Willi Lackner aus Lienz: „Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen!“

Willi Lackner hat in den letzten 40 Jahren zahlreiche Länder und Städte dieser Erde für sich entdeckt – seine letzte Reise führte ihn durch Namibia, Botswana, Simbabwe und Sambia.

„Wenn einer eine Reiste tut, so kann er was erzählen!“ Dieses längst schon zu einem Sprichwort gewordene Zitat des deutschen Dichters Matthias Claudius trifft auf den Lienzer Willi Lackner in vollem Maße zu. Er hat in den vergangenen vier Jahrzehnten zahlreiche Länder und Städte dieser Erde für sich entdeckt, darunter China, Indien, Thailand, den Oman, Nord- und Südamerika, Russland, Kasachstan, Hong Kong, Kanada, Nordkorea und zuletzt Namibia, Botswana, Simbabwe und Sambia.

 

Willi Lackner ist auch ein begeisterter Fotograf. Bei seiner letzten Reise hat er in Namibia auch Elefanten fotografiert.

 

Vor seiner Pensionierung im Jahr 2018 war Willi Lackner als Lokführer bei den ÖBB tätig. „Mit meinem Beruf konnte ich mir einen Kindheitstraum erfüllen“, sagt er und erzählt, dass er in den letzten zwölf Jahren seines Arbeitslebens als Schulungslokführer im Einsatz war. Über seinen Lokführer-Kollegen Karl Eder entdeckte Lackner auch seine Liebe zum Reisen. Gemeinsam mit Eder war er z.B. in Nordkorea, Indien oder Südamerika unterwegs.

 

2014 reiste Willi Lackner in den Oman. Der größte Teil dieses Landes im Osten der Arabischen Halbinsel ist von Wüsten oder Halbwüsten bedeckt. Immer wieder gab es bei dieser Reise Schwierigkeiten mit den Fahrzeugen.

 

1989 schloss der gebürtige Oberkärntner, der seit 1984 in Lienz lebt, mit seiner Frau Monika den Bund des Lebens. „Unsere Hochzeitsreise führte uns nach Lanzarote“, erinnert sich Willi Lackner zurück. Dem Vielreisenden geht es, wie er betont, bei seinen Touren nicht nur darum, über den Tellerrand hinauszuschauen, sondern darüber hinauszugehen. „Nur wenn ich verschiedenste Länder der Welt kennenlerne, kann ich Vergleiche ziehen. Jedes Mal, wenn ich dann nach Österreich zurückkehre, wird mir bewusst, in welch wundervollem Land wir leben dürfen. Dabei denke ich nicht nur an die faszinierenden Natur- und Kulturlandschaften, sondern auch an den sozialen Frieden, die Versorgungssysteme und an die Sicherheit.“

 

Blick auf das Taj Mahal, das Mausoleum, das Großmogul Shah Johan zum Gedenken an seine 1631 verstorbene Frau Mumtaz Mahal erbauen ließ

 

Nachdem der Lienzer bereits zahlreiche europäische Länder bereist hatte, führte ihn seine erste große Reise 1991 nach Kenia. 2006 folgte eine Tour durch das „Goldene Dreieck“ in Indien mit Stationen in den Städten New Delhi, Jaipur und Agra. Besonders gerne erinnert er sich an den Besuch des Taj Mahal, des weltbekannten Mausoleums am Südufer des Flusses Yamuna im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh zurück.

 

Bei seiner Thailand-Reise 2015 fotografierte Willi auch die Brücke am Kwai. Die titelgebende Brücke des US-Films aus dem Jahr 195 überquert in der Nähe der thailändischen Stadt Kanchanaburi den Khwae-Yai-Fluss.

 

Im Jahr 2009 reiste Willi Lackner erstmals nach Nordamerika. „Es handelte sich um den Besuch einer Abordnung der Stadtgemeinde in der Lienzer Partnerstadt Jackson Hole“, informiert der vielseitige Osttiroler, der sich früher auch als Personalvertreter und ÖGB-Funktionär engagierte und seit 2016 Stadtrat von Lienz ist. „Wir besichtigten u.a. auch den Yellowstone Nationalpark und San Francisco – für mich bis heute neben St. Petersburg eine der schönsten Städte der Welt. 2018 reisten wir erneut nach Wyoming und trafen auch damals mit Olympiasieger und Weltmeister Pepi Stiegler zusammen.“

 

Der Rote Platz ist der international berühmteste Platz in Moskau. Auf diesem Platz zu stehen, war für Willi das erste große Erlebnis seiner Zugreise nach Kasachstan.

 

2011 stand eine Zugreise nach Kasachstan auf dem Programm. „Wir stiegen in Lienz in den Zug ein und erreichten mit nur zweimaligem Umsteigen über Warschau, Minsk und Moskau Kasachstans Hauptstadt Astana. Insgesamt legten wir mit der Bahn 4.800 km zurück, die reine Fahrzeit betrug etwa hundert Stunden. Am Roten Platz in Moskau zu stehen, war das erste große Erlebnis dieser Reise. Astana ist seit 1997 Hauptstadt von Kasachstan, geprägt einerseits von einer faszinierenden Altstadt und andererseits von einem neuen Stadtteil mit moderner Infrastruktur und Architektur sowie einer Prachtstraße.”

