Elektrowerk Assling: Neue Oberstufe 2 am Thalerbach offiziell eingeweiht

In der Gemeinde Assling fand am 24.10. in Anwesenheit des Tiroler Energielandesrates ÖkR Josef Geisler die Segnung der neuen Oberstufe 2 mit Tagesspeicher statt.

Die Pläne für die Errichtung einer Oberstufe zu den bestehenden drei Kraftwerken des EWA am Thalerbach reichen einige Jahre zurück, konkret wurden diese spätestens im Jahre 2011. Nach eingehenden Untersuchungen und einer ganzjährigen Wassermessung im Jahr 2012 begann man, an einem optimal ausgelegten Projekt zu feilen. Ende 2017 erhielt man den positiven Bescheid für Wasserrecht, Naturschutz und Forstrecht und konnte in der Folge im Herbst 2018 mit der Errichtung des Tagesspeichers starten. Gleichzeitig setzten auch die Arbeiten am Krafthaus und für die Verlegung der Druckrohrleitung ein.

 

 

Nach knapp einjähriger Bauzeit nahm das neue Kraftwerk Oberstufe 2 mit Tagesspeicher am 28. Oktober 2019 seinen Betrieb auf. Heute, nach inzwischen 11 Monaten Probebetrieb und Betrieb, ist klar, dass das Kraftwerk einwandfrei funktioniert und einen wesentlichen Beitrag zur unabhängigen Stromversorgung in der Gemeinde Assling liefert. Eine besondere energetische Bedeutung kommt im neuen Kraftwerk dem Tagesspeicher zu. In Zeiten mit schwachem Verbrauch im Versorgungsnetz wird hier das Wasser zurückgehalten. Wenn der Verbrauch steigt, können die vier Kraftwerke am Thalerbach über die Nutzung des Wasserinhaltes des Speichers mit einer höheren Leistung die Spitzen abdecken.

 

Die Eckdaten des Kraftwerkes Oberstufe 2 mit Tagesspeicher

Einzugsgebiet: 10,5 km²
Wasserfassung: bei Pedretscher Kaser (1.703 m)
Krafthaus: bei Gasser Kaser (1.505 m)
Bruttofallhöhe: 196 m
Ausbauwassermenge: 300 lt/sec
Inhalt Tagesspeicher: 5.180 m³
Druckrohrleitung: 1,525 km DN 500
Ausbauleitung: 495 kW
Jahreserzeugung: 2.700.000 kWh
CO²-Einsparung im Jahr: 1.400 t
Inbetriebnahme: Oktober 2019
Baukosten: Kraftwerk: € 2.200.000, Tagesspeicher: € 1.800.000
Gesamt: € 4.000.000

 

Die Entwicklung des Elektrowerkes Assling reg.Gen.m.b.H. seit Gründung

Vor 93 Jahren schlossen sich Asslinger Visionäre zusammen, um eine Genossenschaft zu gründen. Zweck dieser Genossenschaft war die Versorgung ihrer Höfe mit Strom. Die Gründungsversammlung fand am 1. März 1927 statt und in der Folge gelang es, eine alte Mühle zu einem ersten Kraftwerk mit einer Leistung von 100 PS umzubauen. Um der Herausforderung gerecht werden zu können, den Strom zu den Haushalten zu bringen, wurden nach und nach Freileitungen errichtet und Trafostationen gebaut. So konnte man Schritt um Schritt die einzelnen Ortsteile und Weiler erreichen. Nachdem der Strombedarf in der Gemeinde stetig anstieg, wurden weitere Kraftwerksbauten notwendig. 1948 errichtete man die Stufe 1 in Oberthal, 1964 folgte Stufe 2 in Thal. Das größte Wasserkraftwerk ging 1973 in Mittewald in Betrieb, die Oberstufe entstand im Jahr 2005. Um noch mehr Strom erzeugen und um die Haushalte in Thal mit Wärme versorgen zu können, wurde 1994 in Thal/Aue ein Blockheizkraftwerk errichtet. Zunächst betrieb man das BHKW mit Gas, bis man 2006 eine Verbindungsleitung zum Sägewerk Theurl installieren konnte. Seitdem bezieht das EWA die Wärme vom Sägewerk und verteilt diese im Versorgungsgebiet in Thal an mittlerweile 50 Kunden. Die Basis für ein zusätzliches Standbein schuf sich das EWA im Jahr 2013: In einem Zeitraum von nur vier Monaten wurden im Verteilnetz an vier verschiedenen Standorten Großphotovoltaikanlagen mit je 500 kWpeak und damit der größte Photovoltaik-Park in Tirol errichtet. Auf einer Gesamtfläche von 30.000 m² werden hier heute mit 8.000 PV-Modulen rund 2,5 Mio. kWh erzeugt. Der PV-Strom reicht für die Versorgung von rund 700 Stromkunden.

In den Jahren 2014 bis 2016 investierte die Elektrowerk Assling reg.Gen.m.b.H. in den Firmenstandort in Oberthal. Dieser wurde völlig um- und neugebaut. Zeitgleich unterzog man die Stufe 1 einer Revitalisierung. 2017 konnte zudem die bezirksweit erste Schnelllade-Station für Elektroautos in Betrieb genommen werden.

Das Versorgungsgebiet des EWA erstreckt sich heute über das gesamte Gemeindegebiet von Assling. Die Stromleitungen (alle Freileitungen wurden inzwischen durch Kabelleitungen ersetzt) umfassen die Länge von 100 Kilometern. 35 Trafostationen gewährleisten aktuell die Versorgung von rund 800 Stromkunden. Der Betrieb der eigenen Kraftwerke bis hin zur Betriebsführung von Fremdkraftwerken, der Leitungsbau und der Bau von Trafostationen werden im Teilbetrieb „Elektrotechnik“ abgewickelt. Zum Leistungsspektrum der EWA gehören außerdem auch Reparaturen, die Gebäudeinstallation sowie in den letzten Jahren auch die Verlegung der Lichtwellenleiterkabel für das schnelle Internet. Natürlich können auch jegliche Elektrogeräte erworben werden.

An der Besitzstruktur hat sich auch mehr als neun Jahrzehnte nach Gründung nichts geändert. Noch heute gehört das EWA den 188 Genossenschaftsmitgliedern, also den Bauern der Gemeinde Assling. Der Betrieb, in dem aktuell 13 Mitarbeiter beschäftigt sind, wird von einem 6-köpfigen Vorstand unter der Leitung von Obmann Markus Lukasser geführt. An der Spitze des Aufsichtsrates steht Peter Vergeiner, als Geschäftsführer fungiert Harald Stocker. Betriebsleiter ist Markus Weis. Sie alle versuchen gemeinsam, das EWA mit einem gesunden Wachstum und im Denken an Nachhaltigkeit in die Zukunft zu führen.

 

Text: J. Hilgartner, Fotos: Brunner Images. Elektrowerk Assling

27. Oktober 2020 um