Universität im Dorf: „Wissen für alle“ in Außervillgraten
„Zusammen leben, zusammen halten: Gesellschaften gestalten“, so lautet das Motto der 22. „Universität im Dorf“. Am 30.11. und 01.12. werden Expert:innen aus verschiedensten Fachbereichen referieren und für Diskussionen zur Verfügung stehen.
Seit vielen Jahren ist die Universität Innsbruck am ersten Adventwochenende regelmäßig zu Gast in der kleinen Osttiroler Gemeinde Außervillgraten. 2001 von Univ.-Prof. Dr. Lothar Lies SJ (†) ins Leben gerufen, hat die „Universität im Dorf“ 23 Jahre nach Gründung längst ihren festen Platz im jährlichen Veranstaltungsreigen in Osttirol gefunden. Jahr für Jahr kommen im Spätherbst universitäre Fachleute ins Villgratental, um hier im Dorf in einer für die Bevölkerung verständlichen Weise über wissenschaftliche Forschungen zu informieren. Während andernorts Referenten nur gegen hohe Gagen auftreten, ist der Zutritt zu den einzelnen Vorträgen im Haus Valgrata für alle Interessierten kostenlos. Für die Organisation der Veranstaltung zeichnet die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Universität Innsbruck in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Außervillgraten und engagierten Persönlichkeiten vor Ort verantwortlich.
Die Wissenschaft zu den Menschen bringen
„Es ist gut und wichtig, wenn sich die Universität auch auf den Weg in die Dörfer macht“, betont Mag. Isolde Erricher-König vom Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Universität Innsbruck. Seit Ende 2019 ist es ihre Aufgabe und die ihrer Kolleg:innen, den Dialog zwischen der Wissenschaft und der Gesellschaft zu fördern und Veranstaltungen wie die „Universität im Dorf“, die „Pop Up University“ oder die „Lange Nacht der Forschung“ zu organisieren. „Wir möchten damit dem universitären Auftrag der Wissensvermittlung nachkommen und gleichzeitig das Bewusstsein der Bevölkerung dafür stärken, dass Wissenschaft nicht abgehoben und nur zum Selbstzweck agiert, sondern für die Menschen arbeitet.“ Die Frage nach der Vertrauenskrise, die mit der Corona-Pandemie über die österreichische Wissenschaft hereingebrochen ist, beantwortet sie damit, dass sich die Situation wieder etwas gebessert habe. „Der zum Teil kontroverse Politdiskurs und die hohe Dichte an Fakenews in sozialen Medien während der Corona-Jahre haben dazu beigetragen, dass sich in Teilen der Bevölkerung doch einige Vorbehalte und Vorurteile manifestiert haben. Eine gewisse Skepsis gegenüber verschiedenen wissenschaftlichen Theorien ist ja per se nichts Negatives. Schließlich ist es eine Grundeigenschaft bzw. Aufgabe der Wissenschaft selbst, sich immer wieder zu hinterfragen. Dies schließt allerdings aus, einfach nur irgendwelchen Narrativen zu folgen und Evidenzen bzw. belegte Fakten zu negieren.“ Die Themenfindung für die diesjährige „Universität im Dorf“ in Außervillgraten sei, so die gebürtige Oberösterreicherin und heutige Wahl-Tirolerin, wie in den Vorjahren in Kooperation mit den Verantwortlichen in Außervillgraten erfolgt. „Wir haben Anregungen und Vorschläge zu Themen erhalten, die direkt von den Menschen im Tal kamen. Dementsprechend haben wir uns sehr bemüht, ein möglichst breit gefächertes und interessantes Spektrum an Vorträgen zusammenzustellen. Die Palette reicht von Altersforschung über Migration, Neutralität & Europa und geschlechterspezifischen Zusammenhängen im Rechtsextremismus bis hin zum Wechselspiel von Social Media, Persönlichkeit und Wohlbefinden“, so Isolde Erricher-König. „Wissenschaft bildet – und Bildung ist wirklich wichtig. Wir laden alle Interessierten herzlich dazu ein, unseren Expert:innen zuzuhören, mit ihnen in Kontakt zu treten, Neues zu erfahren und direkt vor Ort Fragen zu stellen.“
Erfolgreiche Kooperation seit mehr als zwei Jahrzehnten
Die diesjährige „Universität im Dorf“ wird am 30.11.2024 um 14.00 Uhr eröffnet. Als Ehrengast hat sich der Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle angesagt, die Moderation wird in den Händen der Vizerektorin der Universität Innsbruck für Lehre und Studierende, Univ.-Prof. Mag. Dr. Janette Walde, liegen. Mag. Josef Mair, Bürgermeister von Außervillgraten, wird die Begrüßung vornehmen und gemeinsam mit dem engagierten Team rund um Ursula Perfler und VS-Leiter Julius Trojer für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung sorgen. Der langjährige Ortschef, der gemeinsam mit OSR Josef Told von Beginn an in das Projekt „Universität im Dorf“ involviert war, streicht die gute, partnerschaftliche Kooperation mit der Universität Innsbruck heraus. „Wir sind stolz auf die bestens funktionierende Zusammenarbeit und darauf, dass die Veranstaltungsreihe längst schon zu einem Aushängeschild für unsere Gemeinde geworden ist. Es ist eine Bereicherung, wenn wir anerkannte Expert:innen zu uns ins Dorf einladen dürfen und uns dank ihrer Expertise mit den unterschiedlichsten Themen beschäftigen und auseinandersetzen können.“ Besonders erfreulich sei es auch, dass die „Universität im Dorf“ generationsübergreifend agiere. „Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft. Umso wichtiger sind die altersgerechten Inhalte, die jedes Jahr im Rahmen von Workshops der `Jungen Uni` auf eine sehr spannende und abwechslungsreiche Art und Weise vermittelt werden.“ Er sei davon überzeugt, so der Bürgermeister weiter, dass aufgrund der breiten Themenfächerung für alle, ob jung oder junggeblieben, etwas dabei sei. „Ich bin auch auf die Podiumsdiskussion gespannt, die am Abend des 30.11. mit anschließendem Buffet stattfinden wird. Der direkte Austausch mit den Wissenschaftlern und die anregenden Gespräche sind jedes Jahr aufs Neue ein Gewinn.“ Herzlich lädt Josef Mair auch zum Besuch der Sonntagsmesse in der Pfarrkirche St. Gertraud ein, die – als Teil der Veranstaltungsreihe – von Georg Fischer SJ gestaltet wird.

Text: E. Hilgartner, Fotos: © Gemeinde Außervillgraten, Toni Ausserlechner