 

Reisen in das abgeschottete und vom stalinistischen Regime geprägte ostasiatische Land Nordkorea sind tatsächlich möglich. Doch wer sich wie Willi Lackner und seine Reisepartner das Land ansehen will, muss sich an strenge Richtlinien halten – und ist zu keinem Zeitpunkt allein unterwegs.

 

Wenn Willi von seiner Reise nach Nordkorea im Jahr 2012 erzählt, dann beginnen seine Augen zu leuchten. „Nordkorea war sicher eines der Highlights meiner bisherigen Reisetätigkeit, wenngleich die Begleitumstände doch außergewöhnliche waren“, lässt der begeisterte Hobbyfotograf wissen.

 

 

„Schon bei der Buchung in Österreich erhielten wir einen deutschsprachigen Reiseleiter zugeteilt, der uns später gemeinsam mit einem weiteren Begleiter am Flughafen abholte und uns während der Reise nicht mehr von der Seite wich. Das Handy mussten wir abgeben, und Fotos  durften nur von Landschaften, niemals aber von Siedlungen, militärischer oder sonstiger strategischer Infrastruktur gemacht werden. Mein Eindruck von Nordkorea war, dass es ein sehr armes, aber wasserreiches Land ist. Die Felder werden bewirtschaftet, man sieht jedoch nur wenige Maschinen und Traktoren, dafür aber wesentlich mehr Fuhrwerke mit vorgespannten Ochsen. Die Hauptstadt Pjöngjang zählt etwa drei Millionen Einwohner. Aufgefallen ist mir, dass es kein Verkehrsproblem gibt, auf den Straßen sind nur wenige Autos unterwegs. Dafür ist der öffentliche Verkehr mit U-Bahn, Straßenbahnen und Bussen gut ausgebaut.“

 

 

Besonders beeindruckend war für den heute 65-Jährigen der Besuch der „demilitarisierten Zone“ am 38. Breitengrad, der auf der koreanischen Halbinsel die Grenze zwischen Nord- und Südkorea markiert. Die Zone wurde nach dem drei Jahre dauernden Koreakrieg im Jahre 1953 eingerichtet. „Der Koreakrieg endete mit einem Waffenstillstandsabkommen, einen Friedensvertrag gibt es bis heute nicht“, erklärt der Lienzer historische Details. Aufgefallen sei ihm auch die Neigung der nordkoreanischen Führung zur Gigantomanie. „Unsere beiden Begleiter achteten sehr darauf, dass wir die großen Monumente von Kim Il-sung und Kim Yong-il immer nur als Ganzes fotografierten.“

 

Willi Lackner mit seinen Töchtern Yvonne und Lea vor der Freiheitsstatue in New York

 

Willi Lackner unternimmt seine Reisen meistens in einer Gruppe von 20 bis 25 Personen. „Wir sind im Schnitt zehn bis vierzehn Tage unterwegs und versuchen in dieser Zeit möglichst Vieles zu sehen und zu erleben. Das Programm ist dementsprechend sehr komprimiert und manchmal auch etwas stressig. Besonders freut es mich, wenn mich meine Töchter begleiten. Yvonne war mit mir z.B. in Thailand, Südamerika, Kanada und Russland, und mit Lea konnte ich 2019 New York besuchen. Es war damals mit 19 Jahren ihr erster Flug.“

 

 

In den vergangenen Jahren standen auch Segeltörns in Griechenland, in Kroatien und in der Türkei auf Willis Reiseplan. Seine bislang letzte Tour führte ihn im heurigen Herbst (21. Oktober bis 2. November) in die afrikanischen Länder Namibia, Botswana, Simbabwe und Sambia. In zehn Tagen legte die Reisegruppe, bestehend aus 15 Personen, mehr als 2.500 Kilometer zurück. „Aufgeteilt auf zwei Jeeps unternahmen wir Safaris durch den Etosha-Nationalpark und den Chobe-Nationalpark. Löwen, Nashörner, Elefanten, Giraffen und sogar Oryxantilopen vor der Kamera zu haben, war ein ganz besonders imposantes Erlebnis.“

 

Willi hat bei seinem Hubschrauberflug über die Victoriafalls vor allem die Breite der Wasserfälle beeindruckt.

 

Ein Highlight seiner letzten Reise will Willi zum Abschluss unseres Gespräches auf keinen Fall unerwähnt lassen: den Hubschrauberflug über die Victoriafälle. „Vor allem die Breite der Wasserfälle war atemberaubend, wenngleich mich die Wassermenge der Niagarafälle in Amerika noch mehr beeindruckt hat. Für mich ist jede Sekunde meiner Reisen, ob sie mich nun in europäische, afrikanische, asiatische oder amerikanische Länder führen, wertvoll. Natürlich gibt es Osttiroler, die wesentlich mehr von der Welt gesehen und bereits alle fünf Kontinente bereist haben. Ich möchte keinen der vielfältigen Eindrücke und einzigartigen Momente, die ich erlebt habe, missen!“

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Lackner

01. Dezember 2023 um