz.
Text: Redaktion, Fotos: EXPA Groder

