Wertvoller Dienst an der Gesellschaft

Eine wichtige Entscheidung für junge Männer ist jene, ob sie sich für den Präsenzdienst beim Bundesheer entscheiden oder ihren Dienst als Zivildiener ableisten wollen.

Vor dieser Wahl standen vor rund 1,5 Jahren auch die beiden jungen Osttiroler Leon Saciri und Johannes Kontriner. Beide hatten im Juni 2014 ihre Matura am BG/BRG Lienz bzw. an der PHTL Lienz erfolgreich abgeschlossen, sich aber zuvor – im Rahmen ihrer Musterung – schon für den Weg des Zivildienstes entschieden. „Ich bin seit Dezember 2014 als Zivildiener beim Roten Kreuz Osttirol im Einsatz“, erzählt der 20-jährige Lienzer Leon Saciri. Bei ihm habe sich während der Dienstzeit bei der Blaulichtorganisation der Wunsch, später Medizin zu studieren, noch verstärkt. „Jetzt bin ich mir sicher, dass ich Arzt werden will.

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Der Kontakt zu und der Umgang mit PatientInnen sind das Richtige für mich!“ Nicht Mediziner, sondern Toningenieur will der 20-jährige Asslinger Johannes Kontriner nach dem Zivildienst werden. Auch er bereut nach eigenen Aussagen die Entscheidung für den Zivildienst nicht: „Ich habe seit Dezember 2014, dem Beginn meiner Zeit beim Roten Kreuz, persönlich sehr, sehr viel gelernt und betrachte dies unbedingt als Mehrwert für mein späteres Leben!“

Bezirksgeschäftsführer Andreas Stotter: „Es ist uns ein großes Anliegen, dass beim Roten Kreuz Osttirol auch in Zukunft so viele Zivildiener wie bisher tätig sind!“

Bezirksgeschäftsführer Andreas Stotter: „Es ist uns ein großes Anliegen, dass beim Roten Kreuz Osttirol auch in Zukunft so viele Zivildiener wie bisher tätig sind!“

„Am 23. Februar 1976 trat der erste Zivildiener seinen Dienst in der Bezirksstelle Lienz an“, erinnert sich Bezirksgeschäftsführer Andreas Stotter zurück. Er betont, dass sich das Rote Kreuz Osttirol seit vielen Jahren eines regen Zuspruches durch Zivildienst-Leistende erfreue. „Das Rote Kreuz verzeichnet österreichweit die größte Anzahl an Zivildienern und dies schon seit vielen Jahren. In Osttirol ist ein Grund dafür sicherlich die Tatsache, dass wir als Organisation gute Kontakte zu den Osttiroler Schulen pflegen und dort regelmäßig Erste Hilfe-Kurse organisieren bzw. gezielt Bewusstseinsbildung bei den jungen Menschen für soziale Dienste an der Gesellschaft betreiben.“ Jährlich arbeiten 40 bis 50 Zivildiener beim Roten Kreuz Osttirol, verteilt auf die Ortsstellen in Lienz, Matrei i.O., St. Jakob i.D./St. Veit i.D. und Sillian. Der Großteil der jungen Männer ist nach einer achtwöchigen Ausbildungszeit in Innsbruck/Rum und Lienz, im Rettungs- und Krankentransport, als Fahrer im Betreuten Fahrdienst sowie als Verstärkung der Organisationsbereiche in der Servicestelle in Lienz tätig. Die Schulung der jungen Menschen zu Beginn des Zivildienstes beinhaltet 100 Stunden Theorie im Rahmen der Rettungssanitäterausbildung am Landesverband Tirol sowie eine 160-stündige Praxisphase direkt vor Ort in Osttirol. Eine kommissionelle Prüfung bildet den Abschluss der zwei Monate und ist Voraussetzung für den nachfolgenden Dienst in den jeweiligen Ortsstellen. „Ohne die engagierte Arbeit von Zivildienern könnte das Rote Kreuz Osttirol seinem Auftrag im Rettungs- und Krankentransportdienst nicht nachkommen“, hält Andreas Stotter fest. „Für die `Zivis` bildet im Umkehrschluss die Zeit beim Roten Kreuz die Chance, nicht nur einen wertvollen Beitrag zum Allgemeinwohl zu leisten, sondern auch für ihr eigenes Leben viel zu lernen und Lebenserfahrung zu gewinnen. Die Ausbildung zum Rettungssanitäter ist nur ein Teil davon.“

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„Der Alltag als Zivildiener ist ein sehr anspruchsvoller, aber auch abwechslungsreicher“, so Leon Saciri. Er erzählt, dass er laut Dienstplan vor allem im Krankentransport eingesetzt wird. „Unser Motto lautet `Von Tür zu Tür`. Dies bedeutet, dass wir Personen direkt von zu Hause abholen und sie zum Arzt oder ins Krankenhaus bringen, wo sie z.B. eine Therapie erhalten, eine Dialyse vornehmen oder Untersuchungen absolvieren müssen. Wir sind in der Folge auch für den Rücktransport nach Hause zuständig und tragen dabei immer auch die Verantwortung für die von uns betreuten Menschen.“ Johannes Kontriners Aufgabe beim Roten Kreuz Osttirol umfasst, wie er berichtet, in erster Linie die Beteiligung an Rettungsfahrten. Er sagt: „Die Fahrten und die Gründe für die jeweiligen Einsatzfahrten sind sehr different. Die Palette reicht von kleineren Verletzungen über schwerste Unfälle, Herzinfarkte und andere lebensbedrohliche Vorfälle bis hin zu Psychiatrie-Einsätzen. Schon im Vorfeld der jeweiligen Ausfahrt erhalten wir über den Pager einen Einsatzcode, der uns die wichtigsten Informationen liefert. Die Einsätze sind manchmal sehr belastend. Insbesondere lassen mich die psychiatrischen Notfälle oft sehr nachdenklich werden.“ Andreas Stotter ergänzt: „Bei belastenden Einsätzen besteht die Möglichkeit einer psychologischen Betreuung für die Zivildiener, aber auch für freiwillige und hauptamtliche Mitarbeiter“. Unisono berichten die beiden jungen Osttiroler von schönen Erlebnissen und Erfahrungen, die letztendlich im Alltag überwiegen. „Wenn es einem gelingt, einen hilfsbedürftigen Menschen, ob krank oder verletzt, zu beruhigen und ihm das Gefühl zu vermitteln, dass er sich in guten Händen befindet, dann ist das ein Erfolgserlebnis, das zufrieden macht. Wir können den Zivildienst beim Roten Kreuz Osttirol anderen jungen Menschen nur weiterempfehlen!“ Andreas Stotter zeigt sich mit den Zivildienern sehr zufrieden. „Das Gros unserer Zivis leistet sehr gute Arbeit. Von Seiten der Dienststelle legen wir großen Wert auf Pünktlichkeit, Sauberkeit, Kollegialität und Verlässlichkeit. Dies sind die Grundvoraussetzungen, die auch für unsere fix angestellten MitarbeiterInnen bzw. alle freiwillig Tätigen beim Roten Kreuz Osttirol gelten. Viele Zivildiener werden nach ihrer Beschäftigung freiwillige oder hauptamtliche Mitarbeiter beim Roten Kreuz.“

Text: E. & J. Hilgartner, Fotos: Journal/D. Hotzler

09. August 2015 um