Equal Pay Day: Osttirolerinnen verdienen 21,2 Prozent weniger als männliche Kollegen

Der Equal Pay Day ist jener Tag, von dem an Frauen im Vergleich zu Männern das restliche Jahr ohne Bezahlung arbeiten. Im Bezirk Lienz ist dieser Tag heuer der 15. Oktober.

Der tirolweite Equal Pay Day fällt heuer auf den 18. Oktober. Die Osttirolerinnen haben mit dem Equal Pay Day am 15. Oktober statistisch gesehen zwar einen Tag im Vergleich zum Vorjahr wettgemacht, allerdings handelt es sich bei diesem kleinen Erfolg um einen verzerrten Krisen-Effekt. Viele Frauen, die während der Krise gearbeitet haben, waren jene, die ohnehin grundsätzlich mehr verdienen. Männer hingegen haben im Krisenjahr 2021 im Durchschnitt etwas weniger verdient, da viele von Kurzarbeit betroffen waren oder keine Überstunden mehr leisten konnten bzw. mussten.

„Der kleine Fortschritt ist also nächstes Jahr vermutlich gar nicht mehr spürbar“, ordnet Evelyn Müller, die Osttiroler ÖGB-Regionalfrauenvorsitzende die aktuellen Zahlen ein. „Deshalb heißt es jetzt: Noch mehr für Frauenanliegen kämpfen, denn davon wird die gesamte Gesellschaft profitieren!“ Jährlich verdienen Osttiroler Frauen 10.344 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen, das entspricht einem Einkommensnachteil von 21,2 Prozent. 78 Tage arbeiten sie daher so zusagen unbezahlt.

Kinderbetreuung und bessere Bezahlung sind zentrale Forderungen des ÖGB

„Der ausschlaggebende Punkt bei der Gehaltsschere zwischen Frauen und Männern ist die traditionelle Rollenverteilung, die immer noch in vielen Familien vorherrscht. Spätestens nach dem ersten Kind reduzieren meist Frauen ihre Arbeitsstunden oder verzichten ganz auf ihren Job. Da in Tirol vor allem in den ländlichen Regionen immer noch keine flächendeckende, ganzjährige Kinderbetreuung garantiert werden kann, kehren Frauen selten in ihren Vollzeitjob zurück. Damit einhergehende schlechte Aufstiegschancen bringen natürlich Gehaltseinbußen mit sich“, erklärt Sonja Föger-Kalchschmied, ÖGB-Landesfrauenvorsitzende.

Die Gewerkschaftsfrauen fordern einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbildungsplatz ab dem 1. Geburtstag des Kindes und Öffnungszeiten, die mit den Arbeitsrealitäten im Einklang stehen. „Im Bundesländervergleich sind wir in Tirol mit durchschnittlich 38 Schließtagen in Kindergärten das traurige Schlusslicht. Erst wenn jedem Kind ein ganzjähriger Kinderbetreuungsplatz zur Verfügung steht, können wir von echter Chancengleichheit für Frauen sprechen“, sieht Föger-Kalchschmied die Politik in der Verantwortung.

Nicht jede Frau ist gleichzeitig auch Mutter – trotzdem ist die Lohnschere bittere Realität für viele berufstätige Frauen. „Das liegt vor allem daran, dass Frauen oftmals in Niedriglohnbranchen arbeiten, die noch dazu gewerkschaftlich schlecht organisiert sind. Das bedeutet aber nicht, dass wir diese Frauen vergessen! Wir fordern einen kollektivvertraglichen Mindestlohn von 2.000 Euro in frauendominierten Berufen“, skizziert Föger-Kalchschmied eine weitere zentrale Forderung für den „heißen Herbst“ der Kollektivvertragsverhandlungen.

 

Text: Redaktion, Foto: ÖGB Lienz

13. Oktober 2022 um