Wenn das Laub raschelt und rauscht: Gertraud Patterers 30. Buch
Unsere Sprache ist ein wesentlicher Teil unserer Identität. Umso wichtiger ist es, sie in ihrer ganzen Bandbreite zu pflegen. Das gilt auch für die Mundart, die als lebendige Kultur in Wort und Schrift viel über eine Region und ihre Menschen aussagt.
Die Dölsacherin Gertraud Patterer kann auf ein unglaublich reiches literarisches Schaffen zurückblicken. In den vergangenen Jahrzehnten hat sie unzählige Texte und Gedichte verfasst und Romane publiziert. Zwei ihrer Werke wurden von Regisseur Ekkehard Schönwiese bearbeitet und von der Theaterwerkstatt Dölsach auf die Bühne gebracht. „Meine Kinder Manuel und Manuela und Enkeltochter Laura haben damals mitgespielt“, so die Dölsacherin. Dass ihre Lust am Schreiben ungebrochen ist, das beweist ihr mittlerweile 30. Buch, das Mitte November 2024 unter dem Titel „Laubrauschen. Osttiroler Miniaturen“ im Heyn Verlag in Klagenfurt erschienen ist. „Meine Arbeit mit und in unserer Mundart ist immer auch ein Ausdruck meiner Freude über diesen großartigen kulturellen Schatz. Wenn es mir gelingt, meine Gedanken, Erlebnisse und Erinnerungen mit der Mundart, diesem mir so vertrauten Ausdrucksmittel, in Text- oder Gedichtform zu bringen und damit andere Menschen anzusprechen und zu berühren, dann habe ich mein Ziel erreicht“, erklärt sie. Der Titel ihres neuesten Buches weise, so die Autorin, auf jene Jahreszeit hin, die sie persönlich besonders liebe. „Schon immer habe ich die Farbenpracht im Herbst bewundert. Wenn ich heute nachts wachliege, dann höre ich den Blättern zu, die vom Wind über den Solder getrieben werden und denke daran, wie sehr ich es schon als Kind genossen habe, das Laub unter meinen Füßen rascheln zu lassen“, sagt sie. „Labrauschn“ heißt so auch jenes Gedicht, dessen Titel namensgebend für ihr 30. Buch war. Es ist eines der zahlreichen Gedichte in Mundart, die sich im Buch mit Prosatexten in Hochdeutsch abwechseln. Nicht selten beschreiben die Prosatexte Anekdoten und Erlebnisse aus ihrem Leben, wie es die Autorin etwa in dem Text „Wie Tante Hedwig mich zum Singen ermunterte“ tut. Gertraud Patterer nimmt darin Bezug auf eine zweite Leidenschaft, die ihr Leben geprägt hat – die Musik. Gemeinsam mit ihrem Mann Helmut, den sie mit 18 Jahren in Innsbruck kennen und lieben lernte, trat sie als „Duo Patterer“ auf. Zurück in der Heimat, bildeten die beiden mit Lois Waldner und Georg Stemberger die „Patterer Musikanten“. Über 26 Jahre lang war das Ensemble, dem später auch Sohn Johannes angehörte, ein fixer Bestandteil der Osttiroler Volksmusikkultur. „Heute sind wir längst im Ruhestand“, meint Gertraud, die sich gerne an die unzähligen Auftritte und an zwei veröffentlichte CDs zurückerinnert.
Wenngleich die Dölsacherin inzwischen nicht mehr als Sängerin auftritt – das fast tägliche Schreiben will und wird sie nicht aufgeben. „Ich möchte bis zu meiner letzten Stunde schreiben und hoffe, dass mir das auch gelingt. Das Schreiben ist mein Lebenselixier.“ In ihrer Arbeit gehe es ihr, wie sie festhält, jedoch nicht nur darum, zu unterhalten. Immer wieder lässt sie in ihre Texte auch kritische Gedanken zu gesellschaftlichen Problemen einfließen. Sehr gut drücken dies Gedichte wie „Flüchtling“ oder Prosa wie „Das alte Lied“ mit Bezügen zur menschenverachtenden Diktatur der Nazis und dem Leid der Verfolgten aus. „Als dreifache Mutter, vierfache Großmutter und bereits mit einem Urenkel gesegnet, mache ich mir viele Gedanken, wohin sich unsere Gesellschaft gerade entwickelt. Es kann doch niemandem gleichgültig sein, wenn Ideologien, von denen wir glaubten, dass sie längst überwunden seien, zurückkehren und sich anmachen, erneut nicht unwesentliche Teile der Bevölkerung zu durchdringen“, bezieht die Autorin klar Stellung.
Ungeachtet dessen und auch angesichts der Krisen, die aktuell und tagtäglich die Nachrichten aus aller Welt beherrschen, bleibt Gertraud Patterer aber immer auch eines: positiv denkend, sehr humorvoll und fröhlich. Den Kopf auch in schwierigen Lebenssituationen hängen zu lassen, liege ihr einfach nicht, meint sie abschließend und freut sich von Herzen darüber, dass ihr neuestes Buch jetzt, rechtzeitig vor Weihnachten, im heimischen Buchhandel erhältlich ist.
Text: Elisabeth Hilgartner, Foto: © Martin Lugger