Familie Mosser aus dem Drautal: Die Norikerzucht im Blut
Angela Mosser aus Lind wurde 2021 zur „Norikerzüchterin des Jahres“ gewählt und knüpft damit an das Lebenswerk ihres 2019 verstorbenen Vaters Matthias Mosser an, der zu den bedeutendsten Hengstaufzüchtern Österreichs zählte.
Seit mehr als hundert Jahren ist die Familie Mosser aus Kleblach-Lind im Kärntner Drautal mit der Norikerzucht verbunden. Angela Mosser ist mit Norikerpferden aufgewachsen. Die Volksschullehrerin wurde schon als Kind von ihrem Vater zu Ausstellungen und Versteigerungen mitgenommen. „Ob in Stadl-Paura, Abtenau, Altenmarkt, Mauterndorf oder im steirischen Schöder – überall lernte ich Menschen kennen, die dieselbe Leidenschaft teilten. Mein Vater pflegte Kontakte zu Züchtern in ganz Österreich und baute sich über die Jahre ein beeindruckendes Netzwerk auf.“

Matthias Mosser, Jahrgang 1928, galt als einer der erfolgreichsten Hengstaufzüchter Kärntens und Österreichs. Besonders verbunden war er mit der sogenannten V-Linie. Mit dem Hengst Voran Vulkan XIV, den er aufzog, sowie dem selbst gezüchteten Vento Vulkan XV leistete er einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt dieser Blutlinie. Insgesamt zog er mehr als 40 Hengste auf. Zu seinen größten Erfolgen zählt unter anderem der Championer Bariton Nero, der 1994 gekört wurde und bis heute vielen Pferdezüchtern ein Begriff ist.

Bei all seinen züchterischen Aktivitäten konnte sich Matthias Mosser stets auf die Unterstützung seiner Frau Rosalia verlassen. „Während mein Vater im ganzen Land unterwegs war, hielt ihm meine Mutter den Rücken frei und ermöglichte damit viele seiner züchterischen Erfolge.“ Gemeinsam legten Matthias und Rosalia Mosser den Grundstein für eine Pferdezucht, die bis heute Bestand hat.

Seit dem Tod ihres Vaters im Jahr 2019 führt Angela Mosser dessen Lebenswerk mit großer Leidenschaft und Begeisterung weiter. Eine besondere Anerkennung erhielt sie 2021 mit der Auszeichnung zur „Norikerzüchterin des Jahres“. Besonders stolz ist sie auf die Erfolge ihrer Zuchtstuten und deren Nachkommen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Stammstute Kiki, die Anfang der 2000er-Jahre auf den Hof kam. Aus ihrer Nachzucht gingen zahlreiche erfolgreiche Pferde hervor.

Die Stute Kitti wurde zur Mutter des Körungssiegers Titanium Vulkan XVIII. Kittis Tochter Kalissa brachte die Landesreservesiegerstute Kely hervor. Große Bedeutung besitzt auch die Staatsprämien- und Elitezuchtprämienstute Kleo. Sie wurde 2021 zur Stute des Jahres gewählt und ist Mutter mehrerer gekörter Hengste, darunter Massimo Diamant XIV, Wacholder Nero XVII und Walencio Nero XVIII. Wacholder Nero wurde Championer 2021, Walencio Nero folgte 2022 mit dem begehrten Titel. Das ist einzigartig in der Geschichte der Norikerzucht. Auch die Verbandsprämienstute Kamilla zählt zu den wichtigen Zuchtstuten. Gemeinsam stehen sie für die erfolgreiche Weiterentwicklung jener Zuchtlinie, die über Generationen hinweg aufgebaut wurde.

Heute stehen im Stall von Angela Mosser drei Norikerstuten, die regelmäßig belegt werden. Neben ihrer Tätigkeit als Lehrerin in Greifenburg widmet die Oberkärntnerin einen großen Teil ihrer Freizeit den Pferden. Dabei geht es ihr nicht nur um züchterische Erfolge, sondern vor allem um die Freude an der Arbeit mit den Tieren und die Bewahrung einer langen Familientradition. Neben der Norikerzucht gehört auch der Pferdezuchtverein K1 Kleblach-Lind zur Familientradition. Er wurde 1894 als erster Pferdezuchtverein Kärntens gegründet. 1898 trat Angela Mossers Großvater bei, 1953 ihr Vater. Angela Mosser begleitet den Verein seit rund 30 Jahren und ist aktuell wieder als Geschäftsführerin tätig.

Wenn Angela Mosser auf ihren bisherigen Weg als Züchterin zurückblickt, denkt sie nicht nur an Auszeichnungen und Erfolge. Die Championer-Titel der Jahre 2021 und 2022 widmet sie ihrem Vater. „Seine Gabe, die passenden Jungtiere zu erkennen, bleibt für mich einzigartig.“ Gleichzeitig weiß sie, dass die Norikerzucht ohne Unterstützung vieler Menschen nicht möglich wäre. „Herzlich bedanken möchte ich mich bei allen, die mich bei meiner Leidenschaft unterstützen – bei Freunden, Nachbarn und insbesondere bei meinem Neffen Gregor, der mir die Pferdehaltung am Obermüllner-Hof auch nach dem Tod meines Vaters ermöglicht.“
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger



